Kultur und Nachtleben in São Paulo

São Paulo: Banespa- und Martinelli-Gebäude

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Schönheitswettbewerbe gewinnt São Paulo nicht. Das überlässt die Megastadt lieber ihrer berühmten Schwester Rio. Doch wer sich Zeit nimmt, wird von São Paulos Vielfalt überrascht.

Niemand verliebt sich in die Elf-Millionen-Metropole auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten. In Sampa, wie São Paulo auch genannt wird, schlagen die Uhren schneller als im behäbigen Europa, hier pulsiert das Leben. Neben der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung bietet das „New York Südamerikas“ eine riesige Auswahl an kulturellen Events, viele sogar gratis. Da fällt die Entscheidung nicht leicht …

Allein für die Besichtigung der vielen interessanten Museen braucht man Tage. Besonders berühmt ist das „MASP“ (Museum der Schönen Künste) mit Werken von van Gogh und Renoir. Im liebevoll eingerichteten „Museu Afro Brasil“ erfahren die Besucher mehr über die afro-brasilianische Kultur. Zu den rund 90 Museen der Stadt gesellen sich unzählige Ausstellungen junger zeitgenössischer Künstler, zum Beispiel in Kulturzentren, Bibliotheken, Akademien, U-Bahnhöfen.

Und was viele nicht wissen: Im etwa 790 Meter hoch gelegenen São Paulo kann auch kräftig durchgeatmet werden, denn die 1554 gegründete Stadt besteht nicht nur aus Beton. Über 50 Parks und Grünanlagen, zum Beispiel der riesige „Parque do Ibirapuera“, laden zu schönen Spaziergängen und Picknicks ein. Wer sich lieber ins Getümmel stürzt, sollte unbedingt in die berühmte Markthalle „Mercado Municipal“ fahren. An über 300 Ständen werden frische und exotische Lebensmittel aus ganz Brasilien angeboten; in den Restaurants und Snack Bars des Mercado können sich Gourmets von der Qualität der Produkte direkt vor Ort überzeugen.

Ein Muss für alle Fußballfans ist das multimediale Fußballmuseum „Museu do Futebol“ im Pacaembu-Stadion. Hier bekommen die Besucher nicht nur alte Bälle und Fußballschuhe von Berühmtheiten präsentiert, sondern können bei Radioaufzeichnungen von alten Live-Spielen mitfiebern, virtuell Fußball spielen und sich sogar im Elfmeterschießen üben.

Am Abend geht’s dann auf die hell erleuchtete Allee „Avenida Paulista“ mit Shoppingcentern, Bars und Restaurants. Das angesagte Ausgehviertel „Jardins“ gleich nebenan erinnert ein bisschen an Europa: Hier lassen die Paulistanos das Auto stehen, schlendern entspannt durch die Straßen, shoppen in kleinen, schicken Boutiquen und trinken im Straßencafé Cappuccino. Einen fantastischen 360-Grad-Rundblick über die hell erleuchtete, bizarre Wolkenkratzer-Welt São Paulos bietet die Retro-Bar im 41. Stock des „Terraço Itália“ – ein unvergessliches Erlebnis.

1. Avenida Paulista

Prachtstraße der Superlative

Oft werden ausländische Touristen gefragt: „Und, wie findest du die Avenida Paulista?“ Da die Prachtallee der ganze Stolz der Paulistanos (Einwohner von São Paulo) ist, gibt es darauf natürlich nur eine Antwort: „Muito legal!“ (ganz toll!). In der Tat ist die fast drei Kilometer lange Straße ein Ort der Superlative. Als eine der feinsten Adressen des Landes und Symbol der Wirtschaftskraft Brasiliens erreichen hier nicht nur die modernistischen Bürogebäude, sondern auch die Immobilienpreise schwindelerregende Höhen. Finanzunternehmen, Anwaltskanzleien und  Kulturinstitute, die auf der Paulista ihren Sitz haben, gehören zu den Top Playern.

