• Überlebenstipps im Urwald

    Gepostet am 11. Dezember 2014 von Konstanze zu Lateinamerika.

    Survival-Tipps im Urwald
    Beim Flug über den Amazonas-Dschungel passiert es: Das Segelflugzeug kommt ins Schlingern und stürzt in die Baumwipfel. Jetzt heißt es, Nerven behalten und hinein ins Abenteuer! Denn wer nicht in Panik verfällt, hat besonders gute Chancen zu überleben. 

    Standort bestimmen

    All diejenigen, die unsanft im Urwalddickicht landen, sollten auf keinen Fall durchdrehen! In der „Grünen Hölle“ lauern zwar viele Gefahren, aber die überlebt man mit etwas Glück und Verstand. Also: Sinne schärfen und die Lage sondieren! Sowie unbedingt herausfinden: Wo bin ich? Wo will ich hin?

    Da man im Dschungel nur zehn bis 30 Meter weit sieht und oft nicht einmal den Himmel erkennt, bieten sich kleine Erhebungen zur besseren Fernsicht an. Aber lieber nicht auf Bäume klettern! Im dichten Geäst sitzt oft giftiges Getier, das dem Abenteuer ein schnelles Ende bereiten kann.

    Um nicht ständig im Kreis zu laufen, besser zielstrebig auf ein weiter entfernt liegendes markantes Objekt zugehen. Gleichzeitig sollte man sich anhand eines großen Baums oder Ähnlichem merken, aus welcher Richtung man gekommen ist.

    Beim Hügelabwärtslaufen trifft man oft auf einen kleinen Bach, der zum Fluss wird und aus dem Urwald herausführt. Wichtig ist es, während des Marsches nicht ständig die Richtung zu wechseln, sondern nur, wenn der Weg wirklich nirgendwohin führt. Jede Stunde zählt, wenn man den Höllentrip unbeschadet überstehen will.

    Bei längeren Pausen an einer Stelle sollte man beim kurzen Verlassen des Lagers die Bäume markieren, Zweige in Augenhöhe abknicken, Steinchen aufhäufen und so weiter, um sich nicht hoffnungslos im Dickicht zu verlaufen. Passiert es dennoch, hilft nur eins: Ruhe bewahren und gut konzentrieren. Denn im Urwald überlebt nicht der Stärkste, sondern der Intelligenteste.

    Wasser suchen

    Ohne Wasser überlebt der Mensch ungefähr drei Tage. Also ist Eile bei der Wassersuche angesagt. Doch egal wie groß die Verlockung und der Durst sind: Niemals in stehenden tropischen Gewässern baden, geschweige denn daraus trinken! Hier lauern neben gefährlichen Tieren wie Giftschlangen und Krokodilen wurmartige Parasiten, die sich in die Haut bohren und zur Krankheit Bilharziose führen.

    Wasser aus schnell fließenden Bächen und Flüssen ist eher eine Option. Aber selbst wenn herumschwimmende Fische, Krebse und so weiter darauf hindeuten, dass das Wasser genießbar ist, sollte man es nach Möglichkeit fünf Minuten abkochen, um Parasiten abzutöten oder zumindest mit Hilfe von Kleidungsstücken provisorisch filtern.

    Wer keinen Bach in der Nähe hat, bedient sich anderweitig bei Mutter Natur und fängt trinkbares Regenwasser, das an den Ästen und Baumstämmen heruntertropft, mit einem Blatt auf. Man kann auch kondensiertes Wasser erzeugen, indem man Pflanzen in einer Plastiktüte (falls vorhanden) luftdicht verschließt. Allerdings ist das nur für den Notfall gedacht, denn das Wasser schmeckt ziemlich faulig.

    Wenn gar kein Wasser aufzutreiben ist, hilft nur eins: Loch in den Schlammboden graben und warten, bis es sich mit Wasser füllt. Nach ein paar Minuten setzt sich der Schlamm am Boden ab und das Wasser kann abgeschöpft und innerhalb der nächsten 20 Minuten getrunken werden.

    Nahrung heranschaffen

    Pflanzen und Früchte gibt es im tropischen Regenwald zur Genüge. Die Frage ist nur: Welche davon kann man essen und welche sind giftig? Als Faustregel gilt (ist aber keine hundertprozentige Überlebensgarantie): Früchte, die von Affen vertilgt werden, sind meist auch für Menschen genießbar.

    Ein „Allergietest“ hilft ebenfalls weiter: Wenn zum Beispiel schon die Haut auf einen bestimmten Pflanzensaft gereizt reagiert, lieber nicht essen! Wer sich nicht sicher ist, verspeist lieber die unter der Erde liegenden Sprossen und Triebe. Sie sind schmackhafter und zarter als die oberirdischen Gewächse.

