Trekking

Die aufregendsten Trekking-Touren in Bolivien und Peru

Wanderungen in 6.000 Metern Höhe, Trekkingtouren durch Dschungel wie Wüsten – Bolivien und Peru bieten atemberaubende wie abenteuerliche Landschaften für Wanderer. Was Sie zu den schönsten Strecken wissen sollten.

Ein- und Mehrtagestouren verschiedener Schwierigkeitsgrade bieten für jeden Wanderer die richtige Mischung aus sportlicher Betätigung und einmaligen Naturerlebnissen. Beim Aufstieg zum höchsten Berg Perus, dem Huascarán (6.768 Meter), schlagen zum Beispiel die Herzen der geübten Alpinisten höher. Andere Routen wie der Lama-Trek sind auch für Wanderer mit mittlerer Kondition geeignet. Fast immer geht es allerdings hoch hinaus – nicht selten auf über 4.000 Meter, was an den Kräften zehren kann.

Aber auch andere Gegenden Perus locken mit Wanderungen in atemberaubender Natur, zum Beispiel die Cordillera Blanca in den peruanischen Nord-Anden. Die „Weiße Kordillere“ ist die höchste Gebirgskette des amerikanischen Kontinents: Mehr als 50 schneebedeckte Bergriesen von über 5.700 Metern Höhe bilden eine eindrucksvolle Kulisse.

Auch in Bolivien erleben Wanderer Abenteuer in schwindelerregenden Höhen. So gehört die Königskordillere (Cordillera Real) zu den beeindruckendsten Gebirgszügen des Landes. Viele Trekkingtouren führen von der Hochebene Altiplano über Gebirgspässe in die subtropische Region Yungas mit Nebel- und Bergwäldern. Andere Touren bieten sich am malerischen Titicaca-See an, wo Wanderer auch das Alltagsleben der einheimischen Bevölkerung erleben und nicht selten auf einem der vielen Feste mitfeiern.

1. Inka-Trail/Camino Inca (Peru)

Auf den Spuren der Inka

Der Inka-Trail in Peru gehört zu den beliebtesten Trekkingrouten der Welt. Er war Teil eines über 30.000 Kilometer langen Straßennetzes der Inka. Seit er 1942 wiederentdeckt und freigelegt wurde, reißt der Strom der Backpacker nicht mehr ab. Inzwischen dürfen ihn nur noch maximal 500 Personen pro Tag gruppenweise mit Guide erwandern.

Obwohl es in der Hochsaison auf den rund 33 Trekking-Kilometern eng werden kann, entschädigt der Blick auf schneebedeckte Gipfel, Schluchten und Nebelwälder für die Unannehmlichkeiten. In drei bis fünf Tagesetappen marschieren Wanderer auf dem alten, gepflasterten Pfad vom Valle Sagrado zur Inkastadt Machu Picchu. Es geht bergauf, bergab, über drei Pässe und vorbei an mystisch wirkenden Inka-Stätten.

Bei der Anreise, zum Beispiel entlang des Flusses Río Urubamba, bekommen Wanderer einen ersten Eindruck von der grandiosen Landschaft. Dann geht es los: Die ersten elf Kilometer in hügeligem Gelände sind ein Kinderspiel und helfen bei der Akklimatisierung. Beim Aufstieg zum „Pass der toten Frau“ (Abra de Warmiwañusqa) – dem höchsten Punkt der Tour – wird allerdings schnell klar, dass das Ganze kein Spaziergang wird. Auf über 4.100 Metern Höhe kann die Luft nämlich ganz schön dünn werden. Doch beim Anblick der großartigen Landschaft vom Wachtturm Runkuraqay aus sind alle Strapazen sofort vergessen.

Zu den vielen Highlights gehört auch die gut erhaltene „Stadt über den Wolken“ (Phuyupatamarca) auf mehr als 3.600 Metern Höhe. Um die terrassierte Tempelanlage mit ihren Wasserkanälen und Steinbädern zu erreichen, muss man 50 Meter steil treppab gehen. Die Sonnenauf- und untergänge über dem Komplex, der sich perfekt in die Berglandschaft einfügt, sind besonders reizvoll. Endgültig stellen sich Glücksgefühle ein, wenn den Wanderern am Sonnentor (Intipunku) die sagenumwobene Inka-Stadt Machu Picchu zu Füßen liegt.