Aber die Straße ist nicht nur für die Wirtschaft interessant, sondern auch ein Besuchermagnet. Neben Shoppingcentern, guten Restaurants, Cafés, Kinos und Theatern befindet sich auf der Avenida auch das Kunstmuseum („MASP“) mit der umfassendsten Sammlung Lateinamerikas und wechselnden Ausstellungen. Wer Lust auf weitere gute Ausstellungen hat, ist in einem der vielen Kulturzentren der Paulista an der richtigen Adresse, zum Beispiel im „FIESP“, „Itaú Cultural“ oder „Reserva Cultural“.

Ein bisschen aus der Reihe fällt – architektonisch gesehen – das Kulturzentrum „Casa das Rosas“ mit einem der schönsten Rosengärten der Stadt und vielen Kunstausstellungen und Konzerten. Der Stil des Anfang der 30er-Jahre errichteten Herrenhauses erinnert an die Ära der Kaffeebarone, die früher in teuren Villen auf der Paulista residierten. Ab den 50er-Jahren mussten diese Gebäude allerdings Hochhäusern weichen.

Wer eine Verschnaufpause braucht, ruht sich am besten im schattigen „Parque Siqueira Campos“ („Trianon“) unter 300 Jahre alten Bäumen aus und genießt die himmlische Ruhe, bevor es weitergeht.

2. Museum der Schönen Künste

Kunst vom Feinsten

Mit seiner umfassenden Kunstsammlung gehört das Museum der Schönen Künste („MASP“) auf der Avenida Paulista zum Pflichtprogramm jeder Sightseeingtour. Allein schon das Gebäude ist sehenswert, auch wenn es in die Jahre gekommen zu sein scheint: Es ist wohl das einzige Bauwerk der Welt, das – von vier seitlichen Säulen getragen – auf über 70 Metern frei über dem Boden „schwebt“.

Die Exponate in dem 1947 gegründeten und 1968 fertiggestellten „MASP“ begeistern nicht nur Museumsfreunde. Auch weniger Kunstinteressierte kommen voll auf ihre Kosten, zum Beispiel bei den ständig wechselnden Ausstellungen. Besonders berühmt ist das Museum aber für seine bedeutende Sammlung westlicher Kunst – die umfangreichste in ganz Lateinamerika und wahrscheinlich sogar der gesamten Südhalbkugel.

Hier sind alle großen Maler verschiedener Stilrichtungen vertreten wie Rembrandt, Frans Hals, Botticelli, Cranach, Goya, Velázquez, Renoir, Cézanne, Degas, Monet, van Gogh und Toulouse-Lautrec. Außerdem beherbergt das Museum eine umfangreiche Sammlung brasilianischer Kunst, Werke aus Afrika, Asien sowie archäologische Fundstücke – insgesamt schätzungsweise über 8.000 Exponate – und eine der größten Kunstbibliotheken des Landes.

Wer am Sonntag ins „MASP“ geht, kann anschließend gleich noch über den Antikmarkt „Feira de Antiguidades do Vão do MASP“ schlendern, auf dem Antiquitäten aller Art verkauft werden. Der Stände befinden sich – strategisch günstig – fast alle unter dem Museums-Überbau, sodass der Schirm bei Platzregen in der Tasche bleiben kann.

3. Markthalle „Mercado Municipal“

Ein kulinarischer Hochgenuss

Hoch her geht’s ab sechs Uhr morgens in der berühmten Markthalle Mercado Municipal im alten Stadtzentrum von São Paulo. In dem schön renovierten eklektischen Gebäude aus den 30er-Jahren, in dem frische und getrocknete Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Gewürze und Getreideerzeugnisse aus ganz Brasilien verkauft werden, sollte man sich einfach treiben lassen und das Flair des exotischen – und sauberen – Marktes genießen.

Feinschmecker verbringen an den wohl über 300 Ständen Stunden und können sich nicht sattsehen an den vielen tropischen Früchten, die fast immer probiert werden dürfen. Und es lohnt sich auch der Blick nach oben – auf die bunt verglasten riesigen Fenster, die aus der Geschichte der Kaffeeindustrie und anderer Lebensmittelproduktionen in Brasilien erzählen.