    Von bitter schmeckenden Pflanzenarten, knallroten Beeren, Pflanzen, die einen milchigen Saft absondern oder behaart sind, hält man sich besser fern. Auch hier gilt: Lieber die Pflanzen fünf Minuten kochen, mehrmals das Wasser abschütten und mit frischem Wasser nachfüllen, als einen fatalen Fehler zu begehen und die vielleicht giftige Pflanze roh zu verzehren.

    Wer seiner Pflanzenkost mit Maden, Insekten und Würmern à la Dschungelcamp das gewisse Etwas geben will, sollte nicht gleich zu viele dieser Delikatessen auf einmal verschlingen. Sie sind zwar fast alle ungefährlich und oft nahrhaft, aber können auch Allergien auslösen.

    Bedeckt halten

    In der schwülen Hitze würde man am liebsten halbnackt herumlaufen. Doch das wäre ein fataler Fehler. Die Sonne steht in den Tropen mittags senkrecht über dem Horizont und schlägt erbarmungslos zu. Innerhalb kürzester Zeit wäre der Körper ausgetrocknet; man würde sich nicht nur einen Sonnenbrand holen, sondern auch einen Sonnenstich – und im schlimmsten Fall den Tod. Deshalb: Kleidung immer anlassen, auch wenn es schwerfällt, und vor allem den Kopf bedecken, zum Beispiel mit einem T-Shirt, das links und rechts herunterhängt.

    Ein weiterer Grund für diese heroische Maßnahme sind die herumschwirrenden Mücken, die unter anderem Malaria übertragen können. Ohne Malariaprophylaxe, Moskitonetz und Insektenabwehrmittel ist man den gefährlichen Plagegeistern schutzlos ausgeliefert.

    Auch da hilft nur: Vor allem in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang jeden Quadratzentimeter Haut mit Stoff bedecken. Wer einen Kampferbaum in der Nähe hat, kann sich den Saft aus Blättern und Zweigen auf die Haut schmieren. Das ist besser als nichts, aber auch nicht sehr wirksam, wie einige Experten meinen. Auf keinen Fall kratzen, nachdem man gestochen wurde, damit sich der Stich nicht entzündet!

    Und was für die Kleidung gilt, gilt auch für die Schuhe: Wer barfuß durch den Urwald läuft, riskiert sein Leben. Man muss nicht einmal auf eine Giftspinne treten; ein paar Dornen reichen schon aus, um sich zu infizieren und ernsthaft krank zu werden. Selbst Gewässer durchwatet man – wenn überhaupt – nur komplett angezogen!

    Lagerfeuer ist ein „Must“

    Spätestens 18 Uhr ist in den Tropen Schicht im Schacht. In der Dunkelheit weiterzulaufen, wäre lebensgefährlich. Also gibt es nur eins: Loch graben, Brennholz zusammensuchen und ein Lagerfeuer machen. Denn wer am Abend kein Feuer entzündet, ist ein gefundenes Fressen für hungrige Großkatzen und andere Raubtiere, die nachts auf Beutezug gehen.

    Aber das Feuer hält nicht nur die Bestien auf Abstand. Es spendet müden Dschungel-Abenteurern auch Wärme. Hier können sie sich von den Strapazen erholen, Wasser abkochen, um Parasiten und Bakterien abzutöten, und ein paar leckere Insekten und andere Köstlichkeiten brutzeln.

    Jetzt kommt aber die wichtigste Frage: Wie setzt ein moderner Mensch ohne Feuerzeug, Streichhölzer oder Brennglas ein Feuer in Gang? Da gibt es zwei Methoden – Feuerschlagen und Feuerbohren. Erstere Methode ist einfacher, aber könnte daran scheitern, dass man das nötige Equipment im Urwald nicht auftreiben kann. Und bei letzterer Methode fängt man am besten noch im Hellen an zu üben, denn der Erfolg stellt sich oft erst nach vielen hartnäckigen Versuchen ein.

    Beim Feuerschlagen – was viele als Kinder ausprobiert haben – sucht man sich einen Feuerstein und einen Pyrit (Schwefelkies / Katzengold) oder Markasit. Eine Stahlfeile oder andere Utensilien aus Stahl mit hohem Kohlenstoffanteil tun es auch – soweit vorhanden natürlich. Wenn man den Feuerstein gegen die Mineralien oder den Feuerstahl schlägt, sprühen die Funken, die mit etwas Brennbarem (etwa Heu) aufgefangen werden müssen. Man bläst sie vorsichtig an, gibt Holz hinzu und schon lodert das Feuerchen.

