Die feurigsten Feste Südamerikas

In Südamerika geht es auch außerhalb der Karnevalsaison hoch her. Lassen Sie sich von der südamerikanischen  Lebensfreude mitreißen!

Das ganze Jahr über finden Peruaner, Brasilianer, Ecuadorianer etc. genügend Anlässe, um ausgelassen zu feiern. Je nach Region vermischen sich indigene mit  afrikanischen und christlichen Elementen. Bei den Volksfesten, auf denen ausgiebig gegessen und getrunken wird, werden oft Heilige geehrt. Menschen  in farbenprächtigen Kostümen ziehen durch die Straßen, Künstler bieten ihre Waren feil. Bei Aufführungen lassen die Darsteller alte Zeiten und untergegangene Kulturen aufleben. Einige Feste dauern mehrere Tage. Und da ist viel Durchhaltevermögen angesagt.

Brasilien: Festa Junina

Das Sonnenwendfest zu Ehren der Juni-Heiligen São Antônio, São João und São Pedro wird in Brasilien mancherorts größer gefeiert als der Karneval – so beispielsweise im nordostbrasilianischen Caruaru, was die City sogar ins Guiness-Buch der Rekorde brachte!

Vor rund 1500 Jahren hieß dieses Fest in den katholischen Ländern Europas noch „Joanina“. Zur Kolonialzeit brachten es die Portugiesen nach Brasilien. Seine vielfältigen kulturellen Einflüsse machen „Junina“, wie es inzwischen genannt wird, besonders spannend. So hat der Volkstanz Quadrilha seinen Ursprung in der französischen Quadrille. Das traditionelle Feuerwerk stammt ursprünglich aus China und der traditionelle Tanz „Dança de fitas“ (Bändertanz) aus Portugal und Spanien. Zu diesen europäischen Elementen haben sich in den letzten Jahrhunderten afro-brasilianische und indigene Einflüsse gesellt.

Die Quadrilha wird heute eigentlich nur noch auf dem Festa Junina und in einigen ländlichen Gegenden getanzt: Ganz wie in alten Zeiten erscheinen die Männer in Hosenträgern und karierten Hemden, die Frauen flechten sich Zöpfe und tragen Strohhüte. Die Gäste essen Maiskuchen, gekochte Maiskolben, süße Maispaste und leckeren Maispudding, da der Mais im Juni geerntet wird.

Tipp: Ziehen Sie sich im Süden des Landes warm an, denn im Juni – zu Winteranfang – kann es frisch und regnerisch werden.

Cusco, Peru: Inti Raymi

Mehr als 100 000 in- und ausländische Gäste feiern in Peru das Sonnenfest „Inti Raymi“, das zu Ehren des  Sonnengottes und als Dank für die eingefahrene Ernte ausgerichtet wird. Auf diesem Festival lässt sich das ganze Spektrum an farbenfroher peruanischer und bolivianischer Andenfolklore bewundern.

In früheren Zeiten fand die wohl bedeutendste Festlichkeit der Inkas in Cusco am 21. Juni zur Wintersonnwende statt. Allerdings verboten die spanischen Eroberer Mitte des 16. Jahrhunderts das Fest und es wurde erst 1944 auf Initiative indigener Künstler wieder Teil des kulturellen Lebens in Peru. Die Party dauert fast eine Woche an. Veranstaltungen, Straßenfeste und fröhliche Menschen sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Und abends geben die gefragtesten peruanischen Bands sogar Gratis-Konzerte.

Am 22. Juni eröffnet ein Feuerwerk das Inti Raymi, am 23. Juni folgt ein Folkloreumzug durch Cusco und am 24. Juni startet die eigentliche Fiesta mit der Sonnenzeremonie in Saqsaywamán in der Nähe von Cusco. Die Inka-Zeremonien lassen die Vergangenheit wieder auferstehen. Bei so vielen Priestern, Soldaten, Adeligen und Sonnenjungfern fühlen sich die Besucher in alte Zeiten zurückversetzt. Auf die Besucher warten viele Highlights, zum Beispiel wenn der oberste Priester dem Sonnengott ein Lama opfert.

Brasilien: Bumba Meu Boi

Auf dem Fest Bumba Meu Boi („Beweg dich, mein Ochse“) verschmelzen portugiesische, afrikanische und indigene Elemente miteinander. Bei viel Musik, Tanz und Schauspiel steht der Ochse immer wieder im Mittelpunkt, wobei in Südbrasilien Akkordeonklänge das Spiel begleiten, im Norden und Nordosten Trommeln. Ganz groß wird Bumba Meu Boi zwischen Ende Juni und Mitte August in São Luís im Bundesstaat Maranhão in Nordosten Brasiliens gefeiert.