Praktische Hinweise: Touristen brauchen eine offizielle Erlaubnis und dürfen nur in der Gruppe mit lizensiertem Führer wandern. Um die Bewilligung zu bekommen, sollte man Monate im Voraus buchen, denn die maximale Anzahl an Besuchern ist pro Tag auf 500 begrenzt. Die Touren (Preise variieren pro Agentur; Preisbeispiel: etwa 300 Dollar für vier Tage, alles inklusive) werden das ganze Jahr angeboten, außer im Februar. Von Juni bis August ist Hochsaison, zwischen Dezember und April kann es nass und rutschig werden. Wanderer sollten fit sein und sich auf Sonne, Regen, nächtliche Kälte und Höhen bis 4.200 Meter einstellen.

2. Von Salkantay nach Machu Picchu (Peru)

Vom Hochgebirge in die Tropen

Viele Wege führen zum Machu Picchu: Wem der Inka-Trail zu überlaufen ist, kann auf reizvolle Alternativen ausweichen. Die Salkantay-Trekkingtour zum Beispiel steht dem Inka-Pfad in nichts nach. Im Gegenteil: Die Wanderung dauert länger (in der Regel fünf bis sechs Tage), ist anstrengender und führt noch weiter nach oben. Die Ausblicke auf das Salkantay-Gletschermassiv (6.271 Meter), seine verschneiten Nachbarn, tropische Wälder und das Apurímac-Tal sind grandios.

Am ersten Tag geht‘s vom 2.900 Meter hohen Mollepata fast 1.000 Höhenmeter nach oben ins Dorf Soraypampa. Schon an Tag zwei erwartet die Wanderer der schwierigste Teil der Tour: der Aufstieg zum Salkantay-Pass auf 4.600 Metern. In diesen Höhen merkt man fast nichts mehr von seiner normalen Fitness – jeder Schritt wird zur Anstrengung. Ist man dann endlich oben, entschädigt das Hochgebirgspanorama mit seinen fotogenen, schneebedeckten Bergriesen, Seen und Moränen für die Strapazen.

Beim Abstieg zum Camp geht es über Stock, Stein und Geröll hinein in den feuchten Nebelwald. Die folgenden Tage sind weniger anstrengend. Bei der Wanderung durch den Dschungel nach La Playa (2.050 Meter) wird die Landschaft lieblicher und das Klima tropischer. Es geht vorbei an Kaffee- und Bananenplantagen, in der Luft liegt der Duft von Orchideen. Im Dörfchen Santa Theresa können müde Wanderer in Thermalquellen entspannen. Machu Picchu erreicht man von Aguas Calientes aus per Bus oder zu Fuß – am besten früh am Morgen, um den spektakulären Sonnenaufgang über den berühmten Inka-Ruinen zu erleben.

Praktische Hinweise: Wanderer müssen sich nicht unbedingt einer Gruppe anschließen, aber es ist ratsam. Man sollte über eine gute Kondition verfügen und sich ausrüstungs- und kleidungstechnisch auf alle Witterungsverhältnisse einstellen (Sonne, Regen, Kälte). Reitbegeisterte können die Tour auch hoch zu Ross erleben.

3. Wanderung um den Ausangate/Cordillera Vilcanota (Peru)

Trekkingroute um den heiligen Berg

Der vergletscherte Andengipfel Ausangate (6.384 Meter), südöstlich von Cusco, gilt seit der Prä-Inka-Zeit als heiliger Berg. Er war traditionell ein Platz, an dem den Gottheiten Opfergaben dargebracht wurden. Auch heute noch pilgern Tausende von Menschen, hauptsächlich Indios, kurz vor Fronleichnam zur Nordseite des Berges, um mehrere Tage das „Schneesternfest“ zu feiern.

