Die gefährlichsten Tiere Südamerikas

Deutschland ist sicher – hier gibt es weder Giftspinnen noch Würgeschlangen oder sonstiges, lebensbedrohliches Getier. Anders bei einem Urlaub in Südamerika: Hier kann es schnell gefährlich werden.

Giftspinnen, Piranhas, Vampire und Würgeschlangen: Wer Südamerika bereist, darf sich ruhig ein bisschen gruseln. Neben putzigen Exoten tummeln sich auch weniger beliebte Tierarten auf dem Kontinent. Doch obwohl sie dem Menschen gefährlich werden können, bereichern sie die südamerikanische Fauna ebenso wie alle anderen Tiere auch.

Besonders unerfreulich – und noch dazu nicht gerade selten – sind Begegnungen mit der Kammspinne. Da sind starke Nerven gefragt, denn das giftige Krabbeltier zeigt sich gern von seiner aggressivsten Seite. Aber auch Schlangen aller Art – von der hochgiftigen Terciopelo-Lanzenotter bis zur Schauer-Klapperschlange – können einem das Leben schwermachen.

Und um Würgeschlangen wie die Anaconda hautnah zu erleben, muss man nicht gleich in den Dschungel fahren. Die Riesenboa, die ihre Beute zwar nicht vergiftet, dafür aber erdrückt, trifft man heutzutage mitunter schon am Rande brasilianischer Großstädte an.

Wer diese Begegnungen nicht dem Zufall überlassen will und das ganz große Abenteuer sucht, sollte gleich in den Amazonas reisen. Mit etwas Glück sieht man dort, wie sich ein Jaguar von hinten an die Beute heranpirscht und seine riesige Pranke auf das Tier herabsausen lässt. Riesenschlangen und Giftnattern gibt’s im Regenwald en masse, auch an Spinnen und Kaimanen mangelt es nicht. Doch bei all diesen großen und weniger großen gefährlichen Tieren sei ebenfalls vor den ganz kleinen gewarnt: den Moskitos, die Malaria übertragen können.

1. Kammspinne / Brasilianische Wanderspinne (Armadeira)

Gefährliche Begegnung

Den „Armadeiras“ möchte man keinesfalls über den Weg laufen: Sie gehören zu den giftigsten und aggressivsten Spinnen der Erde und benehmen sich auch nicht besonders „spinnentypisch“, was sie noch gefährlicher macht. Die bis zu fünf Zentimeter langen, gräulich-braunen Exemplare werden oft mit den weniger gefährlichen Vogelspinnen verwechselt – ein manchmal fataler Fehler.

Anstatt in einer Ecke Netze zu bauen, wandern die Kammspinnen auf der Suche nach Beute am Boden herum und machen es sich auch gern in Schuhen und Kleidungsstücken gemütlich. Fühlen sie sich bedroht – und das passiert sehr schnell – springen sie den vermeintlichen Angreifer aus kurzer Entfernung an oder rennen ihm mitunter sogar hinterher. Haben sie „den Feind gestellt“, beißen sie oft mehrmals zu.

Auf den Biss folgen fast unerträgliche Schmerzen, einhergehend mit Schwindel, Sehstörungen, Lungenödemen, Fieber, Krämpfen und Atembeschwerden. Das Gewebe wird durch das Gift schnell zerstört, und in der Vergangenheit  mussten schon Gliedmaßen amputiert werden.

Der Biss kann auch beim Menschen bis zum Tode führen, wenn ihm nicht innerhalb der nächsten zwölf Stunden das Phoneutria-Immunserum verabreicht wird. Im schlimmsten Fall stirbt das Opfer nach zwölf bis 17 Stunden an Atemlähmung.

Die Kammspinnen sind vorwiegend in Süd- und Südost-Brasilien sowie Nordargentinien auf Plantagen und in Gärten anzutreffen, aber auch im Amazonasgebiet und in Mittelamerika. Ab und an schafft es eine dieser „Bananenspinnen„, sich in einer Obstkiste nach Deutschland einzuschmuggeln. Die Kammspinne kann bis zu fünf Jahre alt werden.