Die Festvorbereitungen sind fast so aufwändig wie für den Karneval: Ein Jahr lang arbeiten viele Gruppen an ihren Kostümen und lernen neue Liedtexte. In dem Schauspiel geht es um die schwangere Catrina, die  Rinderzunge essen will. Ihr Mann macht sich auf den Weg, um den beliebten Ochsen Boi Mimoso zu töten. Doch der Gutsbesitzer erwischt ihn und bringt ihn vor Gericht. Catrinas Mann soll erst verziehen werden, wenn der Ochse wieder aufersteht. Er hat Glück, denn magische Tänze und Gesänge der Sklaven holen das Vieh ins Leben zurück. Der Zungendieb wird freigelassen und kehrt zu seiner Frau zurück. Die Rolle des Ochsen übernimmt übrigens kein echtes Rindvieh, sondern ein als Ochse verkleideter Mensch.

Viele Jahre wurde das Fest von der katholischen Kirche als „heidnisch“ verurteilt und durfte nur auf privaten Bauernhöfen begangen werden. Heute gehört es zu den beliebtesten Festivitäten Brasiliens.

Cali, Kolumbien: Feria de Cali

Zwischen Weihnachten und Neujahr feiern die Einwohner von Cali die Feria de Cali – ein bekanntes Volksfest und Musikfestival. Bei Partys, Paraden, Theateraufführungen, Schönheitswettbewerben und Stierwettkämpfen kommen alle Besucher auf ihre Kosten. Jedes Jahr steht das Festival unter einem neuen musikalischen Motto und die besten Musikgruppen werden ausgezeichnet.

Überall in Cali sind Tanzrhythmen wie Salsa, Merengue, Cumbia und Reggae zu hören. Die großartigen Künstler, die von Kollegen aus ganz Kolumbien, aber auch aus den USA, Cuba und Südamerika unterstützt werden, begeistern das Publikum mit ihren zum Teil kostenlosen öffentlichen Live-Konzerten.

Die Ursprünge des Festes gehen allerdings auf ein schreckliches Ereignis zurück: 1956 hatte ein mit Sprengstoff beladener Militär-Laster einen Unfall, bei dem 110 Menschen starben; ein Jahr danach wurde die „Feria de la Caña“ ins Leben gerufen (auch: „Feria de la Salsa“ oder „Feria de la Rumba“). Die  traurige Begebenheit hat den Kolumbianern aber nicht ihre Lebensfreude rauben können, was sich auf der Feria de Cali und vielen anderen Festen immer wieder zeigt.

Otavalo, Ecuador: Inti Raymi, Fiesta de San Juan, Fiesta de San Pedro

Auch in Ecuador wird Inti Raymi groß gefeiert und zugleich mit dem Fest des heiligen Johannes verbunden. Am 21. Juni zelebriert die indigene Bevölkerung des kleinen Ortes Otavalo das Wintersonnfest, drei Tage später das San-Juan-Fest. Bei Umzügen, Maskenparaden und auf der Straße wird viel getanzt, gegessen und getrunken.

In der ganzen Stadt spielen Straßenmusikanten auf Trommeln, Flöten und Gitarren. Das Fest beginnt mit einem rituellen Bad im Peguche-Wasserfall – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es schließen sich Stierkämpfe, Regatten und Kostümparaden an, auf denen die Festbesucher als Mexikaner, Chinesen, Zorro oder Batman erscheinen. Bei der Kapelle wird in alter Tradition des heiligen Johannes mit Felsbrocken gekämpft. Die Fiesta de San Pedro y San Pablo am 29. Juni rundet die Festlichkeiten ab. Mit allen drei Festen ehren die Einwohner auch die neue Ernte und Mama Erde.

Osterinsel, Chile: Tapati Rapa Nui

Tapati Rapa Nui begeistert sowohl einheimische Gäste als auch Touristen. Im Mittelpunkt des Festes, das Ende Januar und Anfang Februar stattfindet, steht die Wahl der Königin (Reina Rapa Nui).

Die Kandidatinnen werden von den angesehensten Familien Rapa Nuis gestellt. Wer bei den Wettkämpfen die höchste Punktzahl erzielt, gewinnt. Allerdings geht die Schöne nicht selbst an den Start. Sie sucht sich einen Athleten, der sie standesgemäß vertritt: Er muss tanzen, singen und Moai-Statuen schnitzen können, aber auch Talent beweisen in Sachen Körperbemalung, Bananenstamm-Abfahrt (bis zu 80 Stundenkilometer) und beim Tauchen, Angeln, Pferderennen usw.

Tapati Rapa Nui beginnt mit der Vorstellung der Kandidatinnen und Folklore-Shows. Am kleinen weißen Sandstrand von Anakena erleben die Gäste noch einmal die Ankunft der ersten Siedler mit. Im Anschluss können sie die Athleten im Krater beim Triathlon anfeuern. Beladen mit Bananenbündeln rennen die Sportler um den See, schwimmen dann zum anderen Ufer und paddeln im Binsenboot Marke Eigenbau wieder zurück. Um zu gewinnen sind alle Mittel recht, und es kann schon mal das Ruderboot des Gegners empfindlich gerammt werden.