Aber die Paulistanos treffen sich auf dem Mercado nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Schlemmen. Wie in ganz São Paulo werden leckere mit Palmito (Palmherz), Bacalhau (Stockfisch), mit Fleisch, Käse oder Fisch gefüllte frittierte Teigtaschen (Pastel) angeboten, zum Beispiel in der „Hocca Bar“. Oder man entscheidet sich in der „Bar do Mané“ für den Klassiker der City – das Mortadella-Sandwich. Andere Stände locken mit frischen Fruchtsäften, noch mehr Snacks und „Caldo de Cana“ (frischem Zuckerrohrsaft): Die Kalorienbombe schmeckt superlecker und wird als natürliche Energiequelle sehr geschätzt.

Sonntags lohnt sich der Besuch in der Markthalle besonders, denn dann gibt’s Livemusik. Dazu trinken die Paulistanos gern ein eisgekühltes Bierchen und essen Petiscos (Häppchen).

4. Park „Parque do Ibirapuera“

Oase im Großstadt-Dschungel

Der Park Ibirapuera ist – wie könnte es auch anders sein in São Paulo – natürlich nicht nur die grüne Lunge der Stadt: Auch hier trifft der Besucher auf Highlights aus Kultur und Wissenschaft. Um alle Sehenswürdigkeiten kennenzulernen, reicht ein Tag bei Weitem nicht aus, wobei für die meisten Paulistanos Spaziergehen und Sporttreiben an erster Stelle stehen. Denn während der Woche sehen sie kaum Grün, was zum großen Teil an den langen, zeitraubenden Arbeitswegen liegt.

Im Parque do Ibirapuera, der zum 400. Stadtgeburtstag 1954 seine Pforten öffnete, laden Radwege, Joggingpfade, Tennis- und Fußballplätze zum Sporteln und schattige Wege zum Spazierengehen ein. An den drei künstlichen Seen wird relaxt und gepicknickt. Auf den Hauptwegen bieten Verkäufer Getränke, Eis und Snacks an. Straßenkünstler bringen Kinder und Erwachsene zum Lachen oder Staunen. Und von überall her tönt Musik.

Zu Ehren der japanisch-stämmigen Brasilianer mit geschätzten 700.000 Personen im Staat São Paulo stiftete die japanische Gemeinde 1954 auf einem 7.500-Quadratmeter-Gelände eine in Japan gefertigte Nachbildung des kaiserlichen Katsura-Palastes von Kyoto. Das Bauwerk verfügt über einen Festsaal für Tee-Zeremonien, eine Dauerausstellung zur japanischen Kultur ab dem Jahr 1000 nach Christus sowie schöne Gärten und einen Karpfenteich.

Und es gibt einige interessante Museen im Park, wie das Afro-Brasilianische Museum oder das Museum für Moderne Kunst („MAM“). Das „MAM“ gehört mit Werken brasilianischer Modernisten und Exponaten von Chagall, Miró und Picasso zu den wichtigsten Museen moderner Kunst in ganz Brasilien. 1948 eingeweiht, ist es das älteste Museum für Moderne Kunst in Lateinamerika.

Erlebnisse ganz anderer Art verspricht das 1957 gegründete, älteste Planetarium Brasiliens, dessen Kuppel von 18 Metern Durchmesser die Besucher schon von Weitem leuchten sehen. Die Halle im Planetarium bietet Platz für 300 Personen; über die Zeiten der Besichtigungstouren sollte man sich vorher informieren – sowie auch über abendliche Aufführungen und Konzerte im Park.

5. Afro-Brasilianisches Museum

Geschichte wird lebendig

Schon vorm Eingang des „Museu Afro Brasil“ ist am Wochenende richtig was los: Hier zeigen Capoeira-Künstler, begleitet von heißen Rhythmen und Anfeuerungsrufen der Zuschauer, ihr Können. Damit keiner aus dem begeisterten Publikum verhungert (was in São Paulo sowieso unmöglich ist), bietet eine Verkäuferin aus Bahia in Nordost-Brasilien typische Spezialitäten ihrer Region an, zum Beispiel Acarajé (Bällchen aus gemahlenen Bohnen, Krabben und Gewürzen). Die Schlange vor ihrem Stand ist immer ziemlich lang, wobei die Warterei aufgrund des hohen Unterhaltungswertes nicht so schlimm ist.