2. Große Anaconda

Tödliche Umarmung

Um diese Riesenboa ranken sich viele Mythen. Es wurden angeblich schon 450 Kilo schwere und 30 Meter lange Tiere gesichtet. Fest steht: Auch wenn das vielleicht maßlos übertrieben ist, sollte man dieser imposanten Würgeschlange lieber nicht zu nahe kommen.

Zwar hat sie keine Giftzähne, dafür aber umso mehr Kraft: Die Anaconda lauert ihrer Beute im Wasser auf, verbeißt sich in ihr und erstickt sie durch enges Umwickeln. Dann verspeist sie das Tier (zum Beispiel Nagetiere, Fische, Kaimane, kleine Hirsche oder auch Wasserschweine) mit dem Kopf zuerst und im Ganzen, was viele Stunden dauern kann.

Die Anaconda gehört zu den größten Schlangen der Welt und ist in den Tropen Südamerikas – vorwiegend in Sumpflandschaften, in stillen und langsam fließenden Gewässern – zu Hause. Man trifft sie zum Beispiel in ganz Brasilien an, wo sie sich sogar bis vor die Tore der Großstädte wagt. Typischerweise bewegt sich die Anaconda in seichtem Wasser, aber hängt manchmal auch im Geäst, um sich trocknen zu lassen.

Diese Riesenschlangen sind noch nicht so gut erforscht, aber man weiß, dass die Weibchen im Schnitt um einiges größer und schwerer sind als die Männchen. Letztere können eine Länge von bis zu drei bis vier Metern erreichen; die Weibchen werden mindestens doppelt so lang (bis zu acht Meter) und bringen erheblich mehr Kilos auf die Waage. Es wurde sogar schon ein rund neun Meter langes Tier gefangen.

An der Paarung sind oft mehrere Männchen beteiligt, die alle gleichzeitig ein Weibchen umschlingen und einen „Paarungsknäuel“ bilden. Nach sechs bis acht Monaten bringt die Anaconda – je nach Größe – zwischen 18 und über 70 Junge lebend zur Welt.

3. Terciopelo-Lanzenotter

Schlangenbiss mit schweren Folgen

Auf das Konto dieser leicht reizbaren Viper gehen viele Vergiftungen mit nachfolgender Gliedmaßen-Amputation sowie zahlreiche Todesfälle. Die gefährliche Schlange lebt in den tropischen Regen- und Laubwäldern Mittel- und Nordwest-Südamerikas und ist auch auf Zuckerrohrplantagen, an Flussufern, in Baumhöhlen nahe der Dörfer und sogar in den Behausungen der Menschen anzutreffen, wo es nicht selten zu unangenehmen Zusammentreffen mit der Lanzenotter kommt.

Besonders gefährlich ist die rund zwei Meter lange Schlange für Menschen, weil sie sie oft zu spät bemerken. Sie ergreift nämlich nicht die Flucht, wenn Leute im Anmarsch sind, sondern bleibt regungslos liegen. Kommt man ihr zu nahe oder berührt sie, beißt sie sofort zu. Dabei richtet sie sich auf und schlägt ihre langen Giftzähne oberhalb des Knies ein. Große Mengen ihrer Toxine dringen in Sekundenschnelle in den Körper; nicht selten muss einem Überlebenden das Bein amputiert werden.

Die gewebezerstörenden Toxine dieser Schlange aus der Unterfamilie der Grubenotter sind sehr komplex und noch nicht ausreichend erforscht. Auf den Biss folgen Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, schmerzhafte Lymphknoten-Schwellungen und innere Blutungen. Inzwischen sind Gegengifte entwickelt worden, wobei aber nur ein erfahrener Arzt beurteilen sollte, welches Antiserum in welcher Dosis dem Patienten verabreicht wird, um zum Beispiel auch allergische Reaktionen zu vermeiden.

Die nachtaktive Terciopelo-Lanzenotter ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren wie Mäusen und Ratten, aber auch von Echsen, Vögeln und Fröschen. Ihre Nachkommen – rund 80 Junge – gebärt sie lebend. Die Schlangen können bis zu 20 Jahre alt werden.

