Die schönsten Nationalparks in Südamerika

Nicht nur Nationalparks wie der „Torres del Paine“ machen Südamerika für Naturliebhaber so reizvoll. Gerade die weniger bekannten Naturreservate bieten Wunderbares.

Wandern, Klettern, Abseilen, Kanufahren: In den Hochebenen Brasiliens oder den Anden Kolumbiens, Perus und Boliviens ist alles möglich. Vor spektakulärer Kulisse können Naturfreunde und Abenteuerlustige ihren Leidenschaften nachgehen und die faszinierendsten Landschaften Südamerikas kennenlernen.

Viele Parks sind noch Geheimtipps und werden von europäischen Reisegruppen nur selten besucht. Das macht sie aber auch so anziehend, denn hier genießen Besucher den Anblick schneebedeckter Vulkane und unberührter Gletscherseen relativ ungestört, wie zum Beispiel im chilenischen Nationalpark Lauca.

Wer sich für die exotische Fauna und Flora Amazoniens interessiert, sollte nach Peru oder Bolivien reisen. In den großen Regenwaldschutzgebieten Manú und Madidi erleben Besucher auf Dschungelwanderungen Tiere in natura, die sie bisher nur aus Zoos kannten. Auch Pflanzenfreunde kommen voll auf ihre Kosten. Noch heute werden fast wöchentlich neue Arten in bisher nicht erschlossenen Zonen dieser Naturreservate entdeckt.

Aber auch in Brasilien warten auf Naturliebhaber und Abenteuerlustige exzellente Parks wie die tropische Hochebene „Chapada Diamantina“ (mit dem gleichnamigen Nationalpark) mit ihren typischen Tafelbergen, Felsformationen, Schluchten und Wasserfällen. Oder der Ökopark „Chapada dos Veadeiros“, in dem vom Aussterben bedrohte Tiere leben, zum Beispiel Mähnenwölfe und Jaguare.

Der venezolanische Nationalpark Canaima ist auch ein Park der Superlative: Er ist eines der weltweit größten Naturreservate, Reisende können hier auch die höchsten Wasserfälle der Erde bestaunen. Im Nachbarland Kolumbien geizt der „Parque de los Nevados“ ebenfalls nicht mit seinen Reizen: Umrahmt von schneebedeckten Vier- und Fünftausendern, lässt er Wanderer und Bergsteiger eines der schönsten Gebiete der kolumbianischen Anden erleben.

1. Parque Nacional Torres del Paine, Chile

Die landschaftliche Vielfalt Patagoniens

Der Nationalpark gehört zu den Höhepunkten jeder Chile-Reise. Bis zu 3.000 Meter hohe Berge wachsen aus der Ebene Patagoniens heraus. Wasserfälle, Wälder, Fjorde und riesige Seen in allen Blau- und Grüntönen bilden die Kulisse dieser grandiosen Landschaft. Im Gletschersee „Lago Grey“ treiben sogar im Sommer dicke Eisschollen, denn immer wieder brechen riesige Brocken aus der Eiswand des „Grey-Gletschers“ heraus.

Trotz der oft extremen Witterung sind in dieser rauen Landschaft viele Tier- und Pflanzenarten zu Hause. So kann man Darwin-Nandus beobachten und Guanako-Herden (eine Kamelart) durch die Grassteppe streifen sehen. Nicht selten kreisen Anden-Kondore hoch am Himmel. Zypressen-Wälder, Südbuchen und Steinlinden, aber auch verschiedene Blumenarten, zum Beispiel Orchideen, trotzen dem unbeständigen Klima dieser Breitengrade.

Um in die aufregende Natur richtig einzutauchen, sollte man – gut ausgerüstet und am besten mit ortskundiger Begleitung – auf ein- bis mehrtägige Wandertouren gehen. Den Aufstieg zu den Wahrzeichen des Parks – den drei nadelartigen, hohen Granitbergen „Torres del Paine“ (2.600 bis 2.850 Meter) – kann man auf einer Tagestour bewältigen, ebenso eine Wanderung zum Grey-Gletscher (je nach Ausgangspunkt). Für den „Paine-Rundweg“ braucht man sechs bis zehn Tage.