Dann geht’s hinein ins Museum. Der 1953 eingeweihte Pavillon „Manoel da Nóbrega“, in dem sich das Museum befindet, wurde von dem berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen. Das seit 2004 bestehende „Museu Afro Brasil“ ist eine öffentliche Einrichtung mit sozialer Verpflichtung, der Eintritt ist gratis. Auf anschauliche Weise lässt es die Geschichte der afro-brasilianischen Bevölkerung – von der Sklaverei bis heute – wieder lebendig werden.

Im Gebäude sind über 3.000 Objekte afro-brasilianischer Kulturen ausgestellt – unter ihnen Bilder, Skulpturen, Holzschnitte, Bücher, Videos, Fotos und Dokumente ab dem 15. Jahrhundert bis heute. Mithilfe der Exponate brasilianischer und ausländischer Künstler werden dem Besucher unterschiedliche Aspekte des Lebens der Afro-Brasilianer näher gebracht, wie Arbeit, Religion, Kunst, Sklaverei. Gleichzeitig geht es aber auch um den afrikanischen Einfluss auf die brasilianische Gesellschaft … alles in allem ein Museum, das seine Gäste zum Nachdenken anregt.

6. Altes Zentrum mit Kathedrale

Hier schlug das Herz von São Paulo

Obwohl das alte Zentrum von São Paulo (Centro) etwas heruntergekommen ist, sollte niemand auf eine Besichtigung des Platzes „Praça da Sé“ mit seiner Kathedrale („Sé“) verzichten. Die Gegend besucht man am besten, solange es hell ist und ohne teure Kamera, da es neben Geschäftsleuten und Angestellten auch Taschendiebe gibt.

Der Platz bildet das Herzstück des alten São Paulo, und oft meinen die Paulistanos, wenn sie vom „Centro“ sprechen, den „Praça da Sé“. Hier wurde Geschichte geschrieben: Viele wichtigen Kundgebungen und Veranstaltungen fanden auf dem Praça statt. In der Mitte befindet sich der kleine, 1934 geschaffene Marmor-Obelisk „Marco Zero“. Von diesem geografischen Mittelpunkt der Stadt aus werden die Entfernungen aller Orte berechnet, die per Autobahn von São Paulo aus erreichbar sind.

Die „Catedral Metropolitana de São Paulo“ oder auch „Catedral Metropolitana da Sé“ der römisch-katholischen Erzdiözese der Stadt – kurz „Sé“- verleiht dem Platz ein bisschen Glanz. Obwohl sie von einer Kuppel im Renaissance-Stil geziert wird, zählt sie für einige zu den vier größten neugotischen Kathedralen der Erde. Nachdem an ihrer Stelle schon zwei andere Kirchen (errichtet 1616 und 1764) standen und wieder abgerissen wurden, begann 1913 der Bau der jetzigen Kathedrale. Die Arbeiten wurden – von den Türmen abgesehen – 1954 abgeschlossen.

Das Innere der Kirche mit seinen schönen Mosaiken im byzantinischen Stil ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Auf einer geführten Tour dürfen die Gäste auch in die Krypta, wo sich die Gräber von Erzbischöfen und die sterblichen Überreste historischer Persönlichkeiten befinden, zum Beispiel des Häuptlings Tibiriçá.

7. Fußballmuseum „Museu do Futebol“

Auf den Spuren der Seleção

Für Fußballfans gehört das moderne Fußballmuseum unter den Tribünen des Stadions „Estádio Paulo Machado de Carvalho“ (bekannter als „Estádio do Pacaembu“) zu den absoluten Highlights eines Aufenthaltes. Auch weniger Fußballinteressierte schwärmen von dem 2008 eingeweihten multimedialen Museum, denn hier spiegelt sich die ganze Begeisterung der Brasilianer für ihren Lieblingssport wider und überträgt sich auf die Besucher.