4. Jaguar

Die Majestät lauert im Hinterhalt

Der Jaguar gehört zu den gefährlichsten, aber auch beeindruckendsten Tieren Südamerikas. Schon seit Jahrhunderten verehren die indigenen Völker diese prachtvolle, stolze Raubkatze, die mit einem einzigen Prankenschlag ihre Beute erledigen kann. So zeigte sich in der Religion der Maya der Gott der Unterwelt in Gestalt des Jaguars; bei den Azteken trugen die obersten Kriegsherren Jaguarfelle und wurden „Jaguarkrieger“ genannt.

Die drittgrößte Raubkatze der Welt (nach Löwe und Tiger) lebt in weiten Teilen Südamerikas – hauptsächlich im Regenwald, Buschland, in Savannen und hohem Gras – immer mit Wasser in der Nähe. Obwohl der Jaguar bis zu 125 Kilo schwer werden kann und sein Körperbau stämmig wirkt, bewegt er sich geschmeidig und ist ein sehr guter Kletterer.

Im Gegensatz zum Leoparden, seinem kleinen Bruder aus Afrika, umschließen die dunklen kreisförmigen Flecken im gelb- bis rötlichbraunen Fell noch einen kleineren Tupfen. Ist das Fell ganz schwarz, wird der Jaguar Schwarzer Panther genannt (so wie auch Leoparden mit schwarzer Färbung).

Der Jaguar bringt, nachdem er oft lange im Hinterhalt gewartet hat, seine Beute schnell und wirkungsvoll zur Strecke: Erst schleicht er sich von hinten heran, dann erschlägt er sein Opfer nach einem kurzen Spurt mit einem gewaltigen Prankenhieb – oder reißt es zumindest zu Boden. Nach einem Biss in Nacken oder Schädel ist dann auch der zäheste Gegner tot.

Die Mahlzeiten des Jaguars sind insgesamt gesehen sehr abwechslungsreich, denn er frisst so ziemlich alles, was sich bewegt: Schlangen, Kaimane, Fische, Eidechsen, Frösche, Gürteltiere, Tapire, Faultiere, Hirsche, Vögel, Affen und größere Säuger. Auch vor Schildkröten macht er nicht halt. Ab und zu gibt’s mal ein Haustier, was ihn bei den Bauern ziemlich unbeliebt macht. Doch der Lebensraum der Jaguare wird durch die Abholzung des Regenwaldes immer mehr eingeschränkt, sodass unliebsame Begegnungen mit Menschen nicht ausbleiben.

5. Hai

Nie im Trüben schwimmen

Statistisch gesehen stehen die brasilianischen Strände – nach Australien, Südafrika und den USA – weltweit an vierter Stelle, was die Zahl der Haiangriffe betrifft. Besonders im Bundesstaat São Paulo und im Nordosten des Landes (Maranhão und Pernambuco) kommt es öfter zu Zwischenfällen mit den Raubfischen (zum Beispiel mit dem Bullenhai).

An Recifes berühmtem, 20 Kilometer langen Strand „Boa Viagem“ (auch „Copacabana des Nordostens“ genannt) im gleichnamigen vornehmen Wohnviertel, stecken so viele Hai-Warnschilder im Sand, dass man gar nicht mehr gern ins Wasser geht. Der Beach hatte mit 50 Hai-Angriffen, davon 19 tödlichen, zwischen 1992 und 2007 traurige Berühmtheit erlangt. Heute hat sich die Lage aufgrund der vielen Sicherheitsmaßnahmen entspannt.

Meist ist der Mensch selbst verantwortlich für das (oft veränderte) Verhalten der Haie, die sich nach der Zerstörung ihres Lebensraumes neue Futterquellen suchen. So stehen die Hai-Angriffe in Recife in direktem Zusammenhang mit der Zerstörung der Küstenmangroven und dem Ausbau des Tiefwasserhafens in den 80er-Jahren. Der Bau hatte unter anderem zur Folge, dass sich die Strömungsverhältnisse in den Flussmündungen veränderten, die Beutefische der Haie in die Baderegion verdrängt wurden und als Folge des gestiegenen Schiffsverkehrs mehr Abfälle ins Meer gelangten, was wiederum Haie anlockte.