Die beste Reisezeit liegt zwischen November und März, wobei das Wetter auch im chilenischen Sommer hier oft unbeständig ist: War es eben noch sonnig, prasseln plötzlich Hagelkörner vom Himmel. Obwohl die Durchschnittstemperaturen im Sommer bei elf Grad liegen, sind auch 25 bis 30 Grad nicht ausgeschlossen.

2. Parque Nacional Los Glaciares, Argentinien

Gigantische Gletscher

Dieser Nationalpark grenzt an den „Torres del Paine“ in Chile und steht seinem Nachbarn in nichts nach. Hier kann man den Star unter den argentinischen Gletschern, den „Glaciar Perito Moreno“, bestaunen. Er ist Teil eines weitläufigen kontinentalen Gletschergebiets und einer der bekanntesten heute noch wachsenden Gletscher.

Täglich schiebt sich die Eismasse rund einen Meter vorwärts. Immer wieder brechen kleinere und größere Eisblöcke der fünf Kilometer breiten Gletscherzunge ab und stürzen in den „Lago Argentino“, was meterhohe Flutwellen verursacht. Alle vier bis zehn Jahre kommt es zu einem besonderen Naturschauspiel, wenn ein Teil des Gletschers auf einen Gegenhang trifft und den „Brazo Rico“, einen Nebenarm des Sees „Lago Argentino“, blockiert. Das führt zum Anstieg des Wasserspiegels im südlichen Teil des „Brazo Rico“. Der Zusammenbruch dieser Barriere lockt viele Touristen an. Das letzte Mal konnte man diesem Spektakel im Juli 2008 beiwohnen.

Im Nordteil des Parks befinden sich die Granitberge „Cerro Fitz Roy“ (3.406 Meter) und „Cerro Torre“ (3.128 Meter), die nicht nur sehr fotogen, sondern auch für Bergsteiger und Trekking-Touristen interessant sind. Die Felsnadel des „Cerro Torre“ zählt für viele zu den schönsten Gipfeln der Welt, ist aber mit den steil aufragenden, glatten Granitwänden und extremen Wetterbedingungen nur sehr schwer zu besteigen.

Wer zur „Laguna de los Tres“ auf 1.200 Meter hinaufwandert, wird mit einem umwerfenden Gletscher-Panorama belohnt. Eine andere Tour führt zum „Pliegue Tumbado“, wo man über das ganze Massiv bis hin zum patagonischen Inlandeis schauen kann. Auch Eisgletscherwanderungen auf dem Viedma-Gletscher sind sehr reizvoll. Der Gletscher führt zum Viedma-See, einem 80 Kilometer langen und 15 Kilometer breiten türkisblauen Gletschersee.

Beliebter Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark ist der rund 80 Kilometer entfernte Ort El Calafate.

3. Parque Nacional Lauca, Chile

Geheimtipp in den Höhen der Anden

Dieser Nationalpark im nordchilenischen Anden-Hochland (Altiplano), unmittelbar an der bolivianischen Grenze, ist noch ein echter Geheimtipp. Abseits der gängigen Reiserouten gelegen, verirren sich nur wenige ausländische Touristen hierher. Glücklicherweise, kann man fast sagen. So bleiben den Besuchern Reisebuskarawanen und Massentourismus erspart.

Lauca ist ein Juwel unter den Nationalparks und steckt voller Überraschungen: Hier findet sich auf 4.520 Metern einer der höchstgelegenen Seen der Welt – der „Lago Chungará“. In seinem kristallklaren Wasser spiegeln sich die umliegenden schneebedeckten Vulkane – fast alles 6.000-er (wie der „Volcán Parinacota“ mit 6.348 Metern).

Man kann Stunden in dieser malerischen Gegend verbringen und das Leben am See beobachten: Flamingos nehmen im eiskalten Wasser ein Fußbad, Alpaca-Herden grasen in der kargen Landschaft, etwas weiter entfernt sieht man ihre freilebenden Verwandten, die Vicuñas (eine Kamelart), stehen. Anden-Kondore ziehen am stahlblauen Himmel ihre Kreise, und ab und zu lugt ein putziges Vizcacha (eine Chinchilla-Art) hinter einem Felsbrocken hervor. In dieser Höhe wächst die grüne Yareta-Pflanze, die auf den Steinen wie ein weiches Polster wirkt, aber in Wirklichkeit hart und verharzt ist.

