Die interessantesten Maya-Stätten

Astronomie, Mathematik, Architektur – all das beherrschten die Maya hervorragend. Ihre kulturellen Geheimnisse bergen noch heute ihre prächtigen Bauten.

Eine längst vergangene Hochkultur hat uns für den 21.12.2012 den Weltuntergang prophezeit: An diesem Tag endet der Maya-Kalender und damit angeblich auch unsere Zivilisation. Niemand weiß wirklich, was diese düstere Prognose zu bedeuten hat. Der Maya-Kalender ist zwar schon alt, aber auch sehr präzise und beruht auf exakten astronomischen Beobachtungen. Fest steht, dass es am 21.12.2012 tatsächlich zu einer ungewöhnlichen und seltenen Planetenkonstellation kommen wird: An diesem Tag nimmt die Sonne das Zentrum der Milchstraße ein, was nur rund alle 26.000 Jahre geschieht.

Doch wer war dieses Volk, das solche ausgezeichneten Mathematiker und Astronomen hervorgebracht hat? Kapitel aus der bewegten Geschichte dieser hochstehenden Kultur erzählen die Maya-Stätten in Mittelamerika. Einige von ihnen wurden hervorragend restauriert, andere verstecken sich noch bis heute tief im Urwald und warten auf ihre Wiederentdeckung. Das Reich der Maya, die aus dem Hochland von Guatemala stammten, war sehr groß. Es erstreckte sich über das heutige Mexiko (Quintana Roo, Yucatan, Campeche, Tabasco, Chiapas), Guatemala, Belize bis in den Westen von Honduras und El Salvador.

Die Maya-Gesellschaft durchlebte verschiedene Entwicklungsstufen: In der vorklassischen Periode (1.500 vor Christus bis 250 nach Christus) gründeten die Olmeken (wohl die Ahnen der Maya) erste Königreiche. Sie errichteten einfache Sakralstätten auf Plattformen oder Hügeln, um sich vom Volk abzuheben. Erste Wissenschaften entstanden – wie Mathematik, Astronomie, Hieroglyphenschrift, Kalenderkunde. Es entwickelten sich auch künstlerische Techniken, zum Beispiel Weben, Holz- und Steinbearbeitung sowie Töpfern. Das Königtum gewann immer mehr an Bedeutung und wurde als Verbindungsglied zu Ahnen und Göttern angesehen. Und es bildeten sich unterschiedliche soziale Schichten heraus.

In ihrer Klassik (250 bis 900 nach Christus) erlebte die Maya-Kultur ihre Blütezeit. Es entstanden neue Königreiche und mächtige Stadtstaaten wie Tikal, Calakmul, Palenque und Copán. Die Entwicklung in Wissenschaft und Handwerk wurde weiter vorangetrieben. Beim Bau von bis zu 70 Meter hohen Tempeln und anderen Gebäuden bediente man sich jetzt neuer Techniken und Verfahren. So wurde das Baumaterial aus Steinbrüchen gewonnen, Mörtel als Bindemittel und Stuck als Schutz für die Gebäude verwendet, Geländer, Treppen, Säulen eingefügt und die Bauten mit Skulpturen, Wandmalereien und Mosaiken verziert. Doch schon im neunten Jahrhundert nach Christus verließen die Bewohner die Stadtstaaten im zentralen Tiefland. Die genauen Gründe sind bis heute nicht geklärt. Schuld daran könnten Hungersnöte auf Grund von Überbevölkerung, Krieg oder auch der Verlust des Obrigkeitsglaubens gewesen sein.

In der Postklassik (900 bis 1492 nach Christus) siedelten sich viele Menschen im nördlichen Tiefland an. Damit gewannen Stadtstaaten wie Uxmal und Chichen Itz á immer mehr an Macht und Einfluss. Nach der Eroberung von Chichen Itzá durch Mayapan Anfang des 15. Jahrhunderts zerfiel die Yucatán-Halbinsel in kleinere Stammesgebiete. Die Spanier unterwarfen ab 1492 nach und nach das gesamte Maya-Land. Obwohl schon fast alle Maya bis Mitte des 16. Jahrhunderts unterjocht worden waren, kämpften die Itza-Maya noch bis 1697 gegen die Eroberer, wurden dann aber auch besiegt.