Auf fast 7.000 Quadratmetern erfahren die Gäste mehr über Gegenwart und Vergangenheit des Fußballs, der die Brasilianer so geprägt und Brasilien berühmt gemacht hat. Und wie in den vielen anderen Museen São Paulos kommt auch hier keine Langeweile auf. Auf Video-Säulen, die für jede Fußball-WM aufgestellt wurden, finden sich interessante Infos rund um die jeweilige Weltmeisterschaft und zu den politischen Ereignissen jener Zeit.

Alte Radioaufzeichnungen von Fußballspielen aus Zeiten, als noch nicht jeder einen Fernseher hatte, sind ein Ohrenschmaus. Hier kommentieren brasilianische Reporter das Spielgeschehen und vor allem die Tore. Fast hat man den Eindruck, man sei selbst dabei, wenn man die tobenden Fußballfans hört. Die Besucher können sich auch auf eine kulturelle Reise durch die verschiedenen Epochen der Weltgeschichte begeben. Oder selbst in Aktion treten, zum Beispiel beim Elfmeterschießen auf ein virtuelles Tor.

8. Stadtteil „Liberdade“

Japan lässt grüßen

Obwohl die Gegend nicht ganz ohne ist, zieht es viele europäische und nordamerikanische Touristen in das leicht heruntergekommene, aber umso faszinierendere Stadtviertel „Liberdade“. Denn in keiner Stadt außerhalb Japans leben mehr Japaner als in São Paulo (im Großraum São Paulo sind es wohl rund 500.000); in „Liberdade“ haben viele ihr Zuhause.

Der Stadtteil ist nicht weit vom Problemviertel „Praça do Sé“ entfernt. Deshalb sollte man seine Wertsachen im Auge behalten oder gar nicht erst mitnehmen. Die U-Bahn hält strategisch günstig unter dem großen Sonntagsmarkt, auf dem asiatisches Essen, Schmuck, Spielzeug, Kosmetika, Talismane, Amulette, Kunsthandwerk, Massagen und vieles mehr angeboten werden. Es ist fast unmöglich, nichts zu entdecken, was man nicht irgendwie gebrauchen könnte. Wer absolut nichts findet: Mit einem kleinen Frosch fürs Portemonnaie liegt man auf keinen Fall falsch. Frösche gelten bei Japanern als Glücksbringer … und wer weiß, ob sich die Anwesenheit des kleinen Gesellen im Geldbeutel nicht positiv auf die Finanzen auswirkt?

Wer mehr sehen will von „Liberdade“, schließt sich einfach der Menschenmasse an, die sich in Richtung „Rua Galvão Bueno“ bewegt. Die Einkaufsstraße ist bei den Paulistanos sehr beliebt, weil sich hier asiatische Läden und Restaurants, zum Teil mit kleinen japanischen Gärten, wie Perlen aneinanderreihen. Wer den Kräften der Glücksfrösche nun doch nicht so traut, kann in der Straße auch einen Wahrsager über seine Zukunft befragen. Sonntags ist der alte Herr allerdings besonders gefragt und man muss Wartezeiten einkalkulieren. Oder man konsultiert seinen ebenso betagten Freund, der Ausweichtermine vorschlägt.

Das Museum „Museu da Imigração Japonesa“ im siebten Stock eines Bürohochhauses rundet den Besuch in „Liberdade“ ab. Hier erfährt man anhand von Fotos, Dokumenten und eindrucksvollen Nachbildungen, zum Beispiel eines Farmhauses von Immigranten, mehr über das Leben der japanischen Einwanderer.

9. Nobelviertel „Jardins“

Treffpunkt der High Society

In unmittelbarer Nachbarschaft der geschäftigen „Avenida Paulista“ liegt „Jardins“. Das elegante Stadtviertel wird von Paulistanos und Europäern gleichermaßen geliebt: von den Brasilianern, weil sie hier schick shoppen und ausgehen können; und von den Europäern auch deshalb, weil sie sich in „Jardins“ ein bisschen mehr zu Hause fühlen als im kollabierenden Verkehr anderer Stadtteile.

