• Weihnachten bei den Ticos

    Gepostet am 25. Dezember 2017 von Konni zu Volunteering in Costa Rica.

    Weihnachten in Heredia, Costa Rica

    Weihnachten in Heredia, Costa Rica

    So wie fast jedes Jahr habe ich auch diesmal versucht, dem Weihnachtsrummel zu entkommen. Und wie fast jedes Jahr bin ich wieder mittendrin gelandet. Denn auch in Costa Rica wird Weihnachten gefeiert, was keine Überraschung ist. Und da ich bei einer netten Tico-Familie wohne, konnte ich mich vor dem frohen Fest nicht drücken.

    Oberflächlich betrachtet, bestehen keine riesigen Unterschiede zwischen Deutschland und Costa Rica, was Weihnachten betrifft (mal davon abgesehen, dass am 26.12. in Costa Rica gearbeitet wird):  Die Leute kaufen ein, als ob es kein Morgen gäbe, in den Geschäften glitzert es überall, und Weihnachtsmänner klettern mit Sack und Pack an den Fassaden hoch (was eine ganz schöne Plackerei ist in der Affenhitze). Das geschäftige Treiben wird von fröhlichen Xmas Songs auf Spanisch und Englisch begleitet.

    Die Dekoration auf den Privatgrundstücken erinnert dann aber doch etwas mehr an Weihnachten in Nordamerika, wobei hierzulande die Stromkosten um einiges höher sind: An den Hausfassaden blinkt und blitzt es und in den Gärten fahren hellerleuchtete Weihnachtsmänner mit ihren Getreuen Schlitten. Bunt geschmückte Weihnachtsbäume mit Kugeln, Schleifen und Engelchen dürfen natürlich auch in keinem Haushalt fehlen. Das Wichtigste ist aber die Krippe, die entweder vorm oder im Haus aufgebaut wird und teilweise mehrere Meter lang ist. Zur Weihnachtskrippe gehören Maria und Josef, die Heiligen Drei Könige, eine Hütte, Tiere und viel Moos. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, oft entstehen ganze Landschaften. 

    „Meine“ Familie ist am Weihnachtsabend (nachdem Maria Elena, meine Gastmutter, den ganzen Tag in der Küche gestanden und ihre Tochter Raquel mit Enkelin Amanda Dutzende Geschenke eingepackt hatte) zu den Eltern von Raquels Freund Luis eingeladen worden. Ich durfte auch mitkommen, was sehr nett war, denn die Familie von Luis kannte mich ja noch weniger als meine Gastfamilie. Doch Gastfreundschaft wird bei den Ticos, wie sich die Costaricaner gern nennen, groß geschrieben.

    Raquels Schwiegereltern in spe wohnen auch in Heredia, aber weit entfernt vom Zentrum, auf dem Land. Dort konnten wir sogar viele Sterne sehen, die mit der Weihnachtsbeleuchtung an der Außenfassade um die Wette funkelten. Die Weihnachtskrippe, die einen halben Raum einnahm, war wirklich beeindruckend und der ganze Stolz von Schwiegermutter Cecilia. Nachdem wir sie gebührend bewundert hatten, gab es Maria Elenas leckeres Essen: Schweinefilet mit Gemüse, Kartoffeln und Mus aus Schwarzen Bohnen. Die Nachspeise von Cecilia (Orangengelee) konnte durchaus mit der Hauptspeise mithalten. Angestoßen wurde mit alkoholfreiem Sekt, damit alle mittrinken konnten. Luis Senior dankte dafür, dass sich die ganze Familie versammelt hatte, um zusammen Weihnachten zu feiern. Als wir aufgegessen hatten, stiegen Luis Brüder (die auch alle Luis heißen), Luis, Raquel und ich auf „Imperial Silver“ (Bier mit Alkohol) um. Das brauchten wir auch, denn nun ging es ans Geschenkeöffnen. Davor hatte ich schon erzählt, dass in Deutschland nach Weihnachten in den Geschäften genauso viel los ist wie vor Weihnachten: weil alle Leute ihre Geschenke umtauschen …

    Vor der Bescherung gehen in Costa Rica viele Leute in die Kirche (das war bei meiner Familie nicht der Fall). Und es wird darauf geachtet, dass die Kinder ihre Geschenke erst um Mitternacht auspacken. Manche Kinder sind aber verständlicherweise sehr ungeduldig und machen sich schon weit vor 24 Uhr über ihre Geschenke her. So wie Amanda, die die Zeit auch brauchte, weil sie reich bedacht worden war. Ab 23 Uhr durften dann auch die Erwachsenen ihre Geschenke unterm Baum ausfindig machen und öffnen. Ende vom Lied: Die Bluse von Maria Elena war viel zu groß, die Rollschuhe von Amanda auch und die Sportschuhe von Luis zu klein. Und morgen tauschen sie alles um … Ist halt auch so ähnlich wie bei uns. Aber ansonsten war es ein lustiger Abend und überhaupt nicht melancholisch – so wie manchmal in Deutschland.

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