Auch in anderen Gegenden Südamerikas ist Vorsicht vor Haien angebracht. So tummelt sich der gefährliche Bullenhai nicht nur in den Küstengewässern von Ecuador, Kolumbien, Venezuela bis Südbrasilien, sondern gern auch im Süßwasser, zum Beispiel in Flussmündungen oder im peruanischen und brasilianischen Amazonas – bis über 4.000 Kilometer flussaufwärts.

Der berüchtigte Weiße Hai ist nicht nur in den Küstenbereichen Brasiliens, sondern auch vor Uruguay und Argentinien anzutreffen. Ihm macht nämlich kühleres Wasser nichts aus, da er in der Lage ist, die Temperatur in einigen Körperbereichen um zehn bis zwölf Grad höher zu halten, als die des Meerwassers. Der Tiger-Hai, ebenso gefährlich wie der Bullen- und der Weiße Hai, liebt es etwas wärmer und hält sich in den tropischen und subtropischen Gewässern vor den Küsten Südamerikas auf.

Dazu kommen noch andere Hai-Arten, die ebenfalls in Südamerika zu Hause, aber weniger angriffslustig sind. Mit ein bisschen Umsicht lassen sich aber unerwünschte Begegnungen mit allen Haien vermeiden (zum Beispiel sollte man nie in trübem Wasser, frühmorgens oder in den Abendstunden schwimmen gehen und sich auf jeden Fall bei den Einheimischen vor Ort erkundigen, ob und wo Gefahr drohen könnte).

6. Pfeilgiftfrosch / Baumsteiger / Färberfrosch

Kunterbunt und ziemlich giftig

Diese Fröschlein aus dem süd- und mittelamerikanischen Regenwald schillern in den schönsten Farben. Doch von ihrem ansprechenden Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen: Einige Vertreter gehören zu den giftigsten Fröschen weltweit; ihr knallbuntes Outfit dient ihren Feinden als Warnung, sich von ihnen fernzuhalten.

Machen sich trotzdem hungrige Urwaldbewohner über einen dieser Pfeilgiftfrösche her, bereuen sie es schnell: Das Krampfgift Batrachotoxin lähmt Muskeln und Atmung. Ein Mensch kann schon an einer Dosis von 0,002 Milligramm pro Kilo Körpergewicht innerhalb von 20 Minuten sterben.

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, als Tourist zum Beispiel diese Froschlurche in freier Wildbahn anzutreffen, äußerst gering. Und nur bei drei Arten kann die Begegnung tödlich enden, zum Beispiel beim Schrecklichen Pfeilgiftfrosch („Phyllobates terribilis“) aus Kolumbien. Dringt nach der Berührung sein starkes Gift durch eine Hautwunde in den menschlichen Körper ein, sind die Stunden gezählt.

Auch der „Phyllobates bicolor“ und der „Phyllobates aurotaenia“, ebenfalls aus Kolumbien, stehen ihrem Bruder in Sachen Gefährlichkeit in nichts nach. Diese drei sind für den Namen „Pfeilgiftfrosch“, den die gesamte Familie trägt, verantwortlich. Denn mit ihrem Nervengift haben einige indigene Völker Westkolumbiens die Spitzen ihrer Blasrohrpfeile präpariert, bevor sie zur Jagd gingen.

Viele andere der über 200 Pfeilgiftfroscharten sind weniger giftig und verursachen bei Kontakt „nur“ Übelkeit, Magen-Darm-Probleme und Fieber. Doch Baumsteigerfrösche müssen nicht prinzipiell giftig sein: Erst beim Fressen giftiger Beutetiere nehmen sie die Gifte auf und reichern sie in ihrem Körper an. Leben sie in Gefangenschaft und werden nicht mit den entsprechenden Futtertieren versorgt, verlieren sie ihre Giftigkeit und bringen meist ungiftige Nachkommen zur Welt.