Wer sich die spannende Geschichte der Maya etwas genauer vor Augen führen möchte, der sollte einige ihrer Stätten besuchen, die in den Wäldern Zentralamerikas schlummern. Die zehn beeindruckendsten sind hier aufgezählt und beschrieben. Lesen Sie und lassen Sie die Geschichte wieder lebendig werden!

1. Tikal, Guatemala

Die vergötterte Stadt

„Es ist ein Gemeinplatz, von den glanzvollen alten Maya und ihren fast vergötterten Städten zu sprechen. Doch solche Klischees bekommen neue Bedeutung …, wenn man mitten in Tikal steht oder von einem höher gelegenen Tempeleingang über den Dschungel blickt, der die Stadt und ihre Maya erobert hat.“

Das schrieb der amerikanische Archäologe William R. Coe, der Tikal so gut kannte wie fast kein anderer. Und so beeindruckt wie er sind alle Besucher dieser antiken Maya-Stätte mitten im guatemaltekischen Regenwald. Heute ist es größte Ausgrabungsstätte auf amerikanischem Boden und Teil des Tikal National Parks. Auf diese Weise wird das Weltkulturerbe vor Plünderern geschützt.

Im rund 15 Quadratkilometer großen Stadtzentrum stehen über 3.000 Gebäude, teilweise von tropischen Pflanzen überwuchert. Obwohl Tikal sehr gut erforscht ist, liegen wohl noch Tausende weiterer alter Häuserfundamente unter der Erdoberfläche und warten auf ihre Wiederentdeckung. Gruppen von Pyramiden, Palästen, Tempeln und Ballspielplätzen sind durch Straßen miteinander verbunden. Die erste datierte Maya-Stele (griechisch für Grabsäule) stammt aus dem Jahr 292 nach Christus.

Tikal erlebte während der klassischen Maya-Epoche seine Glanzzeit. Diese begann unter Herrscher „Stürmischer Himmel“ im fünften Jahrhundert nach Christus und setzte sich unter „Ah Cacao“ ab 682 nach Christus fort. 100 Jahre später lebten rund 55.000 Einwohner auf 123 Quadratkilometern, was Tikal zur größten Stadt im Maya-Gebiet machte. Im frühen neunten Jahrhundert setzte der Niedergang ein, und die Bautätigkeiten wurden eingestellt; im zehnten Jahrhundert lebte niemand mehr in Tikal.

Unter den vielen interessanten Gebäuden vermittelt der Gran Plaza im Zentrum einen besonders guten Eindruck vom Leben in der antiken Metropole. Er diente – so wird angenommen – als eine Art „kosmischer Raum“: Im „Himmel“ (die Nordakropolis) wurden die Herrscher Tikals begraben. Auf zwei großen Plattformen errichtet, symbolisierte der Palast südlich des Platzes die „Unterwelt“.  Da er sehr aufwändig gebaut war, nimmt man an, dass es sich bei diesem Palast auf der Zentralakropolis um die Königsresidenz handelte.

2. Palenque, Yucatán (Mexico)

Maya-Stadt in spektakulärer Lage

Mitten im Urwald liegen die geheimnisvollen, mit Stuck und Skulpturen geschmückten Ruinen von Palenque, das Ende des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Doch nicht nur diese archäologischen Funde machen die Maya-Stätte zu einem besonders bemerkenswerten Ort: Wer die Stufen der Tempel hinaufsteigt, dem bietet sich ein fantastischer Blick über die Baumgipfel des Regenwaldes bis hinunter ins Flachland. Schon 100 vor Christus ließen sich die Maya hier nieder. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt aber erst in der klassischen Periode vom sechsten bis achten Jahrhundert nach Christus. Schon 200 Jahre später verfiel sie allerdings immer mehr.

