• Südamerika: Die besten Tipps für Einsteiger

    Gepostet am 20. Februar 2015 von Konni zu Lateinamerika.
    Tipps für Südamerika-Einsteiger: Paraty

    Strand in Paraty © Konstanze Pfeiffer

    Seit der Fußball-WM in Brasilien ist der faszinierende Kontinent Südamerika in aller Munde. Es erwarten Sie tolle Naturerlebnisse und  freundliche Menschen. Hier die besten Tipps für Einsteiger.

    Finden Sie das richtige Einsteigerland

    Wenn Sie „sanft“ in das Abenteuer Südamerika einsteigen wollen, sollten Sie sich für Argentinien oder Chile entscheiden. Beide Länder sind von ihren europäischen Einwanderern stark geprägt worden und lassen mancherorts Heimat-Feeling aufkommen. Außerdem bestechen sie mit ihrer großartigen Natur – von Tropenwäldern über Wüsten, Hochebenenen, Gebirgen und Gletschern.

    All diejenigen, die es noch etwas „südamerikanischer“ mögen, sind in den Andenstaaten Peru, Bolivien und Ecuador mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft und Kultur richtig. Auf den bunten Märkten und Volksfesten herrscht ausgelassene Stimmung, allerdings kann es ab und zu Zwischenfällen kommen. Bolivien gilt als ärmstes und am wenigsten entwickeltes Land Südamerikas mit einer hohen Kriminalitätsrate. Verhalten Sie sich entsprechend vorsichtig und / oder reisen Sie organisiert.

    Kolumbien gehört immer noch zu den bestgehütetsten Geheimnissen des Kontinents. Der landschaftlich reizvolle, gastfreundliche Staat hat in den vergangenen Jahren viel zur Erhöhung der Sicherheit getan. Alle Probleme sind noch nicht gelöst, doch die Kriminalität in den Großstädten ist zurückgegangen. Südamerika-Einsteiger erkunden Kolumbien am besten in der Gruppe.

    Gleiches gilt für Brasilien: Wenn Sie zum ersten Mal in dieses aufregende Land reisen, sollten Sie am besten eine organisierte Tour buchen. So bekommen Sie ein Gefühl für Land und Leute, fühlen sich sicherer und können viele Orte in kurzer Zeit besuchen. Erfahrene Brasilien-Reisende mit Portugiesisch-Kenntnissen, die auf eigene Faust unterwegs sind, werden bei entsprechender Vorbereitung und Umsicht viel Spaß in dem riesigen Land mit seinen lebensfrohen Menschen haben.

    Bereiten Sie Ihren Aufenthalt in Südamerika gut vor

    Eine gute Reisevorbereitung ist schon die halbe Miete. So finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amtes viele Infos, Sicherheitstipps und medizinische Hinweise zu ihrem Zielland. Auch die deutsche Botschaft und die Konsulate vor Ort sind fast immer hilfsbereit und beantworten Fragen. Die Botschaften der Reiseländer klären Probleme rund um die erforderlichen Reisedokumente.

    Bedenken Sie, dass es in vielen Ländern inzwischen schwierig ist, mit Reiseschecks zu bezahlen – in einigen Staaten werden nicht alle Kreditkarten akzeptiert. In Brasilien passiert es des öfteren, dass in den Geschäften nur kleinere Summen mit ausländischen Karten bezahlt werden können. In Argentinien kann oft nur ein kleiner Geldbetrag am Automaten abgehoben werden. Um schnell an Bargeld zu kommen, bieten sich Sparcards bestimmter Banken an, mit denen man zehnmal pro Jahr kostenlos Geld abheben kann.

    Unbedingt ins Reisegepäck gehört eine Liste mit Notfallnummern. Um bei längeren Aufenthalten im Land günstig telefonieren zu können, lohnt sich die Anschaffung einer Telefonkarte.

    Eignen Sie sich Sprachkenntnisse an

    Obwohl in den Touristenzentren teilweise Englisch gesprochen wird, ist es wichtig, ein paar Brocken Spanisch oder Portugiesisch zu lernen. Beide Sprachen werden mehr oder weniger gut in ganz Südamerika verstanden. Wenn Sie hauptsächlich außerhalb Brasiliens reisen, entscheiden Sie sich am besten für Spanisch. Neben privaten Sprachschulen, die recht teuer sind, bieten unter anderem auch die Volkshochschulen diverse Spanisch-Kurse an. Wer nur wenig Zeit hat, kann sich mit etwas Disziplin mit einem Selbstlernkurs oder auf einer Lernplattform im Internet Spanisch-Kenntnisse aneignen.

    Auch Portugiesisch-Kurse boomen, seit Brasilien mit der Fußball-WM in den Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit gerückt ist: Außer den Volkshochschulen offerieren private Sprachschulen und Privatlehrer Sprachlehrgänge. Es gibt aber auch für Selbstlernkurse für Portugiesisch. Für eine Brasilienreise sollte man brasilianisches Portugiesisch lernen, da sich seine Aussprache zum Teil erheblich von der europäischen Variante unterscheidet.

