• Maya-Stätten in Mexiko

    Gepostet am 3. September 2014 von Konni zu Lateinamerika, Mexiko.
    Chichén Itzá

    Chichén Itzá © Wikipedia


    Ob Palenque, Uxmal, Chichen Itzá, Tulum oder Yaxchilán − ein Besuch dieser  alten Königreiche und Stadtstaaten erzählt die Geschichte einer untergegangenen Hochkultur.

    Palenque, Yucatán

    Mitten im Urwald liegen die geheimnisvollen, mit Stuck und Skulpturen geschmückten Ruinen von Palenque, das Ende des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Doch nicht nur diese archäologischen Funde machen die Maya-Stätte zu einem besonders bemerkenswerten Ort: Wer die Stufen der Tempel hinaufsteigt, dem bietet sich ein fantastischer Blick über die Baumgipfel des Regenwaldes bis hinunter ins Flachland. Schon 100 vor Christus ließen sich die Maya hier nieder. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt aber erst in der klassischen Periode vom sechsten bis achten Jahrhundert nach Christus. Schon 200 Jahre später verfiel sie allerdings immer mehr.

    Die gut erhaltenen Tempel wurden auf pyramidenförmigen Sockeln errichtet. Ihre Dachverzierungen sind außergewöhnlich und bei Tempeln andernorts eher selten zu finden. Im Tempel der Inschriften – dem wichtigsten Heiligtum des Ortes – entdeckten Forscher das Grab des Herrschers von Palenque. Die Pyramide unter dem Tempel gilt als einzigartig in der präkolumbianischen Architektur Mexikos, da sie auch als Grabmal diente. Tief im Innern der Pyramide befindet sich die Grabkammer; im Grab selbst entdeckten Archäologen einen Grabschatz, der aus Jadeschmuck und einer schönen Jademaske besteht.

    Der auf einer zehn Meter hohen Plattform errichtete labyrinthartige Palastkomplex – das Werk mehrerer Könige – setzt sich aus verschiedenen Gebäuden, Gängen und Innenhöfen zusammen. Ein 15 Meter hoher Turm im Zentrum der Anlage diente als Beobachtungsturm. Hier saßen die Priester in engen Räumen und sagten die Zukunft aus den Sternen vorher. Im Hof stechen vor allem die Reliefs mit Gefangenen ins Auge, die die Macht der Herrscher demonstrieren. Weitere interessante Bauten in diesem Ort des Weltkulturerbes sind der noch nicht ganz freigelegte Tempel des Jaguars, der Tempel des Blätterkreuzes mit einem Relief, das eine kreuzförmige Maispflanze zeigt, sowie der auf einer vierstufigen Pyramide errichtete Sonnentempel.

    Uxmal, Yucatán

    Diese spätklassische Maya-Ruinenstadt liegt in der hügeligen Karstlandschaft der Puuc-Region („Puuc“ in der Mayasprache Yucatáns: „Hügelland“). Die wichtigste Maya-Stätte des Gebiets erlebte ihre Blütezeit im neunten und frühen zehnten Jahrhundert nach Christus, wurde allerdings ein bis zwei Jahrhunderte später von ihren Einwohnern verlassen. Im Gegensatz zu anderen Maya-Orten in Yucatán sind in Uxmal keine „cenotes“ (mit Süßwasser gefüllte, tiefe Kalksteinlöcher – Wohnsitz des Regengottes Chac, dem auch Menschen geopfert wurden) zu finden. Die Einwohner Uxmals litten unter Wasserknappheit und sammelten Wasser in künstlichen Zisternen.

    Uxmal („dreimal erbaut“) gehört mit seinen schön restaurierten Gebäuden zu den meist besuchten Maya-Ruinenstätten. Viele Bauwerke sind phantasievoll dekoriert und zeigen einen einheitlichen architektonischen Stil. Überragt werden alle Gebäude von der 35 Meter hohen Adivino-Pyramide („Wahrsager“-Pyramide) mit ihren abgerundeten Ecken, die über vier Jahrhunderte immer wieder um- und ausgebaut wurde – im Laufe der Zeit entstanden fünf Tempel übereinander. Wer die tolle Aussicht von ganz oben genießen will, muss allerdings erst einmal die steilen Stufen bis zum Tempel auf der obersten Plattform erklimmen. Der Aufstieg ist ziemlich anstrengend, denn die Treppe hat einen Steigungswinkel von rund 45 Grad.