Die gut erhaltenen Tempel wurden auf pyramidenförmigen Sockeln errichtet. Ihre  Dachverzierungen sind außergewöhnlich und bei Tempeln andernorts eher selten zu finden. Im Tempel der Inschriften – dem wichtigsten Heiligtum des Ortes – entdeckten Forscher das Grab des Herrschers von Palenque. Die Pyramide unter dem Tempel gilt als einzigartig in der präkolumbianischen Architektur Mexikos, da sie auch als Grabmal diente. Tief im Innern der Pyramide befindet sich die Grabkammer; im Grab selbst entdeckten Archäologen einen Grabschatz, der aus Jadeschmuck und einer schönen Jademaske besteht.

Der auf einer zehn Meter hohen Plattform errichtete labyrinthartige Palastkomplex – das Werk mehrerer Könige – setzt sich aus verschiedenen Gebäuden, Gängen und Innenhöfen zusammen. Ein 15 Meter hoher Turm im Zentrum der Anlage diente als Beobachtungsturm. Hier saßen die Priester in engen Räumen und sagten die Zukunft aus den Sternen vorher. Im Hof stechen vor allem die Reliefs mit Gefangenen ins Auge, die die Macht der Herrscher demonstrieren. Weitere interessante Bauten in diesem Ort des Weltkulturerbes sind der noch nicht ganz freigelegte Tempel des Jaguars, der Tempel des Blätterkreuzes mit einem Relief, das eine kreuzförmige Maispflanze zeigt, sowie der auf einer vierstufigen Pyramide errichtete Sonnentempel.

3. Copán, Honduras

Maya-Mystik im Gebirge

Dieser Stadtstaat auf 600 Meter Höhe erlebte seine Blütezeit im achten Jahrhundert – während der klassischen Maya-Periode. Dazu trug auch seine ideale Lage im fruchtbaren Copán-Tal bei. Die umliegenden bis zu 2.000 Meter hohen Berge schützten den Ort vor Hurrikans und schwülen Luftströmungen, so dass es nie unerträglich feuchtheiß wurde.

Einen weiteren Pluspunkt stellten die natürlichen Rohstoffvorkommen in der Umgebung dar. Viele Skulpturen, Stelen und Gebäude bestehen aus grünem Tuffstein, der in der Nähe von Copán abgebaut wurde. Aus Granit fertigten die Maya Mahlsteine zur Herstellung von Mehl; eine Lehmgrube nutzten sie für die Keramikproduktion. Für Schmuck und Werkzeuge verwendeten sie Jade, das ebenfalls in der Gegend reichlich vorkommt. Auch Obsidian verarbeiteten die Maya. Dieses vulkanische Gesteinsglas mussten sie allerdings aus der zentralmexikanischen Stadt Teotihuacán einführen. Ganz am östlichen Rand des Maya-Gebietes gelegen, trieb Copán regen Handel, vor allem mit den Städten im Norden.

Die gut erforschte Maya-Fundstätte, die zum Weltkulturerbe gehört, war ein Königreich, das die Maya um 160 nach Christus gegründet hatten. 426 nach Christus wurde eine Herrscherdynastie geboren, die 400 Jahre lang ohne Unterbrechung herrschte. „Rauch-Imix-Gott K“, der von 628 bis 695 nach Christus regierte, ebnete dem spätklassischen Copán den Weg zur Großmacht.

Sein Nachfolger „Achtzehn-Kaninchen“ bestellte die besten Baumeister, Bildhauer, Kalligraphen und Kunsthandwerker seiner Zeit, um das Stadtzentrum auf eine Weise ungestalten zu lassen, wie wir es auch heute noch kennen. Besonders sehenswert sind der Zeremonialplatz, die aus vielen einzelnen Gebäuden, Plattformen und Terrassen bestehende Akropolis, der Tempel der Inschriften, die weltbekannte Skulptur „Der alte Mann von Copán“ sowie die Hieroglyphentreppe – das größte steinerne Schriftwerk der Maya.