    Schalten Sie den berühmten gesunden Menschenverstand ein

    Hören Sie vor Ort auf die Hinweise und Warnungen der Einheimischen. Sie wissen Bescheid, welche Stadtteile und Gegenden Touristen unbesorgt besuchen können beziehungsweise wo Vorsicht angesagt ist. Seien Sie nicht verwundert, wenn Sie zum Beispiel in Buenos Aires auf der Straße angesprochen werden, dass Ihr vollgestopfter Tagesrucksack zum Diebstahl einlädt. Oder wenn Sie in Rio ein Passant darauf hinweist, dass Sie sich mit Stadtplan und Kamera in der Hand als Tourist outen und bei Ganoven Begehrlichkeiten wecken.

    Lassen Sie sich Ihren Aufenthalt im Land jedoch keinesfalls von den Horrorgeschichten anderer Reisender vermiesen! Wenn Sie sich unsicher fühlen, buchen Sie lieber erst einmal eine Gruppentour mit einem landeskundigen Reiseleiter: Schauen Sie sich vor Ort in Ruhe um und entwickeln Sie ein Gefühl für die fremde Kultur.

    Behalten Sie Geld und Wertgegenstände im Auge

    Trotz der – im Vergleich zu Deutschland – hohen Kriminalitätsrate in Südamerika passiert den meisten Touristen gar nichts. Aber Garantien gibt es nicht. Deshalb sind ein paar Vorsichtsmaßnahmen angebracht, damit die Reise zu einem positiven Erlebnis wird.

    Lassen Sie Wertsachen und Schmuck lieber im Hotelzimmer und nehmen Sie nur soviel Bargeld mit, wie Sie bei Ihrem Stadtbummel oder Ausflug benötigen. Stecken Sie für den Notfall eine Kreditkarte ein, falls das Geld nicht reicht. In manchen Ländern muss man sich ausweisen, aber oft reicht auch eine Kopie des Passes.

    Verteilen Sie Ihre Finanzen an verschiedenen Stellen eng am Körper und stecken Sie eine kleine Summe in die Hosentasche, falls Sie überfallen und zur Kasse gebeten werden. Nutzen Sie bei Geldabhebungen am besten Geldautomaten in einer Bank oder einem Einkaufszentrum und behalten Sie Ihre Umgebung im Auge. Ob nach dem Geldholen oder nach Bezahlen an der Kasse im Supermarkt – verstauen Sie Ihr Geld an einem sicheren Ort, bevor Sie das Gebäude verlassen. Meiden Sie die verwaisten Innenstädte außerhalb der Geschäftszeiten. Das gilt auch für einsame Straßenzüge am Tag und nächtliche Spaziergänge in einsamen Gegenden.

    Sichere Reise mit öffentlichen Transportmitteln

    Die meisten U-Bahnen sind sehr zu empfehlen, aber manchmal überfüllt, was Taschendiebe zu Beutezügen einlädt. Für die Stadtbusse trifft das ebenso zu. Hinzukommend bleiben sie bei dem chaotischen Verkehr oft im Stau stecken.
    Fragen Sie die Einheimischen, welche Linien Sie ohne Bedenken nehmen können. Bei Vorstadtzügen sollten Sie vorsichtig sein, denn sie fahren teilweise durch unsichere Gegenden an der Peripherie der Großstädte. Nachtschwärmer rufen am besten ein Taxi, wenn sie zurück ins Hotel wollen. Besonders sicher sind Funktaxis. Bei inoffiziellen Taxis sollte man dagegen aufpassen.

    Bei längeren Distanzen hängt es auch vom Zeitrahmen und Geldbeutel ab, ob man das Flugzeug oder den meist komfortablen Reisebus nimmt. Hinzukommend kommt es auf manchen Strecken zu überfallen, zum Beispiel in Brasilien, so dass ein Inlandsflug die sicherere Variante darstellt.

    In Chile und Argentinien möchten viele aus den luxuriösen und sicheren Bussen, die sogar in der höchsten Kategorie nicht viel kosten, gar nicht mehr aussteigen. Nur auf den großen Busbahnhöfen ist Vorsicht angesagt.
    In Ländern wie Ecuador ereignen sich überdurchschnittlich viele Unfälle, weil grundlegende Sicherheitsvorkehrungen oft nicht eingehalten werden. Das Auswärtige Amt rät deshalb von Fahrten in Überlandbussen in Ecuador ab.

    Verlieren Sie im Notfall nicht die Nerven

    Leisten Sie keinen Widerstand, wenn Sie auf offener Straße oder im Überlandbus überfallen werden und geben Sie den Kriminellen Geld und Wertgegenstände. Für diesen (meist unwahrscheinlichen) Fall halten Sie immer eine kleine Summe Bargeld bereit. Am besten, Sie erkundigen sich vor Ort, welcher Betrag „angemessen“ ist. Verhalten Sie sich bei einem Überfall im Bus wie die anderen Passagiere. Auch hier sollten Sie nicht versuchen, die Banditen zu reizen, um die Sache körperlich unbeschadet zu überstehen.