7. Roter Piranha / Natterers Sägesalmler

Gesundheitspolizei im Amazonas

Über die Piranhas kursieren wahre Schauergeschichten. So schrieb zum Beispiel US-Ex-Präsident Theodore Roosevelt 1914 in „Through the Brazilian Wilderness“: „Sie zerreißen und verschlingen bei lebendigem Leibe jeden verletzten Menschen und jedes verwundete Tier; denn Blut im Wasser bringt sie zur Raserei.“ Andere gingen sogar soweit, die Raubfische mit ihrem scharfen Gebiss als „Menschenfresser“ zu bezeichnen.

Wie man aber inzwischen weiß, sind nur einige Arten gefährlich, zum Beispiel der Rote Piranha, der vor allem im Amazonas- und Orinoco-Becken vorkommt, aber auch weiter südlich bis hin zum Rio Paraná verbreitet ist. Normalerweise frisst der rund 20 bis 25 Zentimeter große Jäger vor allem Fische und Krustentiere, gehört aber trotzdem zu den angriffslustigsten Süßwasserfischen der Welt.

Obwohl kaum Fälle bekannt sind, bei denen Menschen durch Piranha-Angriffe ums Leben kamen, sollte man nie allein oder mit einer blutenden Wunde in Piranha-Gewässern baden. Besonders in der Trockenzeit, wenn die Raubfische eng zusammengepfercht leben und anfangen, sich gegenseitig aufzufressen, kann es gefährlich werden.

In der Tat werden ganze Piranha-Schwärme schon von wenigen Millilitern Blut im Wasser angelockt, denn Blut bedeutet meist leichtes Spiel mit einem verletzten Tier. Der Angriff erfolgt blitzschnell: Erst wird das Opfer fixiert, dann zugebissen und mit einer Rüttelbewegung das Fleischstück aus der Beute herausgerissen. Das Tier verblutet dann. Zum Herunterschlucken entfernen sich die Piranhas von ihrer Beute. Am Schluss bleiben nur noch Knochen übrig.

Da sie gegenüber vielen Krankheiten resistent sind und sogar Aas auf ihrer Speisekarte steht, machen sich die Piranhas im Amazonasgebiet als Gesundheitspolizisten sehr nützlich: Sie fressen nicht nur kranke Tiere, sondern auch Kadaver, die bei Hochwasser massenhaft im Wasser treiben. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass sich in dem empfindlichen Ökosystem keine Seuchen ausbreiten.

8. Schauer-Klapperschlange

Wenn’s klappert, droht Gefahr

Die bis zu 1,80 Meter lange Schauer-Klapperschlange Crotalus durissus lebt nicht nur als einzige Klapperschlange südlich von Mexiko. Sie ist auch die giftigste Vertreterin ihrer Gattung.

Doch das Ganze lässt sich noch toppen: Die südlichste ihrer Unterarten, die Crotalus durissus terrificus, steht in dem Ruf, die giftigste Klapperschlange überhaupt zu sein. Dreiviertel ihrer Bisse enden unbehandelt binnen kürzester Zeit tödlich, da vor allem Nervengifte auf das zentrale Nervensystem wirken und zu Schock, Lähmungen und Nierenversagen führen, aber auch zu permanenter Blindheit.

Diese hochgiftige Schlange bewohnt große Teile Südamerikas – von Südost-Peru bis zur brasilianischen Atlantikküste und bis hinunter nach Süd-Argentinien. Sie frisst hauptsächlich Ratten, Vögel, kleine Reptilien und Mäuse. Ihre Jungen werden lebend geboren.

Die Gifte anderer Schauer-Klapperschlangen sind zwar auch nicht zu unterschätzen, aber sie enden nicht zwangsläufig tödlich, weil sie gut behandelbar sind. So können die Gifte zwar häufig die Zerstörung von Gewebe auslösen und Schwellungen sowie lokale Schmerzen verursachen. Doch die Betroffenen werden oft durch ärztliche Hilfe und das passende Gegengift gerettet, was bei der Crotalus durissus terrificus weniger der Fall ist.