    Beim Feuerbohren reibt man hartes gegen weicheres Holz. Um die Reibung zu verstärken, kann man auch noch Sand auf der Reibefläche verteilen. Läuft alles gut, fängt der entstandene Holzstaub an zu glimmen und entzündet sich beim Anblasen. Unter Zugabe von Holz entsteht dann das Feuer.

    Aber bitte nicht vergessen: Um den Wald nicht abzufackeln, immer Steine um die Feuerstelle legen, das Lagerfeuer im Auge behalten und vorm Weitermarsch vollständig ersticken!

    Nachtlager bauen

    Nachts kann man natürlich im Freien nächtigen, den funkelnden Sternenhimmel bestaunen und die Einsamkeit in grandioser Natur genießen. Aber der Spaß hört schnell auf, wenn es anfängt zu schütten und/oder Skorpione, Schlangen, giftige Ameisen und anderes lästiges Getier sich peu à peu im Nachtlager ein Stelldichein geben. Ganz zu schweigen von ausgehungerten Großkatzen, die schon die ganze Zeit im Dickicht auf der Lauer liegen und nun das Opfer verzehrfertig präsentiert bekommen.

    Da für Romantik auch nach dem Dschungelabenteuer noch Zeit ist, sollte man jetzt lieber an Sicherheit und Wohlbefinden denken und eine provisorische Notunterkunft errichten. Lichtungen mit etwas Wasser in der Nähe (aber kein Fluss oder See, in dem es von Krokodilen wimmelt!) eignen sich für dieses Vorhaben am besten. Außerdem ist es wichtig, dass keine maroden Bäume in der Nähe stehen, die beim ersten Windstoß auf die Hütte fallen.

    Für das Gerüst der Unterkunft braucht man ein paar Holzstämme und Äste, für das Dach ebenfalls Äste, Blätter sowie Palmwedel. Lianen und Baumrinde halten das ganze Konstrukt zusammen. Damit sich die Ungemütlichkeit in Grenzen hält, lohnt es sich, mit Ruten und Stroh ein paar Zentimeter über dem Grund eine Art Bett zu bauen.

    Wer keine Lust auf den Nachtlagerbau, aber zufälligerweise einen Poncho dabei hat, kann das Kleidungsstück als Schutz vor Regen zwischen vier Bäume spannen oder über eine zwischen zwei Bäumen gespannte Liane werfen und mit Stöckchen im Boden befestigen.

    Stock benutzen

    Ein großer Stock gehört zur Grundausstattung im Dschungel, denn er erweist sich unter diesen extremen Bedingungen als wahrer Alleskönner. Nicht nur, dass er müde Wanderer beim Laufen unterstützt. Mit seiner Hilfe kann man auch das Geäst teilen und läuft nicht Gefahr, mit bloßen Händen in scharfe Dornen zu fassen, eine Infektion zu riskieren oder sogar von Giftspinnen oder Schlangen gebissen zu werden.

    Aber man fühlt sich auch sicherer mit ihm. Denn selbst wenn man sich noch so vorsichtig durch den Urwald bewegt, beim Laufen weit vorausschaut und versucht, hinter jedem Gebüsch zu erahnen, wer oder was da auf der Lauer liegt, ist man vor Angriffen wilder Tiere nicht gefeit. Bei Attacken muss man mit seiner Waffe beherzt zuschlagen, da hilft nichts. Aber manches Raubtier soll sich sogar schon beim Anblick eines großen Stocks aus dem Staub gemacht haben …

    Auch abends kann man nicht auf seinen treuen Gefährten verzichten: In der Nähe von Gewässern treiben sich öfter Krokodile herum, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und versuchen, ihre Opfer ins Wasser zu zerren. Soweit darf es auf keinen Fall kommen! Wenn keine Zeit mehr zum Wegrennen bleibt, nicht zimperlich sein und dem Krokodil ordentlich eins auf die Nase hauen! Manchmal trollen sich die Biester dann …

    Auf der Hut sein

    Durch den Urwald zu wandern, ist kein Kindergeburtstag: Einmal nicht aufgepasst, und schon kann es vorbei sein … So sollte man nie achtlos durch dichtes Gras laufen, in hohle Baumstämme, Erd- und Astlöcher fassen oder sich auf den Boden setzen, ohne vorher einen Blick auf die Location geworfen zu haben. Geräusche und lautes Aufstampfen helfen zwar meist schon, giftiges Schlangen- und Spinnengetier zu vertreiben. Aber es gibt auch ein paar Vertreter, die sich nicht vom Fleck rühren und bei Belästigung angreifen.