    Benachrichtigen Sie bei Überfällen, Verhaftungen und anderen Notfällen nicht nur die deutsche Botschaft, sondern auch die entsprechenden Stellen des jeweiligen Landes. Die Telefonnummern von Notruf, Polizei, Touristenpolizei, Ambulanz und so weiter sollten Sie griffbereit haben. Lassen Sie sich bei Polizei- und Militärkontrollen den Ausweis der Beamten zeigen. Zum Beispiel in Peru geben sich auch gerne Betrüger als Polizisten aus.

    Gehen Sie bei Wanderungen in den Anden kein Risiko ein

    Die längste Gebirgskette der Welt, ist noch viel ursprünglicher als die Alpen. Damit Sie sicher ans Ziel kommen, sollten bei Ihren Wanderungen ein paar Regeln beherzigen:

    • Packen Sie adäquate Kleidung ein! Nachts wird es im Gebirge oft sehr kalt, tagsüber wärmt sich die Luft schnell auf. Auch mit Regen muss gerechnet werden. Wandern Sie nicht ohne feste Bergschuhe mit gutem Profil!
    • Bringen Sie Ihren Trekkingbedarf aus Deutschland mit, da die Ausrüstung in einigen Ländern Mangelware!
    • Überschätzen Sie sich nicht und wählen Sie den richtigen Schwierigkeitsgrad (viele Touren führen durch schwieriges Gelände auf über 2500 Metern Höhe)!
    • Sagen Sie einem Bekannten in Deutschland, wo Sie sich ungefähr aufhalten werden und hinterlegen Sie vor Ort eine Kontaktadresse in Deutschland!
    • Verfolgen Sie vor Ihrer Wanderung aufmerksam die News! Ihr Zielgebiet könnte von Unwettern, Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen sein.
    • Cremen Sie sich auf der Wanderung ausreichend mit einem Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, tragen Sie immer eine Kopfbedeckung und trinken Sie ausreichend Wasser!
    • Unterschätzen Sie die Höhenkrankheit nicht! Niemand weiß vorher, ob es ihn trifft oder nicht. Trinken Sie einen anregenden Tee aus Cocablättern (“Mate de Coca” – keine Droge!), wenn Sie Atemnot und Kreislaufbeschwerden verspüren. In Peru gibt es Medikamente gegen die Höhenkrankheit in jeder Apotheke zu kaufen. Sollten die Beschwerden nicht besser wreden, müssen Sie in tiefere Regionen absteigen.

    Buchen Sie Ihre Übernachtung rechtzeitig!

    In Südamerika eine Übernachtung zu finden, ist nicht schwer – wenn man ein paar Punkte beachtet. Während man in der Nebensaison fast überall ohne Voranmeldung reservieren kann, kommt es in der Hochsaison vor allem in Touristengegenden zu Engpässen. Informieren Sie sich rechtzeitig, welche Feiertage im Reiseland anstehen und buchen Sie Ihr Zimmer so schnell wie möglich. Sonst bezahlen Sie unter Umständen für eine Bruchbude ein Vermögen. Viele Unterkünfte haben heutzutage eine eigene Website, manchmal auch auf Englisch. Auch die Tourismusämter helfen gern bei der Suche.

    „South America in a Nutshell“ ist unmöglich

    Wer individuell nach Südamerika reist, mag leicht in die Versuchung kommen, alles sehen zu wollen. Letztendlich ist das bei einer Fläche von rund 17.843.000 Quadratkilometern völlig unmöglich, sei denn man ist über ein sehr langen Zeitraum unterwegs. Wer es dennoch probiert, wird mehr Zeit auf der Straße und in Flughäfen verbringen als vor Ort. 100 Kilometer per Bus können in Brasilien Stunden dauern, da die Infrastruktur schlecht und der Verkehr in den großen Städten chaotisch ist. Auch Streiks, Unruhen und Unwetter können dem Vorhaben “Südamerika in drei Wochen” ein rasches Ende setzen.

    Informieren Sie sich vor Reiseantritt, was machbar ist. Natürlich können Sie auch noch Ihre Reisepläne ändern und Abstecher einbauen (zum Beispiel an den Iguazu-Wasserfällen von der brasilianischen auf die argentinische Seite wechseln, von Buenos Aires aus einen Kurztrip nach Rio machen oder mit der Fähre ins uruguayische Städtchen Colonia übersetzen).
    Genießen Sie lieber den Aufenthalt an Ihren vorher festgelegten Wunschorten, als von einem Land zum nächsten zu hetzen – sonst haben Sie am Ende der Reise zwar viele Stempel im Pass, aber wenig Interessantes gesehen.

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