Der Ausangate wurde 1953 erstmals von Heinrich Harrer bestiegen. Wer nicht gleich in die Fußstapfen des österreichischen Alpinisten treten will, kann auch um den viertgrößten Berg Perus herumlaufen. Diese nicht ganz einfache Trekkingtour bildet eine lohnende Alternative zum Inka-Trail. Bei der Überquerung von vier Pässen auf rund 5.000 Metern Höhe sind Kondition und gute Nerven gefordert. Dafür lockt ein Bilderbuch-Andenpanorama mit Gletschern und Bergseen, an dem man sich nicht sattsehen kann. Aber auch die karge Graslandschaft (Puna) hat ihren Reiz. Hier weiden Lamas, Vicuñas und Alpakaherden. Nie ist die Landschaft eintönig: Nach dem nächsten Pass oder im nächsten Tal sieht alles schon wieder ganz anders aus.

Die Tour um den Ausangate startet im Örtchen Tinqui und dauert fünf bis sechs Tage. Es geht erst langsam, dann immer steiler nach oben. Nach zwei Passquerungen folgt der höchste Gebirgspass auf 5.200 Metern. Sehr anstrengend ist auch der Aufstieg zum vierten Pass (5.000 Meter) und der nachfolgende lange Abstieg. Hat man endlich die ersten Häuser erreicht, heißt es: relaxen in den heißen Thermalquellen. Denn am nächsten Tag wartet auf die Wanderer ein weiterer langer Marsch zurück nach Tinqui in die Zivilisation.

Wer möchte, kann sich in Tinqui Maultiere und Treiber mieten. Auch kombinierte Touren – zu Fuß und zu Pferd – sind möglich.

Praktische Hinweise: Die ideale Zeit für diese Tour ist Mai bis September. Für den Trek – am besten in der Gruppe – muss man körperlich fit sein und eine gute Kondition haben. Jeder Wanderer sollte sich auf Probleme mit der Höhe einstellen.

4. Titicaca-See (Bolivien/Peru)

Traumhafte Seenlandschaft zwischen den Ländern

Bei einer Trekkingtour zum Titicaca-See überquert der Wanderer zwar keine Gebirgspässe. Dafür sind die Eindrücke an diesem magischen Ort aber umso intensiver. Der größte See Südamerikas mit 36 Inseln liegt auf 3.810 Metern Höhe in der kargen Hochebene Altiplano, eingerahmt von schneebedeckten Andenbergen. Hier können Naturliebhaber nicht nur wandern gehen, sondern auch ins Alltagsleben der Fischerdörfchen eintauchen, wo die Traditionen noch lebendig sind. Und es dauert nie lange bis zum nächsten Fest – vor allem in Puno auf der peruanischen Seite wird kräftig gefeiert.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich diese surreal anmutende Landschaft zu erschließen, zum Beispiel auf Ein- bis Dreitagestouren zur Sonneninsel (Isla des Sol). Die Tour startet im farbenfrohen Wallfahrtsort Copacabana (Bolivien) und führt auf einem 17 Kilometer langen Teilabschnitt nach Yampupata, gegenüber der Sonneninsel. Auf dem etwa drei bis vier Stunden dauernden Weg kann man die Schönheiten des Sees in vollen Zügen genießen. Tiefblau hebt sich die Farbe des Wassers von den Bergen im Hintergrund ab. Im See schaukeln Binsenboote.

Mit dem Schiff geht es hinüber zur Isla del Sol (Bolivien), der Geburtsstätte der Inka. Auf einem ausgedehnten Netz an Wanderwegen können die Besucher interessante archäologische Stätten entdecken, zum Beispiel die Inka-Treppe (Escalera del Inca), die vom Ufer in Yumani zum „Jungbrunnen“ (Fuente del Inca) führt.