Unter einem Altar am Fuß der Hieroglyphentreppe vergruben die Maya ihre Opfergaben: Damit die Götter ihnen eine reiche Ernte schenkten, vollzog der König rituelle Blutopfer. Man benutzte bei diesen Ritualen zum Beispiel Stacheln von Seeigeln, Rochen und stachlige Austernschalen.

Aber auch der zweitgrößte Ballspielplatz auf Maya-Gebiet (nach Chichen Itzá) befindet sich in Copán. Das Ballspiel hatte für die mesoamerikanischen Völker in präkolumbischer Zeit nicht nur sportliche, sondern ebenfalls rituelle Bedeutung: Der Ballspielplatz versinnbildlichte nämlich auch einen Eingang zur Unterwelt.

4. Uxmal, Yucatán (Mexico)

Die dreimal erbaute Maya-Stadt

Diese spätklassische Maya-Ruinenstadt liegt in der hügeligen Karstlandschaft der Puuc-Region („Puuc“ in der Mayasprache Yucatáns: „Hügelland“). Die wichtigste Maya-Stätte des Gebiets erlebte ihre Blütezeit im neunten und frühen zehnten Jahrhundert nach Christus, wurde allerdings ein bis zwei Jahrhunderte später von ihren Einwohnern verlassen. Im Gegensatz zu anderen Maya-Orten in Yucatán sind in Uxmal keine „cenotes“ (mit Süßwasser gefüllte, tiefe Kalksteinlöcher – Wohnsitz des Regengottes Chac, dem auch Menschen geopfert wurden) zu finden. Die Einwohner Uxmals litten unter Wasserknappheit und sammelten Wasser in künstlichen Zisternen.

Uxmal („dreimal erbaut“) gehört mit seinen schön restaurierten Gebäuden zu den meist besuchten Maya-Ruinenstätten. Viele Bauwerke sind phantasievoll dekoriert und zeigen einen einheitlichen architektonischen Stil. Überragt werden alle Gebäude von der 35 Meter hohen Adivino-Pyramide („Wahrsager“-Pyramide) mit ihren abgerundeten Ecken, die über vier Jahrhunderte immer wieder um- und ausgebaut wurde – im Laufe der Zeit entstanden fünf Tempel übereinander. Wer die tolle Aussicht von ganz oben genießen will, muss allerdings erst einmal die steilen Stufen bis zum Tempel auf der obersten Plattform erklimmen. Der Aufstieg ist ziemlich anstrengend, denn die Treppe hat einen Steigungswinkel von rund 45 Grad.

Der Gouverneurspalast aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert gilt als Höhepunkt des Puuc-Stils. Zu ihm gehören drei Gebäude, die durch Maya-Bogen miteinander verbunden sind. Vom Mosaikfries der Fassade heben sich die Rüsselnasen des Regengottes Chac ab. Im Nonnenviereck, dessen 74 kleine Kammern die Spanier an die Zellen eines Nonnenkloster erinnerten (daher der Name), kann man mit Chac-Masken, Schlangenmotiven und Gittermustern dekorierte Fassaden bewundern. Die Außenwände des Hauses der Schildkröte sind mit einem Fries aus kleinen Schildkröten verziert.

5. Chichen Itzá, Yucatán (Mexico)

Zentrum der Macht

Chichen Itzá („Mund der Brunnen der Itzá“) gehört nicht nur zu den am besten erhaltenen Mayastätten Yucatáns. Sie ist auch eine der bedeutendsten und meist besuchten Ruinenstädte Mexikos. Jeden Tag zieht es Tausende von Touristen, vor allem aus den Ferienorten Cancún und Playa Del Carmen, zu dieser Stätte des Weltkulturerbes, um die hervorragend restaurierten Mayaruinen zu bewundern. Und inzwischen steht Chichen Itzá sogar auf der Liste der „Sieben neuen Weltwunder“.