    Ganz wichtig auch: der Blick nach oben. Im Dschungel sterben nämlich mehr Menschen durch umstürzende Bäume und herabfallende riesige Äste als an Schlangen- oder Spinnenbissen.

    Und noch ein Tipp: Bevor man in seine Kleidung schlüpft und die Schuhe anzieht, immer ausschütteln, denn dort könnten sich Skorpione oder Giftspinnen versteckt haben. Auch das provisorische Nachtlager muss vor jeder Nachtruhe gecheckt werden.

    An Flüssen, Seen oder Tümpeln ist ebenfalls Vorsicht angesagt: Baden nach Möglichkeit vermeiden wegen der herumlungernden Krokodile, die man im trüben Wasser oft gar nicht sieht oder mit Baumstämmen verwechselt! Und natürlich auch wegen der vielen anderen gefährlichen Wasserbewohner, zum Beispiel Piranhas, Anakondas, Blutegel und Zitteraale.

    Batterien aufladen

    Jeder will so schnell wie möglich raus aus der Grünen Hölle, um sich nicht noch weiteren Gefahren auszusetzen. Doch trotz des Zeitdrucks sind in dieser Extremsituation, in der der (mitteleuropäische) Körper an seine Grenzen stößt, auch Erholungsphasen essenziell: Wer stundenlang in der Hitze mit knurrendem Magen unter hohem Salzverlust durch den Urwald läuft und sich übermäßig verausgabt, wird nicht weit kommen.

    Niemand weiß ja genau, wann die Odyssee zu Ende ist. Deshalb gilt: Mit den Kräften nach Möglichkeit haushalten! Körperliche Erschöpfung lässt den Überlebenswillen schwinden, und das muss unter allen Umständen vermieden werden!

    Also, lieber eine Nacht durchschlafen, soweit das unter den Umständen möglich ist, und unterwegs ein paar Pausen einlegen, als völlig übermüdet durch den Wald zu rennen und Gefahren nicht mehr richtig einschätzen zu können. Genau dann tritt man auf eine Giftschlange oder verletzt sich im Dickicht an scharfen Dornen.

    Positives Denken ist ganz wichtig, auch wenn es schwerfällt. Wenn man sich wieder einmal verzweifelt durchs Gebüsch kämpft und am liebsten aufgeben würde, hilft es, an etwas Schönes zu denken, wie an die letzte Party mit Freunden, ein tolles Konzert oder den Schlemmerurlaub in Frankreich. Das alles kann man wiederhaben, wenn man nur durchhält!

    Hilfe anfordern

    Jeder hofft natürlich auf seine wundersame Rettung. Doch die Wahrscheinlichkeit, inmitten des unwegsamen Dschungels gefunden zu werden, ist nicht übermäßig hoch. Trotzdem lohnt es sich, im Laufe des Tages auf einer Lichtung Rauchzeichen zu geben.

    Der Rauch entsteht durch Verbrennen von frischem Gras, Blättern, feuchtem Holz oder Baummoos. Ihn dann senkrecht aufsteigen zu lassen, gelingt nur mit mehreren Leuten und einem nassen Poncho zum Beispiel, den man in sicherem Abstand über die Flammen hält. Sobald sich der Rauch darunter angesammelt hat, wird der Poncho weggenommen und der Qualm steigt nach oben.

    Tief im Wald bringt die Aktion allerdings nicht so viel, weil kein Hubschrauber oder Flieger von oben die Rauchsignale erkennt oder sie allerhöchstens mit Nebelschwaden verwechselt. Nachts entzündete Lagerfeuer werden aber manchmal sogar vom Flugzeug aus gesehen.

    Nähert sich dann endlich ein Rettungstrupp aus der Luft, meldet man per Rauchzeichen „Ich bin in Not“, indem man in kurzen Abständen dreimal Qualm aufsteigen lässt und das Feuer zwischen jedem Ausstoß für einige Sekunden mit einem nassen Palmwedel bedeckt. Mit anderen Codes kann man signalisieren, dass man Medikamente, Lebensmittel, Wasser braucht, verletzt ist, nicht weitergehen kann oder in eine bestimmte Richtung weiterlaufen wird.

    Um auch am Boden für die Retter Spuren zu hinterlassen, bricht man unterwegs Zweige ab und häuft am Wegesrand Steine auf. Doch ganz große Sorgen braucht sich ab jetzt niemand mehr zu machen, denn die Retter sind unterwegs und sorgen für das verdiente Happy End des Abenteuers.
    Herzlichen Glückwunsch!

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