Denn anstatt mit dem Auto durchs Viertel zu brausen, kann man hier gemütlich über die Einkaufsstraße schlendern. Dabei kann man in aller Ruhe einen Blick in die kleinen, aber feinen Boutiquen werfen, in hippe Restaurants einkehren, die neuesten Werke des brasilianischen Künstlers Romero Britto bewundern oder im Straßencafé Eis essen.

In „Jardins“ ist es schwer, nicht dem Kaufrausch zu erliegen. So lockt auf der Top-Einkaufsstraße „Oscar Freire“ unter anderem Schuhtempel „Galeria Melissa“ mit Schuhmodellen in ausgefallenem Design. Die aus São Paulo stammende Nobelmarke „Iodice“ offeriert exklusive Damen- und Herrenmode, ebenfalls auf der „Oscar Freire“. Neben Luxusboutiquen findet man hier aber auch Geschäfte mit witzigem, ausgefallenem Angebot und pfiffig dekorierten Schaufenstern – und ein paar sehr interessante Buchläden, in die nicht selten hochkarätige Schriftsteller zu Lesungen eingeladen werden.

In Sachen Restaurants sind sich die Gourmets einig: Das vielfältige Angebot an frischen, hochwertigen Speisen in „Jardins“ kann nicht getoppt werden. In dem Multikulti-Viertel gibt es keine Küche, die nicht in irgendeiner Art die Kreationen der Chefköche beeinflusst. Eines der berühmtesten Restaurants mit ausgezeichneten Gerichten ist das „DOM„, wo Meisterkoch Alex Atala für seine kreativen Fusionsgerichte Zutaten aus der Region verwendet. So wird hier beispielsweise Entenbrust mit Banane oder Gnocchi in Ochsenschwanzsoße serviert. Im „Antiquarius“ erwarten den zahlungskräftigen Gast nicht nur höchste portugiesische Eleganz, sondern auch portugiesische Küche vom Feinsten.

10. Retro-Bar „Terraço Itália“

São Paulo von oben

Hoch über den Dächern der Wolkenkratzer – im 41. Stockwerk des „Edifício Itália“ im Zentrum São Paulos – fühlt man sich wie im siebten Himmel. Denn die Aussicht vom trendigen Restaurant „Terraço Itália“ auf das schier endlose Häusermeer ist einmalig. Hubschraubern könnte man aufs Dach spucken, wenn die Fenster offen wären, denn sie fliegen unterhalb des Restaurants vorbei.

Das italienische Haus „Edifício Itália“, mit 168 Metern Höhe und 46 Etagen São Paulos zweithöchstes Gebäude, wird nur getoppt vom 170 Meter hohen „Mirante do Vale“, dem höchsten Bauwerk der Stadt und des gesamten Landes. Interessanterweise wurde das „Italienische Gebäude“ vom deutsch-brasilianischen Architekten Franz Heep entworfen und 1965 eröffnet.

Die „Terraço Itália“ ist typisch für São Paulo: Der Retrochic des Restaurants mit seinen braunen Ledersesseln lässt zwar nostalgische Gefühle aufkommen. Doch die riesigen Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichen und einen 360-Grad-Rundblick ermöglichen, belehren den Gast eines Besseren. Auch hier zeigt Brasilien, wie modern es ist.

Wer die Top-Lage des Restaurants genießen will, muss allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen: Die Preise fürs Essen sind gepfeffert und dazu kommen weitere rund 13 Euro „Eintritt“. Alternativ kann man an der Bar einen Drink bestellen, der zwar auch teuer, aber sehr exotisch sein kann – wie zum Beispiel Caipirinha mit Basilikum und Sake.

Nichtsdestotrotz: In São Paulo ist gar nichts billig. Deshalb sollte man sich keine Gedanken ums Geld machen, sondern einfach die super Aussicht und nette Atmosphäre genießen.

Konstanze Pfeiffer

 

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