In der spätklassischen Mayakultur entstanden, spielte der Ort zwischen dem achten und elften Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Maya-Gesellschaft. Allerdings haben die Archäologen auch bis heute nicht alle Rätsel um seine Entstehung und Entwicklung lösen können. Fest steht, dass Chichen Itzá mit über 35.000 Einwohnern bis ins 13. Jahrhundert hinein ein wirtschaftliches, politisches und religiöses Machtzentrum war.

Was die Bauweise der Gebäude betrifft, fällt besonders das verbindende Elemente von Maya- und Tolteken-Architektur auf. Einer Legende nach hatte sich das Volk aus Tula in Chichen Itzá den Maya unterworfen. Noch heute fallen viele bauliche Gemeinsamkeiten zwischen der Ruinenstätte Tollan / Tula und Chichen Itzá auf.

Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehört zweifellos die 30 Meter hohe Pyramide Kukulcán (spanisch: „El Castillo“ / Schloss), die viele Elemente des Maya-Kalenders aufweist. Sie wurde auf einem quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 55 Metern an der Basis erbaut. Zur Plattform führt an jeder Seite der Pyramide jeweils eine Treppe. Alle vier Treppen mit jeweils 91 Stufen stehen für die vier Himmelsrichtungen. Addiert man ihre Stufen mit der Stufe zur Plattform ergeben sich genau 365 Treppenstufen, die je einen Tag des Jahres repräsentieren. Zur Sonnenwende im Frühjahr und Herbst kann man eine optische Täuschung beobachten, wenn ein Schatten auf die Nordseite der Pyramide fällt: Man meint, eine Schlange krieche die Stufen herunter.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Schneckenturm, der wohl ein Observatorium war, der Ballspielplatz – mit 168 Meter Länge der größte Mesoamerikas, der Tempel der tausend Säulen, der auf einer Pyramide errichtete Kriegertempel sowie das Nonnenkloster, in dem aber nie Nonnen wohnten.

6. Tulum, Yucatán (Mexico)

Hochkultur am Karibikstrand

Vor jahrhundertealten Maya-Ruinen im türkisblauen Meer baden – das ist nur in Tulum möglich. Obwohl der Ort architektonisch gesehen nicht zu den bedeutendsten Maya-Stätten gehört, ist seine malerische Lage auf einer Klippe über der Karibikküste einzigartig und für Touristen aus Cancún ein beliebtes Ausflugsziel. Um sein Flair in Ruhe genießen zu können, sollte man ihn deshalb am besten frühmorgens oder am späten Nachmittag besuchen.

Tulum (in der Maya-Sprache: „Mauer“, „Festung“) war von 1200 nach Christus bis zur spanischen Eroberung nicht nur ein florierendes Handelszentrum, das sich vor allem auf den Honigexport spezialisiert hatte, sondern auch religiöser Mittelpunkt. Hier legten seefahrende Maya-Kaufleute aus verschiedenen Regionen an, was sich an den unterschiedlichen architektonischen Stilen bemerkbar macht. Noch heute dient das Schloss („El Castillo“) mit seinem 13 Meter hohen Turm als Orientierungspunkt an der Küste der Halbinsel Yucatan. Sogar der Spanier Juan Díaz war von der Größe des Gebäudes tief beeindruckt, als er 1518 nach Tulum kam. Noch heute können die Stuckfiguren von „El Castillo“ bewundert werden.

Auch im Freskentempel („Templo de las Pinturas“), von dessen Warte aus der Sonnenlauf beobachtet wurde, sind noch heute einige Wandmalereien zu sehen wie Fische, Schlangen, Meerestiere, die die jeweilige Gottheit einrahmen. Der Bau war in religiöser und sozialer Hinsicht sehr bedeutungsvoll für das nachklassische Tulum.

Der „Tempel des Windes“ („Templo del Dios del Viento“), auf einem Hügel in Meeresnähe gelegen, wurde auf einer halbrunden Plattform erbaut und ist von der Bauweise her eher Maya-untypisch. Von hier aus wurde wahrscheinlich der Wind angebetet.