Der Straßenumzug mit geschmückten Wagen bildet den Höhepunkt des Festes. In der letzten Nacht fällt auch die Entscheidung, welche Insel-Schönheit das holzgeschnitzte Krönchen tragen und sich „Reina Rapa Nui“ nennen darf.

Venezuela: Fiesta de los Diablos Danzantes

In vielen Atlantik-Orten Venezuelas geht es an Fronleichnam mit dem Teufel zu. Auf der Fiesta de los Diablos Danzantes ziehen die Teufelstänzer – alles Mitglieder von Bruderschaften – in roten oder andersfarbigen, mit Klingeln besetzten Kostümen durch die Stadt. Ihre farbenprächtigen Tiermasken flößen den Festgästen eine gehörige Portion Respekt ein.

Mit Kürbisrasseln geben die tanzenden Teufel auf der Prozession den Ton an. Der Tanz der „Diablos de Yare“ wurde im 18. Jahrhundert von Spanien nach Venezuela gebracht. Auf dem Fest tragen die Tanzgruppen der verschiedenen Orte eigene Kostüme, die Tanz-Riten sind weitgehend identisch. Die Diablos Danzantes erfüllen tänzerisch ihre Gelübde und danken Gott für die Heilung von Krankheiten. Das ganze Spektakel endet mit der Fronleichnamsmesse.

Mendoza, Argentinien: Weinfest Fiesta de la Vendimia

Auf der Fiesta de la Vendimia dreht sich alles um argentinischen Wein, der heutzutage Weltruhm erlangt hat. Allerdings wird – wie im ganzen Land – hauptsächlich Rotwein produziert, der auf fruchtbarem Boden bei  mildem Klima hervorragend gedeiht.

Um diesen großartigen Wein gebührend zu ehren, richten die Argentinier Ende Februar zur Weinlese ein Riesen-Fest aus. Vor der spektakulären Anden-Kulisse zeigen sie, was es mit der sprichwörtlichen südamerikanischen Lebensfreude aus sich hat.

Die Stimmung auf Umzügen, in Bars und Straßencafés ist ausgelassen. Besonders reichlich fließen regionale Weine wie Malbec, Syrah und Cabernet-Sauvignon. Doch wer am nächsten Morgen einen Kater hat, ist selber schuld. Denn schon Konfuzius wusste: Am Rausch ist nicht der Wein, sondern der Trinker schuld …

Oruro, Bolivien: La Diablada

La Diablada wird zwar von Faschingssamstag bis Fastnachtdienstag gefeiert, hat aber nicht viel mit Fasching zu tun. Das große Folklore-Festival, bei dem gute und böse Mächte miteinander ringen, verkörpert trotz einiger katholischer Einflüsse ein vorchristliches Dankes-Ritual.

Die Gäste ehren „Virgen de Socavón“, die Schutzpatronin der Bergarbeiter. Diese „mineros“ arbeiten in den Gruben unter härtesten Bedingungen; das Fest stellt für sie eine willkommene Ablenkung von ihrem schweren Leben dar.
Aberglaube, Religion und Ehrfurcht vor den Naturgewalten vermischen sich zu einem einzigartigen Schauspiel.

Hunderte von Tänzern in phantasievollen Kostümen huldigen der Jungfrau. Symbole wie Kröten, Schlangen, Ameisen und Echsen stehen in den Anden für Fruchtbarkeit und sind in die Zeremonien eingebunden. Die tanzenden „supayas“ („Teufel“ auf Aymara) repräsentieren die soziale Macht.

Montevideo, Uruguay: Semana Criolla

Wenn zu Ostern die „Kreolische Woche“ anbricht, läuft Uruguays Hauptstadt Montevideo zu Hochform auf. Ob Musik, Tanz oder Aufführungen, für jeden wird etwas geboten. Auf dem größten Gaucho-Festival des Landes bleiben sowohl bei den „südamerikanischen Cowboys“ als auch ihren Fans kaum noch Wünsche offen.

Die mutigsten Gauchos Uruguays, Argentiniens und Brasiliens treten während der Gaucho-Wettbewerbe auf wilden Pferden (Rodeos) gegeneinander an. Das Publikum ist von den halsbrecherischen Ritten fasziniert. Und am Ende der Woche bekommt der beste Reiter einen Preis.

Außer viel Wildwest-Flair bietet die Kreolen-Woche, die 1925 ins Leben gerufen wurde, noch weitere Highlights. So werden leckere kreolische Gerichte gereicht und typische uruguayische Produkte nebst Handwerkskunst gezeigt. Dazu gibt’s Musik, Musik, Musik und jede Menge zu trinken.

 

 

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