Auch auf der noch ursprünglicheren Insel Isla Amantani (Peru), viereinhalb Stunden von Puno entfernt, warten Trekkingrouten zu heiligen Inka-Stätten auf die Wanderer. Die Insel ist bekannt für ihre aus Gras geflochtenen Körbe und die Granitskulpturen. Auch auf Taquile (Peru), mit präinkaischen Terrassen auf den Hügeln, kann man wandern. Die autofreie Insel, lange ein Geheimtipp, hat wie keine andere ihren ursprünglichen Lebensstil bewahrt. Hier tragen die Einwohner in Ermangelung anderer Möglichkeiten alles auf dem Rücken und viele Männer knüpfen ihre Wollhüte selbst.

Praktische Hinweise: Regenzeit ist zwischen Dezember und Januar. Rund ums Jahr kann es nachts sehr kalt werden. Obwohl am Tag meist die Sonne scheint (Vorsicht: Sonnenbrand!), weht oft ein kalter Wind. Auch die Höhe könnte Probleme bereiten. Auf jeden Fall sollte man Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf die Reise mitnehmen und auch an Insektenmittel denken.

5. Vulkan Misti (Peru)

Aufstieg zum aktiven Krater

Ganz in der Nähe der malerischen Stadt Arequipa im Süden Perus erwartet die Wanderer ein weiteres Highlight: der kegelförmige, aktive Vulkan (Volcán) Misti. Das Wahrzeichen Arequipas hat es sogar ins Stadtwappen geschafft.

Der Aufstieg zum meist schneefreien Gipfel dauert etwa zwei Tage. Die Tour beginnt auf 3.000 Metern Höhe in Cachamarca. Nach der Registrierung führt eine zwölfstündige Wanderung hinauf zum Refugio Monte Blanco, einer halbzerstörten Felsenhöhle in 4.800 Metern Höhe. Am nächsten Tag dauert es noch vier bis sechs Stunden bis zum Gipfelglück.

Eine organisierte, leichtere Route mit Trägern, Köchen und Guide startet auf 3.500 Metern in Aguada Blanca. Von hier aus steigt die Gruppe innerhalb von zwei Stunden durch Buschland in 4.085 Meter hinauf. Nach kurzer Pause geht es noch einmal 600 Meter höher. Drei Stunden später erreichen die Wanderer das Basislager, am nächsten Morgen nach zirka vier Stunden den Gipfel. Selbst bei Schnee braucht man keine Steigeisen. Der Abstieg zum Lager dauert zwei Stunden und gegen Nachmittag sind die Wanderer wieder am Ausgangspunkt ihres Treks.

Praktische Hinweise: Auch hier sollten Wanderer bedenken, dass ihnen die Höhe zu schaffen machen könnte. Vor Ort wissen die Einheimischen am besten, wie man den Symptomen begegnet. Wer noch nicht akklimatisiert ist, lässt sich für die Wanderung drei Tage Zeit. Von eintägigen Treks wird abgeraten, da die Höhenunterschiede zu extrem sind und die Tour in eine Tortur ausarten könnte. Weil es in der Vergangenheit auf der Aprurímac-Strecke schon zu Überfällen gekommen ist, ist es sinnvoll, sich einen registrierten Guide nehmen.

6. Von Olleros nach Chavín (Peru)

Lama-Trekking durch die Anden

Mit Lamas durch die Landschaft wandern: Das ist Peru pur! Auf einem alten Präinkaweg von der Andengemeinde Olleros zu den Ruinen von Chavín genießen Wanderer die abwechslungsreiche Cordillera Blanca in vollen Zügen. Die 37 Kilometer lange Tour führt durch saftig grüne Täler, vorbei an glitzernden Seen und schneebedeckten Bergen. Auf dem 4.700 Meter hohen Yanashallash-Pass, dem höchsten Punkt des Treks, kann die Luft dünn werden. Dafür ist die Aussicht auf die imposante Berglandschaft umso beeindruckender.

Die Wanderung dauert zwischen drei und fünf Tagen. Die Nacht verbringt man in Zelten. Die Lamas sind eine große Hilfe beim Gepäcktransport, besonders wenn es bergauf geht. Wer sich für die Lebensweise der Einheimischen interessiert, kann noch ursprünglichen Andendörfern einen Besuch abstatten und mehr über die Bewohner erfahren. Am Ende der Tour wartet ein weiteres Highlight auf die Wanderer: die Ruinen von Chavín de Huántar auf 3.200 Metern. Die Anlage in Form einer Tempelburg mit einem ausgefeilten unterirdischen Tunnelsystem wurde um 1.000 vor Christus errichtet und gilt als das älteste peruanische Steinbauwerk.