Wer nicht höhenkrank ist, kann größere Spaziergänge unternehmen und zum Angeln oder Klettern gehen. Heiße Quellen laden zum Relaxen ein. Alle, die mehr über das Leben der Indios erfahren wollen, sollten das Dorf Parinacota auf 4.450 Metern Höhe besuchen. Hier wohnen zwar nur noch sehr wenige Menschen, aber allein schon die hübsche Kirche mit ihren freistehenden Glockentürmen und Fresken aus der „Schule von Cusco“ („Escuela Cuzqueña“) ist sehenswert.

Von Tagestouren ab Arica in den Nationalpark ist abzuraten, da man innerhalb weniger Stunden von Meereshöhe auf rund 4.500 Meter befördert wird. Auch für die Fahrer ist dieser Ausflug sehr anstrengend, und es kommt auf dieser Strecke häufig zu Unfällen. Besser ist es, in dem kleinen Ort Putre (auf 3.500 Metern) in der Nähe des Parks zu übernachten. Zwischen Arica und Putre gibt es kaum eine weitere Möglichkeit, sich zu akklimatisieren.

4. Parque Nacional Manú, Peru

Wilde Urwald-Schönheit

Mit knapp zwei Millionen Hektar ist Manu in der Amazonas-Tiefebene eines der größten Regenwaldschutzgebiete der Erde. Der Park wurde 1973 gegründet, um sein intaktes Ökosystem zu schützen und den Urwald in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. In den drei sensiblen Ökozonen (vegetationsarme „Puna“ in den Höhen der Anden, Nebelwald, Regenwald Amazoniens) darf weder gefischt, gejagt noch Abholzung betrieben werden. Die UNESCO hat den Park 1983 zum Weltnaturerbe erklärt.

Vom Jaguar über Brillenbären, Anden-Schakale, Ozelote, Tapire, Riesenotter, Kaimane bis hin zu verschiedenen Affen- und 1.000 Vogelarten sind hier unzählige, vielfach vom Aussterben bedrohte Tiere vertreten. Auf Höhenlagen zwischen 365 und 4.000 Meter findet man außerdem rund 15.000 bekannte Pflanzen- und über 200 Baumarten. Und fast jede Woche werden es mehr, denn große Teile des Parks sind noch nicht erschlossen.

Manú ist in drei große Bereiche eingeteilt:

In der frei zugänglichen „Zona Cultural“ (circa 40.000 Hektar), der öffentlichen Zone, leben die Einheimischen; außerdem stehen hier einige Lodges für die Touristen.

Die über sechsmal so große „Zona Experimental“ (experimentelle Zone) mit nur ganz wenigen Lodges darf lediglich von angemeldeten Wissenschaftlern und Forschern sowie Ökotouristen mit Genehmigung, lizensiertem Führer und berechtigtem Veranstalter besucht werden. Ein Ausflug in dieses Gebiet wird zum grandiosen Naturerlebnis, zum Beispiel bei Wanderungen zu den Urwaldseen „Cocha Salvador“ und „Cocha Otorongo“. Mit ein bisschen Glück entdecken Hiker sogar Jaguare beim Sonnenbaden.

In den größten Teil des Parkes, der „Zona Natural“ (Sperrzone) haben Touristen keinen Zutritt. Nur Anthropologen und Wissenschaftler mit Genehmigungen des peruanischen Landwirtschaftsministeriums dürfen diesen Bereich betreten.

In einer vierten Zone, auf fast 100.000 Hektar, leben die Einheimischen, die Yaminahua und Kugapakori, deren ursprüngliche Lebensart als Urwaldnomaden erhalten werden soll.

5. Parque Nacional Madidi, Bolivien

Gewaltige Artenvielfalt

Madidi wurde 1995 unter Naturschutz gestellt und gehört zu den Highlights jeder Bolivien-Reise: Dieser gigantische Park im Nordwesten des Landes ist eine Welt für sich. Auf rund 1,9 Millionen Hektar vereint er die verschiedensten Ökozonen – Pampa, Trockenwald, Nebelwald, Tiefland-Regenwald sowie die Gletscher der Hochanden. Für viele zählt der Nationalpark, der zwischen 150 und 6.000 Meter hoch liegt, zu den schönsten und ursprünglichsten Regionen Amerikas.