    Der Gouverneurspalast aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert gilt als Höhepunkt des Puuc-Stils. Zu ihm gehören drei Gebäude, die durch Maya-Bogen miteinander verbunden sind. Vom Mosaikfries der Fassade heben sich die Rüsselnasen des Regengottes Chac ab. Im Nonnenviereck, dessen 74 kleine Kammern die Spanier an die Zellen eines Nonnenkloster erinnerten (daher der Name), kann man mit Chac-Masken, Schlangenmotiven und Gittermustern dekorierte Fassaden bewundern. Die Außenwände des Hauses der Schildkröte sind mit einem Fries aus kleinen Schildkröten verziert.

    Chichen Itzá, Yucatán

    Chichen Itzá („Mund der Brunnen der Itzá“) gehört nicht nur zu den am besten erhaltenen Mayastätten Yucatáns. Sie ist auch eine der bedeutendsten und meist besuchten Ruinenstädte Mexikos. Jeden Tag zieht es Tausende von Touristen, vor allem aus den Ferienorten Cancún und Playa Del Carmen, zu dieser Stätte des Weltkulturerbes, um die hervorragend restaurierten Mayaruinen zu bewundern. Und inzwischen steht Chichen Itzá sogar auf der Liste der „Sieben neuen Weltwunder“.

    In der spätklassischen Mayakultur entstanden, spielte der Ort zwischen dem achten und elften Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Maya-Gesellschaft. Allerdings haben die Archäologen auch bis heute nicht alle Rätsel um seine Entstehung und Entwicklung lösen können. Fest steht, dass Chichen Itzá mit über 35.000 Einwohnern bis ins 13. Jahrhundert hinein ein wirtschaftliches, politisches und religiöses Machtzentrum war.

    Was die Bauweise der Gebäude betrifft, fällt besonders das verbindende Elemente von Maya- und Tolteken-Architektur auf. Einer Legende nach hatte sich das Volk aus Tula in Chichen Itzá den Maya unterworfen. Noch heute fallen viele bauliche Gemeinsamkeiten zwischen der Ruinenstätte Tollan / Tula und Chichen Itzá auf.

    Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehört zweifellos die 30 Meter hohe Pyramide Kukulcán (spanisch: „El Castillo“ / Schloss), die viele Elemente des Maya-Kalenders aufweist. Sie wurde auf einem quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 55 Metern an der Basis erbaut. Zur Plattform führt an jeder Seite der Pyramide jeweils eine Treppe. Alle vier Treppen mit jeweils 91 Stufen stehen für die vier Himmelsrichtungen. Addiert man ihre Stufen mit der Stufe zur Plattform ergeben sich genau 365 Treppenstufen, die je einen Tag des Jahres repräsentieren. Zur Sonnenwende im Frühjahr und Herbst kann man eine optische Täuschung beobachten, wenn ein Schatten auf die Nordseite der Pyramide fällt: Man meint, eine Schlange krieche die Stufen herunter.

    Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Schneckenturm, der wohl ein Observatorium war, der Ballspielplatz – mit 168 Meter Länge der größte Mesoamerikas, der Tempel der tausend Säulen, der auf einer Pyramide errichtete Kriegertempel sowie das Nonnenkloster, in dem aber nie Nonnen wohnten.

    Tulum, Yucatán

    Vor jahrhundertealten Maya-Ruinen im türkisblauen Meer baden – das ist nur in Tulum möglich. Obwohl der Ort architektonisch gesehen nicht zu den bedeutendsten Maya-Stätten gehört, ist seine malerische Lage auf einer Klippe über der Karibikküste einzigartig und für Touristen aus Cancún ein beliebtes Ausflugsziel. Um sein Flair in Ruhe genießen zu können, sollte man ihn deshalb am besten frühmorgens oder am späten Nachmittag besuchen.

    Tulum (in der Maya-Sprache: „Mauer“, „Festung“) war von 1200 nach Christus bis zur spanischen Eroberung nicht nur ein florierendes Handelszentrum, das sich vor allem auf den Honigexport spezialisiert hatte, sondern auch religiöser Mittelpunkt. Hier legten seefahrende Maya-Kaufleute aus verschiedenen Regionen an, was sich an den unterschiedlichen architektonischen Stilen bemerkbar macht. Noch heute dient das Schloss („El Castillo“) mit seinem 13 Meter hohen Turm als Orientierungspunkt an der Küste der Halbinsel Yucatan. Sogar der Spanier Juan Díaz war von der Größe des Gebäudes tief beeindruckt, als er 1518 nach Tulum kam. Noch heute können die Stuckfiguren von „El Castillo“ bewundert werden.