Praktische Hinweise: Juni bis September sind ideal für diese Wanderung, da es wenig regnet. Wer ohne Guide wandern geht, sollte eine gute Karte mitnehmen und auf die Schilder achten, um sich nicht zu verlaufen. Außerdem braucht man für diese Tour ausreichend Wasser, Proviant sowie eine gute Ausrüstung. Eventuell kann es Probleme mit der Höhe geben.

7. Camino del Oro/Cordillera Real (Bolivien)

Trekkingtour durch Goldgräbergebiet

In der Königskordillere (Cordillera Real) mit mehreren imposanten Sechstausendern kann man auf einer weniger anstrengenden Tour den Goldweg (Camino del Oro) erwandern. Der Trek dauert je nach Einstiegsort drei bis sechs Tage und folgt einem 1.000 Jahre alten Pfad vom Hochland der Anden (Altiplano) hinunter in die Goldgräberstädte der subtropischen Region Yungas mit Berg- und Nebelwäldern. Mit Hochgebirgslandschaften, Wiesen, Wasserfällen, Schluchten und Tropenwäldern sorgt die Wanderung für viel Abwechslung.

Nach dem Start in Sorata auf 2.700 Meter Höhe quert man einen über 4.700 Meter hohen Pass (Abra Illampú), der eine tolle Sicht auf den Illampú (mit 6.368 Metern Boliviens vierthöchster Berg) freigibt. Dann geht es 1.000 Meter abwärts nach Ancoma und von da aus noch weiter nach unten. Der Weg führt durch das Goldgräbertal des Flusses Río Tipuani inmitten üppiger tropischer Vegetation bis hin zum Río Coco und ins Minendorf Chusi. Hier endet die Wanderung normalerweise, aber wer will, kann noch zum Minendorf Llipi weiterlaufen.

Praktische Hinweise: Niemand sollte alleine wandern, da es in diesem Gebiet schon zu Überfällen kam. Eine kürzere Tour beginnt man am besten in Ancoma. Dort können Maultiere mit Treibern gemietet und Guides genommen werden. Die Passhöhe von über 4.700 Metern könnte eventuell Probleme verursachen.

8. Huascarán (6.768 Meter)/Cordillera Blanca (Peru)

Für besonders begeisterte Alpinisten

Besonders beliebt bei Extrem-Bergsteigern ist der Aufstieg zum Nevado Huascarán, dem höchsten Berg Perus und vierthöchsten Südamerikas. Der Huascarán, der aus zwei Gipfeln besteht (Huascaran Sur, 6.768 Meter und Huascaran Norte, 6.652 Meter), wurde erstmals 1932 von einer deutsch-österreichischen Expedition bezwungen. Die schwierige Trekkingtour ist nur für Alpinisten geeignet, die sicher im Eis mit Neigungen von bis zu 50 Grad (Frontalzacken) gehen und über eine sehr gute Kondition für den zehnstündigen Aufstieg zum Gipfel verfügen.

Die Expedition dauert rund sechs Tage. Über Moränen steigen die Alpinisten ins Lager Eins auf 5.200 Metern auf. Der Weg zu dem auf 6.000 Metern gelegenen Lager Zwei ist sehr anspruchsvoll, denn es müssen auf dem Weg zum Pass zwischen Nord- und Südgipfel Gletscherbrüche und Spaltengelände durchquert werden. Ob am frühen Morgen schließlich der Nord- oder Südgipfel über steile Gletscherhänge bestiegen wird, machen die Bergsteiger oft von den Wetterverhältnissen abhängig, wobei der Südgipfel als der ungefährlichere gilt.

Praktische Hinweise: Nur Extrem-Bergsteiger mit ausgezeichneter Kondition können sich dieser Tour anschließen. Sie müssen im Eis- und Gletschergehen geübt sein sowie mit Erfrierungen und Höhenkrankheit umzugehen wissen.