Egal, ob es sich um die schneebedeckten Anden-Gipfel oder den Amazonas-Dschungel mit seinen Hauptflüssen Río Madidi und Río Tuichi handelt: Die herrlichen Landschaften, in denen rund 5.000 Pflanzenarten gedeihen, werden den Besuchern lange in Erinnerung bleiben. Auch die artenreiche Tierwelt sucht ihresgleichen: Im Park leben über 1.000 Vogelarten und mehr als 150 Säugetiergattungen, zum Beispiel Pumas, Jaguare, Brillenbären, Salzkatzen und verschiedene Affenarten, daneben auch ein Großteil der Amphibien und Reptilien Boliviens.

Alles in allem kann sich Madidi mit dem bekannten Manu-Nationalpark messen, wobei er vom Preisniveau her günstiger ist als sein peruanisches Pendant. Authentisch übernachten Touristen in der Chalalán Ecolodge im Amazonas-Regenwald, die der Community von San José de Uchupiamonas gehört. Das Haus wurde aus einheimischen Materialien in traditioneller Bauweise errichtet und bietet Platz für bis zu 30 Gäste.

Zum besonderen Erlebnis werden die Touren mit einem einheimischen Guide, der den Lodge-Gästen die Schönheit Madidis näherbringt, zum Beispiel während einer Wanderung auf dem Papageienpfad oder auf Kanutrips auf kleineren Flüssen. Auf Nachtwanderungen kreucht und fleucht es im Licht der Taschenlampe: Jetzt sind exotische Insekten, Spinnen, Flusstiere, Nachtvögel und Affen unterwegs. Bei einer Nachtkanufahrt leuchten die Augen der Alligatoren im Wasser, was manchem Gast einen Schauer über den Rücken jagt.

6. Parque Nacional de Chapada Diamantina, Brasilien

Wanderungen und Wasserfälle

Der 400 Kilometer im Landesinneren gelegene Nationalpark ist ein „Must“ für alle, die sich etwas länger in Salvador aufhalten. Nach ein paar Stunden Bus- oder Autofahrt glaubt man sich in einer anderen Welt: Keine Hektik mehr, sondern viel Ruhe in tropischem Ambiente. Das durchschnittlich 1.000 Meter hoch gelegene Plateau bietet mit seinen Felsformationen (höchster Gipfel ist mit 2.036 Metern der „Pico do Barbado“), Tafelbergen, Tälern und Schluchten viel Abwechslung. Flüsse und Wasserfälle sorgen für üppige Vegetation in dem eher trockenen Gebiet.

Auf 1.520 Quadratkilometern sind den Aktivitäten keine Grenzen gesetzt. Um sich das große Netz an Wanderwegen zu erschließen, brauchen Hiker viel Zeit. Besonders interessant sind die Höhlen, in denen früher auch Diamanten gefunden wurden (daher auch der Name: „Chapada Diamantina“ – „Diamanten-Hochebene“).

Eine erlebnisreiche Mehrtagestour führt durch das Tal „Vale do Paty“ mit seinen verlassenen Minensiedlungen und tollen Ausblicken auf das Hochland von „Morro de Castelo“. In diesen Breitengraden kann es sehr warm werden, doch das nächste Bad ist meist um die Ecke: Die natürlichen Schwimmbecken der Wasserfälle bringen im richtigen Augenblick Abkühlung für müde Wanderer.

Tipp: Wer abseits der Touristenpfade auf unmarkierten Wegen wandern will, sollte einen ortskundigen Führer mitnehmen.

Den besonderen Kick gibt’s im Park beim Abseilen in Höhlen und über Felskanten. Oder beim Wasserfall „Cachoeira do Buração“, wo geübte Schwimmer von den reißenden Fluten durch eine Schlucht getrieben werden. Geruhsamer geht es am „Poço Encantado“ zu – einem „verzauberten Wasserloch“, das man über einen steilen Pfad erreicht: Wenn im Herbst und Winter Sonnenstrahlen in die Höhle eindringen, leuchtet das Becken im schönsten Kobaltblau.