    Auch im Freskentempel („Templo de las Pinturas“), von dessen Warte aus der Sonnenlauf beobachtet wurde, sind noch heute einige Wandmalereien zu sehen wie Fische, Schlangen, Meerestiere, die die jeweilige Gottheit einrahmen. Der Bau war in religiöser und sozialer Hinsicht sehr bedeutungsvoll für das nachklassische Tulum.

    Der „Tempel des Windes“ („Templo del Dios del Viento“), auf einem Hügel in Meeresnähe gelegen, wurde auf einer halbrunden Plattform erbaut und ist von der Bauweise her eher Maya-untypisch. Von hier aus wurde wahrscheinlich der Wind angebetet.

    Yaxchilán, Chiapas

    Wer diese abgelegene, aber bezaubernde Maya-Stätte im Grenzgebiet zwischen Mexico und Guatemala kennen lernen möchte, muss einige Strapazen auf sich nehmen. Mitten im Regenwald, am Fluss Usumacinta gelegen, ist sie nur per Bus, Boot und Kleinflugzeug erreichbar. Hier leben die Lacandón-Indios, die letzten Nachkommen der alten Maya, die mit der traditionellen Lebensweise und Religion verwurzelt sind. Yaxchilán spielt für sie noch eine große Rolle, da sie hier ihre Ahnengötter verehren und ihnen Opfer bringen können.

    Das einstmals mächtige Fürstentum wurde um 350 vor Christus gegründet, erreichte seine Blüte aber erst im achten Jahrhundert unter König „Schild Jaguar“ und seinem Sohn „Vogel Jaguar“. Yaxchilán, im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, ist vor allem für seine Steinskulpturen mit Darstellungen von Menschen und Hieroglyphentexten, Stelen, Stuckornamente und schönen reliefbedeckten Türschwellen berühmt. Besonders gut erhalten ist der Tempel 33 mit der Skulptur von Vogel-Jaguar.

    Zu weiteren bekannten Bauwerken gehören der Ballspielplatz sowie die große, kleine und südliche Akropolis. In Yaxchilán fällt besonders auf, dass „Schild Jaguars“ Ehefrau Xoc oft auf Bildern in den Tempeln erscheint. Sie stammte aus der Maya-Oberschicht; die Verbindung mit ihr brachte dem Herrscher sehr viele Vorteile. Zum Beispiel sieht man im Tempel 23 auf zwei Türstürzen, wie Xoc ein Blutopfer bringt – und sich ein Band durch die durchbohrte Zunge zieht.

    Calakmul, Campeche

    Calakmul, eine wichtige Stadt der klassischen Periode, zählt neben El Mirador und Tikal zu den größten jemals entdeckten Maya-Stätten. Nachdem das Gebiet schon seit der Präklassik bewohnt war, stieg die Stadt im sechsten Jahrhundert zur führenden politischen und militärischen Großmacht der Gegend auf. Nach siegreichen Kämpfen gegen Tikal erlangte Calakmul (historischer Name: „Chan“ – Schlange) die Oberhoheit über verschiedene Vasallen-Staaten.

    Besonders unter König „Yuknoom Ch’een II.“ („der Große“) erlangte der Ort Mitte des siebten Jahrhunderts Macht und Ruhm. Ab Ende des siebten Jahrhunderts, als der Sohn von Yuknoom dem Großen in einer entscheidenden Schlacht geschlagen und Calakmul wohl von Tikal besetzt wurde, setzte der Niedergang der Stadt ein. Endgültig verschwand sie in der politischen Bedeutungslosigkeit, als Tikal alle ihre Vasallen besiegte.

    Auf einer Fläche von rund 30 Quadratkilometern standen in Calakmul mehr als 100 Kolossalbauten – insgesamt über 5.000 Gebäude, wobei immer noch viele Bauwerke unter der Erde ruhen. Die Strukturen I und II beherrschen das Stadtbild; zu den besonders bemerkenswerten Bauwerken gehört die mit 50 Metern höchste Pyramide Mexicos. Ihre zirka 100 Stelen sind besonders eindrucksvoll, wobei die Jademasken aus den Grabstätten im „Museo Arqueológico“ von Campeche ausgestellt sind.

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