9. Camino Takesi/Cordillera Real (Bolivien)

Wandern auf historischen Pfaden

Dieser gut erhaltene präkolumbische Weg führt vom Altiplano in die Region Yungas mit ihren Bergnebelwäldern und tiefen Schluchten. Er diente schon in früheren Zeiten als Transportweg zwischen La Paz und Yungas und wird auch heute noch von den Landbewohnern genutzt. Kanäle und Mauern schützen den zum Teil gepflasterten Weg vor Unwettern und Stürmen.

Auch auf dieser Route muss die Königkordillere (Cordillera Real) überquert werden, jedoch auf – für diese Breitengrade – vergleichsweise niedrigen Pässen. Die 45 Kilometer lange Tour dauert zwei bis drei Tage und führt durch eine zauberhafte subtropische Landschaft. Startpunkt ist das 3.200 Meter hoch gelegene Ventilla. Von dort aus geht es zum Dörfchen Choquecota, in dem man übernachten kann.

Am nächsten Tag müssen die Wanderer zurück zum eigentlichen Weg. Stunden später steigen sie in steilen Serpentinen zum Gebirgspass Abra Apacheta Takesi (4.650 Meter) auf. Oben angelangt, macht die Aussicht auf schneebedeckte Berggipfel den schweißtreibenden Aufstieg schnell wieder wett. Nach der anstrengenden Querung passieren die Wanderer eine Lagune und das winzige Dorf Taquesi. Später folgen sie eine ganze Zeit lang dem Fluss Río Takesi. Die Natur wird üppiger und grüner – kein Vergleich mehr zur kargen Landschaft des Hochplateaus. Die Wanderung endet im früheren Kolonialstädtchen Yanacachi, das idyllisch auf einem Bergrücken zwischen zwei Flüssen gelegen ist. Hier können sich müde Wanderer bei einem Bierchen ausruhen und übernachten.

Praktische Hinweise: Es ist empfehlenswert, nicht alleine zu wandern. kleidungs- und ausrüstungstechnisch sollte man sich auf unberechenbares Wetter mit Regen und Wind vorbereiten. Am Anfang der Tour kann es Probleme mit der Höhe geben. In Choquecota stehen Maultiere und Treiber zu Verfügung.

10. Cerro Japa Japani (Bolivien)

Geheimtipp für Bergwanderer

Der Ausflug von La Paz zum Gipfel Japa Japani gehört noch nicht zum Standardprogramm ausländischer Wanderer. Im Gegenteil: Der Berg ist eher unbekannt. Doch die Tour lohnt sich auf jeden Fall. Fitte Bergsteiger schaffen den Aufstieg zu dem rund 5.400 Meter hohen Berg in fünf bis sieben Stunden – oft wird nach dem Trek eine Übernachtung eingeplant.

Vom bolivianischen Regierungssitz La Paz aus fährt man – am besten mit einer Kleingruppe – über Palcoma im idyllischen Palcoma-Tal zum Ausgangspunkt des Treks, dem Stausee Ajua Khota auf 4.400 Meter Höhe. Die Wanderung führt vorbei an einem tosenden Wasserfall hinein ins grüne Hampaturi-Hochtal. Dann wird das Klima rauer: Es geht durch Geröllfelder und einige Felspassagen. Auf dem Weg nach oben muss auch ein nicht ganz einfacher Grat gemeistert werden. Endlich geschafft: Die Bergwanderer werden mit einer tollen Fernsicht auf den Titicaca-See und die Königskordillere (Cordillera Real) belohnt. Unter ihnen liegen die Städte El Alto und La Paz, auch die Gletscherberge Nevado Mururata und Illimani präsentieren sich von ihrer schönsten Seite.

Praktische Hinweise: Diese Trekkingroute ist nur für trittsichere, schwindelfreie Bergsteiger geeignet. Sie müssen körperlich fit und auf die Höhe eingestellt sein.

Konstanze Pfeiffer

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