7. Parque Nacional Cotopaxi, Ecuador

An den Schloten der Vulkane

Dieser Nationalpark in 3.400 bis 5.897 Metern Höhe ist besonders beliebt bei Bergsteigern, die den Cotopaxi (5.897 Meter) bezwingen wollen. Der Name des höchsten aktiven Vulkans der Welt bedeutet einerseits in der Sprache der Cayapas „Hals des Mondes“. Andererseits wurde er aber von den vorinkaischen Panzaleos „Feuerschlund“ genannt: Neben den Freuden bei der Besteigung hat er schon viel Leid gebracht, zuletzt bei seinen Ausbrüchen im 20. Jahrhundert. Auch jetzt sind die Forscher wieder von den Schmelzen am Westhang unterhalb des Kraters alarmiert.

Doch der Vulkan gehört trotzdem zu den meistbestiegenen Bergen Südamerikas. Beim Erklimmen des Gipfels erleben Hiker intensiv die Landschaften des Hochlands: Ihr Weg führt vorbei an der „Laguna Limpiopungo“, einem hübschen kleinen See mit reicher Vogelwelt, durch die herbe Vegetation des Hochplateaus mit Wildpferden, Lamas und Anden-Kondoren bis hin zum Vulkangletscher. Steht man dann endlich am Schlund des Kraters, umgeben von absoluter Ruhe, stellt sich ein unbeschreibliches Glücksgefühl ein. Ein Blick über die schneebedeckten Berge der Anden ist Belohnung genug für die Strapazen des Aufstiegs.

Der Cotopaxi ist nicht der einzige Vulkan in diesem Gebiet, sondern er gehört zur etwa 300 Kilometer langen „Allee der Vulkane“ in den östlichen Anden – so wie auch der nicht mehr aktive Vulkan Rumiñahui. Mit seinen „nur“ 4.721 Metern ist er der kleine Bruder des Cotopaxi und leicht zu besteigen.

Auch in Sachen Kultur gibt es im Park einiges zu sehen, zum Beispiel die Ruinen der ehemaligen Inka-Festung Pucará sowie einen im 15. Jahrhundert errichteten Inka-Palast am Fuße des Cotopaxi. Im 17. Jahrhundert wurde er von einem katholischen Augustiner-Orden in ein Kloster umgebaut. Aus der religiösen Stätte ist inzwischen ein beliebtes Hotel geworden: die Hazienda San Agustin de Callo.

8. Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros, Brasilien

Vorbildlicher Ökotourismus

Der wunderschöne, aber abgelegene „Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros“ (Hochebene des Sumpfhirsches) gehört zu den größten Nationalparks im Landesinneren von Brasilien. Inmitten des „Cerrado“ (Buschsteppe) auf 600 bis 1.650 Metern gelegen, wurde er Anfang der 1960er-Jahre gegründet. Ziel war es, die Quellen verschiedener Flüsse sowie die vielfältige Tier- und die exotische Pflanzenwelt (Orchideen, Brasilianischer Pfefferbaum, Kokos-Babassu-Palmen und so weiter) zu schützen.

Spektakuläre Wasserfälle, natürliche Schwimmbecken, Schluchten, Felsen und Palmenhaine bestimmen das Bild dieses Parks. Hier leben vom Aussterben bedrohte Tiere, zum Beispiel Pampashirsche, Mähnenwölfe und Jaguare, aber auch riesige Gürteltiere, Tapire, Tukane, Nandus, Königsgeier und viele mehr. In den letzten zehn Jahren hat der Ökotourismus in diesem Gebiet deutlich zugenommen. Auch Abenteuersport wird großgeschrieben: Aus ganz Brasilien reisen Kletterer und Kanuten an, um hier ihren Leidenschaften zu frönen.

Viele Bewohner, die früher in den Minen arbeiteten, wurden zu Fremdenführern ausgebildet. Sie begleiten Besucher auf ihre Wanderungen wie in den „Cânion Rio Preto“, wo sich der Fluss durch enge Sandstein-Schluchten arbeitet, zum malerischen Wasserfall „Cachoeiras Almécegas“ oder „Morro da Baleia“ (Wal-Hügel), den man auch ersteigen kann. Organisierte, jeweils sechsstündige Touren führen zu den Hauptattraktionen der Chapada: Schluchten, Wasserfällen und Felsen. Tolle Abendstimmung erlebt man im „Vale da Lua“ (Mondtal), wo die untergehende Sonne die Felsen in ein bizarres Licht taucht.