Wer sich vor Klapperschlangen-Bissen schützen will, trägt am besten hohes Schuhwerk und hält beim Wandern die Augen offen. Klapperschlangen flüchten nicht vorm Menschen und sonnen sich manchmal mitten auf dem Weg. Eine andere Gefahr geht von Hunden aus, die die Schlangen im Gebüsch auftreiben. Hört man ihr Rasseln, sollte man sofort stehenbleiben, die Klapperschlange orten und sich dann langsam rückwärts laufend aus der Gefahrenzone begeben.

9. Mohrenkaiman / Schwarzer Kaiman

Blitzangriff im Wasser

Mit über sechs Metern Länge belegt der Mohrenkaiman den Spitzenplatz unter den größten Raubtieren Südamerikas. Kein Wunder also, dass das Reptil schon in mehreren Büchern verewigt wurde – wenn auch in wenig schmeichelhafter Rolle, zum Beispiel in Matthew Reillys Bestseller „Der Tempel“, in dem Mohrenkaimane ständig ins Wasser gefallene Leute verspeisen.

Dieses größte aller Krokodile Südamerikas lebt an Fluss- und Seeufern sowie in Überschwemmungsgebieten des Amazonasbeckens, in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Amapá und in Französisch-Guayana. Die Reptilien werden nicht umsonst auch „Schwarze Kaimane“ genannt, da sie dunkel gefärbt sind und einen helleren Kopf haben. Die Männchen wurden lange Zeit wegen ihres schönen Krokodilleders gejagt.

Obwohl die nachtaktiven Mohrenkaimane einen eher trägen Eindruck machen, sind sie schnell zu Wasser und zu Land unterwegs. Ehe sich ein herumschwimmendes Beutetier versehen hat (zum Beispiel Wasserschweine, Vögel, Echsen, andere Kaimane und Säuger), ist das Krokodil schon zur Stelle und zerrt sein Opfer in die Tiefe, um es zu ertränken. Trotz der Tatsache, dass es bisher wohl nur wenige Angriffe auf Menschen gegeben hat, sollten sich Touristen vor allem in den Abendstunden in krokodilreichen Gegenden von den Ufern fernhalten und schon gar nicht leichtsinnig ins Wasser springen.

10. Gemeiner Vampir

Blutsauger mit sozialer Ader

Der Name ist kein Zufall, denn diese Fledermausart hat einiges mit den blutsaugenden Geschöpfen der Nacht gemeinsam. So ernährt sich der Gemeine Vampir von (tierischem) Blut, was unter Säugetieren einmalig ist. Der Mensch fürchtet ihn weniger wegen seines Blutdurstes, sondern vielmehr als Überträger gefährlicher Krankheiten wie der Tollwut. Denn durch Vampirbisse hat sich schon mancher infiziert.

Diese Fledermäuse sind bei der Auswahl ihres Lebensraums nicht besonders anspruchsvoll und sowohl in den südamerikanischen Tropen als auch Subtropen bis auf Höhen von 2.400 Metern zu Hause. Sogar auf der venezolanischen Insel Margarita schwirren sie durch die Nacht.

Ihr soziales Verhalten ist ziemlich erstaunlich: So säubern sie sich nicht nur gegenseitig das Fell, sondern füttern auch hungrige Artgenossen mit Blut, das sie vorher hochgewürgt haben. Ohne diese tierische Hilfsbereitschaft würden schätzungsweise pro Jahr mehr als 80 Prozent der Gemeinen Vampire sterben, die im Schnitt nur wenige Tage ohne Blut überleben können.

Gebissen werden hauptsächlich Säugetiere wie Rinder, Esel, Pferde, aber auch Wild und große Vögel. Der Gemeine Vampir nähert sich seinem Opfer hüpfend, sucht sich dann eine möglichst unbehaarte Stelle an dessen Körper aus, speichelt sie ein – was betäubend wirkt – und rasiert mit seinen Zähnen Federn oder Haare weg, beißt ein Stück Haut heraus und leckt dann das Blut aus der Wunde. Hinterher ist er oft fast doppelt so schwer, so dass er kaum noch den Abflug schafft. Die gebissenen Tiere infizieren sich häufig und gehen jährlich zu Tausenden an Viehseuchen oder anderen durch Vampirbisse verursachten Krankheiten ein.

Konstanze Pfeiffer

 

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