7. El Mirador, Guatemala

Die vergessene Stadt

Kaum jemand kennt El Mirador, die „vergessene Stadt“, die sogar als Wiege der Maya-Zivilisation gilt. Die größte Maya-Metropole der Präklassik erlebte ihre Blütezeit als Handelszentrum ab 300 vor Christus, wurde jedoch bereits um 50 nach Christus von ihren Bewohnern verlassen. Auf einem großen, von Urwald überwucherten Gebiet befinden sich Hunderte von Maya-Ruinen. Besonders sehenswert in der 1926 wiederentdeckten Stadt sind die zwei großen Pyramiden: die rund 55 Meter hohe „El Tigre“ und die 72 Meter hohe „La Danta“, die zu einem Komplex verschiedener auf Plattformen errichteter Gebäude gehört.

Dieser Danta-Pyramidenkomplex mit einem Fassungsvermögen von 2,8 Millionen Kubikmetern könnte sogar der größte der Welt sein. Besonders beeindruckend dabei: Jeder Stein wurde per Hand nach oben getragen, denn es gab keine Pferdewagen, Äxte, Räder oder andere Hilfsmittel. Es sind noch nicht alle Ruinen vollständig restauriert – ein Grund für die relativ geringen Besucherzahlen. Außerdem ist die Anreise zu dieser Mayastätte nicht so einfach, denn sie liegt mitten im Dschungel.

Doch das wird sich sicher bald ändern, denn bei Ausgrabungen werden immer neue interessante Funde gemacht: So entdeckten Archäologen 2009 einen vier Meter langen und drei Meter hoher Maya-Fries, schätzungsweise aus dem Jahr 300 vor Christus – und damit der älteste bisher bekannte seiner Art. Der Fries aus Kalkstein und Stuck zeigt Hunapú und Ixbalanqué (in der Sagenwelt der Maya Sonne und Mond) beim Baden im Fluss.

Das Projekt „Mirador Basin National Park“ will dieses geschichtsträchtige Gebiet in einen riesigen Nationalpark integrieren. So können bei Ausgrabungen weitere Entdeckungen gemacht werden und die Touristen mehr darüber lernen. Der Schutz der „vergessenen Stadt“ ist notwendig, da sie von Holzfällern, Viehzüchtern und Drogendealern bedroht ist, die sich immer weiter in die Wildnis vorarbeiten.

8. Uaxactún, Guatemala

Sonnenbeobachtung im Urwald

Die alte Ruinenstadt im Nationalpark von Tikal gehört zu den frühesten historischen Maya-Stätten; hier entdeckten Forscher die ersten Funde aus vorklassischer Zeit. Schon um 1000 bis 350 vor Christus wurde Uaxactún bewohnt, allerdings gegen 200 nach Christus – wie auch andere Maya-Stätten des Tieflands – verlassen, dann später wieder neu besiedelt.

Den Höhepunkt der Macht erreichte Uaxactún in der Zeit der Maya-Klassik (250 bis 909 nach Christus), als auch die Hieroglyphenschrift entstand. In dem Ort verfeinerten die Maya ihren Kalender, verbesserten das Schriftsystem und stellten hochwertige mehrfarbige Keramikgegenstände her.

Laut einer Inschrift regierte ab 378 nach Christus ein aus Zentral-Mexiko stammender König, der weitreichende kulturelle Veränderungen durchsetzte. Die Stadt konnte aber nie wirklich mit seinem nur 23 Kilometer entfernten großen „Bruder“ Tikal konkurrieren. Als im achten und neunten Jahrhundert alle großen Maya-Stätten der Klassik verlassen wurden, traf 889 nach Christus auch Uaxactún dieses Schicksal.

Bei Ausgrabungen fanden Archäologen unter einer Palastanlage die Überreste einer ovalen Sockelplattform aus der Frühklassik. Die Bauten jener Epoche waren durch hölzerne, mit Palmstroh gedeckte Dächer gekennzeichnet. Besonders bekannt ist ein Tempel-Komplex in Gruppe E; eine Pyramide mit Treppenaufgängen an jeder Seite wurde vor allem als Observatorium genutzt: Man ordnete drei Tempel gegenüber einer Plattform derart an, dass die Sonnenaufgänge zur Sonnenwende beobachtet werden konnten.

