• Maya-Stätten in Guatemala

    Gepostet am 2. September 2014 von Konstanze zu Guatemala, Lateinamerika.
    Maya-Stätten in Guatemala

    Tikal © Wikipedia


    Die Maya-Stätten in Guatemala gehören zu den ältesten Mittelamerikas. Einige liegen versteckt im Urwald wie El Mirador – die „Wiege der Maya-Zivilisation“.

    Tikal

    „Es ist ein Gemeinplatz, von den glanzvollen alten Maya und ihren fast vergötterten Städten zu sprechen. Doch solche Klischees bekommen neue Bedeutung …, wenn man mitten in Tikal steht oder von einem höher gelegenen Tempeleingang über den Dschungel blickt, der die Stadt und ihre Maya erobert hat.“ Das schrieb der amerikanische Archäologe William R. Coe, der Tikal so gut kannte wie fast kein anderer. Und so beeindruckt wie er sind alle Besucher dieser antiken Maya-Stätte mitten im guatemaltekischen Regenwald. Heute ist es größte Ausgrabungsstätte auf amerikanischem Boden und Teil des Tikal National Parks. Auf diese Weise wird das Weltkulturerbe vor Plünderern geschützt.

    Im rund 15 Quadratkilometer großen Stadtzentrum stehen über 3.000 Gebäude, teilweise von tropischen Pflanzen überwuchert. Obwohl Tikal sehr gut erforscht ist, liegen wohl noch Tausende weiterer alter Häuserfundamente unter der Erdoberfläche und warten auf ihre Wiederentdeckung. Gruppen von Pyramiden, Palästen, Tempeln und Ballspielplätzen sind durch Straßen miteinander verbunden. Die erste datierte Maya-Stele (griechisch für Grabsäule) stammt aus dem Jahr 292 nach Christus.

    Tikal erlebte während der klassischen Maya-Epoche seine Glanzzeit. Diese begann unter Herrscher „Stürmischer Himmel“ im fünften Jahrhundert nach Christus und setzte sich unter „Ah Cacao“ ab 682 nach Christus fort. 100 Jahre später lebten rund 55.000 Einwohner auf 123 Quadratkilometern, was Tikal zur größten Stadt im Maya-Gebiet machte. Im frühen neunten Jahrhundert setzte der Niedergang ein, und die Bautätigkeiten wurden eingestellt; im zehnten Jahrhundert lebte niemand mehr in Tikal.

    Unter den vielen interessanten Gebäuden vermittelt der Gran Plaza im Zentrum einen besonders guten Eindruck vom Leben in der antiken Metropole. Er diente – so wird angenommen – als eine Art „kosmischer Raum“: Im „Himmel“ (die Nordakropolis) wurden die Herrscher Tikals begraben. Auf zwei großen Plattformen errichtet, symbolisierte der Palast südlich des Platzes die „Unterwelt“.  Da er sehr aufwändig gebaut war, nimmt man an, dass es sich bei diesem Palast auf der Zentralakropolis um die Königsresidenz handelte.

    El Mirador

    Kaum jemand kennt El Mirador, die „vergessene Stadt“, die sogar als Wiege der Maya-Zivilisation gilt. Die größte Maya-Metropole der Präklassik erlebte ihre Blütezeit als Handelszentrum ab 300 vor Christus, wurde jedoch bereits um 50 nach Christus von ihren Bewohnern verlassen. Auf einem großen, von Urwald überwucherten Gebiet befinden sich Hunderte von Maya-Ruinen. Besonders sehenswert in der 1926 wiederentdeckten Stadt sind die zwei großen Pyramiden: die rund 55 Meter hohe „El Tigre“ und die 72 Meter hohe „La Danta“, die zu einem Komplex verschiedener auf Plattformen errichteter Gebäude gehört.

    Dieser Danta-Pyramidenkomplex mit einem Fassungsvermögen von 2,8 Millionen Kubikmetern könnte sogar der größte der Welt sein. Besonders beeindruckend dabei: Jeder Stein wurde per Hand nach oben getragen, denn es gab keine Pferdewagen, Äxte, Räder oder andere Hilfsmittel. Es sind noch nicht alle Ruinen vollständig restauriert – ein Grund für die relativ geringen Besucherzahlen. Außerdem ist die Anreise zu dieser Mayastätte nicht so einfach, denn sie liegt mitten im Dschungel.

    Doch das wird sich sicher bald ändern, denn bei Ausgrabungen werden immer neue interessante Funde gemacht: So entdeckten Archäologen 2009 einen vier Meter langen und drei Meter hoher Maya-Fries, schätzungsweise aus dem Jahr 300 vor Christus – und damit der älteste bisher bekannte seiner Art. Der Fries aus Kalkstein und Stuck zeigt Hunapú und Ixbalanqué (in der Sagenwelt der Maya Sonne und Mond) beim Baden im Fluss.

    Das Projekt „Mirador Basin National Park“ will dieses geschichtsträchtige Gebiet in einen riesigen Nationalpark integrieren. So können bei Ausgrabungen weitere Entdeckungen gemacht werden und die Touristen mehr darüber lernen. Der Schutz der „vergessenen Stadt“ ist notwendig, da sie von Holzfällern, Viehzüchtern und Drogendealern bedroht ist, die sich immer weiter in die Wildnis vorarbeiten.

    Uaxactún

    Die alte Ruinenstadt im Nationalpark von Tikal gehört zu den frühesten historischen Maya-Stätten; hier entdeckten Forscher die ersten Funde aus vorklassischer Zeit. Schon um 1000 bis 350 vor Christus wurde Uaxactún bewohnt, allerdings gegen 200 nach Christus – wie auch andere Maya-Stätten des Tieflands – verlassen, dann später wieder neu besiedelt.

    Den Höhepunkt der Macht erreichte Uaxactún in der Zeit der Maya-Klassik (250 bis 909 nach Christus), als auch die Hieroglyphenschrift entstand. In dem Ort verfeinerten die Maya ihren Kalender, verbesserten das Schriftsystem und stellten hochwertige mehrfarbige Keramikgegenstände her.

    Laut einer Inschrift regierte ab 378 nach Christus ein aus Zentral-Mexiko stammender König, der weitreichende kulturelle Veränderungen durchsetzte. Die Stadt konnte aber nie wirklich mit seinem nur 23 Kilometer entfernten großen „Bruder“ Tikal konkurrieren. Als im achten und neunten Jahrhundert alle großen Maya-Stätten der Klassik verlassen wurden, traf 889 nach Christus auch Uaxactún dieses Schicksal.

    Bei Ausgrabungen fanden Archäologen unter einer Palastanlage die Überreste einer ovalen Sockelplattform aus der Frühklassik. Die Bauten jener Epoche waren durch hölzerne, mit Palmstroh gedeckte Dächer gekennzeichnet. Besonders bekannt ist ein Tempel-Komplex in Gruppe E; eine Pyramide mit Treppenaufgängen an jeder Seite wurde vor allem als Observatorium genutzt: Man ordnete drei Tempel gegenüber einer Plattform derart an, dass die Sonnenaufgänge zur Sonnenwende beobachtet werden konnten.

    In den Grabkammern der Oberschicht fanden die Archäologen nicht nur Gefäße, sondern auch Essgeschirr, das in der Mitte ein Loch hat, was die rituelle Tötung symbolisierte.

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