9. Parque Nacional Canaima, Venezuela

Höhlenlabyrinthe und riesige Wasserfälle

Canaima mit seinen mächtigen Sandstein-Tafelbergen, Wasserfällen und tropischen Vegetation sollte auf keiner Venezuela-Reise fehlen: Flächenmäßig einer der größten Nationalparks der Erde, geben sich hier auch die höchsten Wasserfälle ein Stelldichein.

So ist der „Salto Angel“ mit 979 Metern Fallhöhe der höchste freifallende Wasserfall weltweit – Expeditionen in Einbaubooten der Pemón-Indianer zu diesem Giganten versprechen einmalige Naturerlebnisse. Ein nicht weniger beeindruckendes Schauspiel bieten die Wasserfälle „Salto Sapo“ und „Salto Kukenam“, die ebenfalls aus großer Höhe von den Tafelbergen in die Tiefe stürzen.

Auf Wanderungen, bei Jeep-Safaris oder per Flugzeug kann man tiefer in das von Tälern zerklüftete, trockene Hochplateau der „Gran Sabana“ eindringen. Die uralten Tafelberge („Tepuis“ von den Pemón-Indianern genannt) sind typisch für den Nationalpark. Besonders beliebt ist der „Roraima“, der auch in Sir Arthur Conan Doyles Roman von 1912, „The Lost World“ (deutscher Titel: „Die vergessene Welt“), eine Rolle spielt. In den „Tepuis“ entstanden gigantische Höhlensysteme, zum Beispiel das über 20 Kilometer lange „Muchimuk“-Höhlensystem sowie die Schachthöhlen des „Sarisariñama-Tepuis“.

Im Hochland kommen viele endemische Tier- und Pflanzenarten vor. Mit ein bisschen Glück treffen Wanderer auf Ameisenbären, Faultiere, Riesenotter, Karibik-Leguane, Beuteltiere oder erspähen in der Ferne sogar einen Jaguar. Im Park gedeihen außerdem verschiedene Orchideen sowie fleischfressende Pflanzen, zum Beispiel unterschiedliche Sonnentau-Aarten, Sumpfkrüge und Reusenfallen.

10. Parque Nacional Natural Los Nevados, Kolumbien

Flussparadies im Hochgebirge

Eingerahmt von schneebedeckten Vulkanbergen ist dieser Nationalpark in 2.600 bis 5.325 Metern Höhe ein echtes Schmuckstück. Hier ist die Zentralkordillere am höchsten; man findet abwechslungsreiche Landschaften – vom feuchten Nebelwald über Moore bis hin zu den verschneiten Andengipfeln, fast alles Vier- oder Fünftausender.

In dieser einsamen Gegend gibt es viele Lagunen, die vor langer Zeit aus den Gruben der Eisgletscher entstanden. Zu den schönsten gehören die Grüne Lagune („Laguna Verde“), „Otún“ und „La Leona“. Im Park entspringen außerdem weit über 30 Flüsse, deren Wasser nicht nur Lebensader für Millionen Menschen in den Städten ist. Von hier aus werden auch mehr als die Hälfte der Kaffee-, Reis- und Baumwollplantagen Kolumbiens gespeist.

Mit 5.325 Metern belegt der Vulkan „Nevado del Ruiz“ Platz eins unter den höchsten Bergen im Naturreservat. Mitte der 1980er-Jahre brach er aus und begrub die Stadt Armero unter sich. Dabei starben mehr als 20.000 Menschen. Jetzt scheint er wieder in seinen Schlummerschlaf verfallen zu sein, allerdings traut niemand dem Frieden. Darum wird der Vulkan auch „Schlafender Löwe von Manizales“ genannt. Auf organisierten Touren kann man am „Nevado del Ruiz“ hiken. Um zu seinem Hauptkrater, „Arenas“, zu wandern, muss man sich mindestens eine Woche im Voraus eine Genehmigung der Parkbehörde in Manizales besorgen.

Tipp: Wer „Los Nevados“ im Schnee erleben will, sollte den Park im Oktober, November oder zwischen März und Mai besuchen. Die anderen Monate dagegen sind aufgrund des trockeneren Wetters gut zum Wandern geeignet und bieten oft eine tolle Fernsicht.

Konstanze Pfeiffer

 

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