In den Grabkammern der Oberschicht fanden die Archäologen nicht nur Gefäße, sondern auch Essgeschirr, das in der Mitte ein Loch hat, was die rituelle Tötung symbolisierte.

9. Yaxchilán, Chiapas (Mexico)

Die einsame Schöne

Wer diese abgelegene, aber bezaubernde Maya-Stätte im Grenzgebiet zwischen Mexico und Guatemala kennen lernen möchte, muss einige Strapazen auf sich nehmen. Mitten im Regenwald, am Fluss Usumacinta gelegen, ist sie nur per Bus, Boot und Kleinflugzeug erreichbar. Hier leben die Lacandón-Indios, die letzten Nachkommen der alten Maya, die mit der traditionellen Lebensweise und Religion verwurzelt sind. Yaxchilán spielt für sie noch eine große Rolle, da sie hier ihre Ahnengötter verehren und ihnen Opfer bringen können.

Das einstmals mächtige Fürstentum wurde um 350 vor Christus gegründet, erreichte seine Blüte aber erst im achten Jahrhundert unter König „Schild Jaguar“ und seinem Sohn „Vogel Jaguar“. Yaxchilán, im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, ist vor allem für seine Steinskulpturen mit Darstellungen von Menschen und Hieroglyphentexten, Stelen, Stuckornamente und schönen reliefbedeckten Türschwellen berühmt. Besonders gut erhalten ist der Tempel 33 mit der Skulptur von Vogel-Jaguar.

Zu weiteren bekannten Bauwerken gehören der Ballspielplatz sowie die große, kleine und südliche Akropolis. In Yaxchilán fällt besonders auf, dass „Schild Jaguars“ Ehefrau Xoc oft auf Bildern in den Tempeln erscheint. Sie stammte aus der Maya-Oberschicht; die Verbindung mit ihr brachte dem Herrscher sehr viele Vorteile. Zum Beispiel sieht man im Tempel 23 auf zwei Türstürzen, wie Xoc ein Blutopfer bringt – und sich ein Band durch die durchbohrte Zunge zieht.

10. Calakmul, Campeche (Mexico)

Erst Ruhm, dann Untergang

Calakmul, eine wichtige Stadt der klassischen Periode, zählt neben El Mirador und Tikal zu den größten jemals entdeckten Maya-Stätten. Nachdem das Gebiet schon seit der Präklassik bewohnt war, stieg die Stadt im sechsten Jahrhundert zur führenden politischen und militärischen Großmacht der Gegend auf. Nach siegreichen Kämpfen gegen Tikal erlangte Calakmul (historischer Name: „Chan“ – Schlange) die Oberhoheit über verschiedene Vasallen-Staaten.

Besonders unter König „Yuknoom Ch’een II.“ („der Große“) erlangte der Ort Mitte des siebten Jahrhunderts Macht und Ruhm. Ab Ende des siebten Jahrhunderts, als der Sohn von Yuknoom dem Großen in einer entscheidenden Schlacht geschlagen und Calakmul wohl von Tikal besetzt wurde, setzte der Niedergang der Stadt ein. Endgültig verschwand sie in der politischen Bedeutungslosigkeit, als Tikal alle ihre Vasallen besiegte.

Auf einer Fläche von rund 30 Quadratkilometern standen in Calakmul mehr als 100 Kolossalbauten – insgesamt über 5.000 Gebäude, wobei immer noch viele Bauwerke unter der Erde ruhen. Die Strukturen I und II beherrschen das Stadtbild; zu den besonders bemerkenswerten Bauwerken gehört die mit 50 Metern höchste Pyramide Mexicos. Ihre zirka 100 Stelen sind besonders eindrucksvoll, wobei die Jademasken aus den Grabstätten im „Museo Arqueológico“ von Campeche ausgestellt sind.

Konstanze Pfeiffer

 

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