• Freundschaften in Salalah – frau hat’s (manchmal) nicht so leicht …

    Gepostet am 4. Januar 2015 von Konstanze zu Reiseblog, Salam Oman!.

    Friends ©Aleksandra Wolska

     
    Hier ticken die Uhren anders. Für Ausländer ist es nicht einfach, Leute kennenzulernen, geschweige denn, Freunde zu finden. Von ein paar Hotels und einer Bar abgesehen, gibt es kaum Möglichkeiten, auszugehen. Frauen haben es besonders schwer.

    Wer sich als alleinlebender Expat in Salalah langfristig kein soziales Netz aufbaut, vereinsamt komplett oder wird verrückt. Zu diesem Schluss komme ich nach zwei Monaten „stiller Beobachtung“. Und ich schreibe extra „langfristig“, denn man kann in einem Land wie Oman keine Wunder erwarten. Das sage ich mir auch immer wieder, wenn ich mich hier einsam fühle.

    Aber damit keine Missverständnisse entstehen: Wie in jeder anderen Stadt leben auch hier viele nette Leute, von denen ich einige schon getroffen haben, z.B. Iren, Sudanesen, natürlich Omaner, Amerikaner, Ägypter, Pakistani, Inder usw. Die Stadt bietet aber wenig Entertainment-, Kultur- und Sport-Möglichkeiten, um zusammen z.B. seinen Hobbys nachzugehen. Über Facebook bemühen sich nicht wenige Expats immer wieder, Partys, Yoga-Stunden, gemeinsame Essen, BBQs am Strand etc. zu organisieren. InterNations oder andere Expat-Netzwerke gibt es derzeit noch nicht in Salalah.

    Als Frau hier Fuß zu fassen, ist noch einmal ein ganz eigenes Kapital. Sobald offensichtlich wird, dass frau nicht verheiratet ist (einige Reiseführer raten sogar dazu, einen Ehering zu tragen, um von der (arabischen) Gesellschaft „respektvoller“ behandelt zu werden …), wird von mann nach der Telefonnummer gefragt und ein Nein nur schwer akzeptiert. Aber alles dezent, kein offenes Angebagger wie in anderen Gegenden … Der Status „unverheiratet“ oder „Single“ ist hier kaum verbreitet und dementsprechend kommt es oft zu Missverständnissen zwischen einheimischen Männern und Ausländerinnen …

    Eine (Halb-)Ägypterin aus München hat einmal zu mir gesagt, dass es Freundschaft zwischen einem arabischen Mann und einer Frau nicht gibt. Ich habe das lange bezweifelt, aber wenn ich hier die Leute so beobachte, muss ich immer öfter daran denken … Freundschaft mit einem Mann ist ja eigentlich schon in der westlichen Welt schwierig, aber in Oman quasi unmöglich. Es fehlt einfach das ungezwungene Miteinander-Umgehen der Geschlechter, ohne „Hintergedanken“. Was für eine westliche Frau kein Problem darstellt, wird hier nicht selten zum Problem stilisiert. Ende vom Lied: Freundschaften zwischen Mann und Frau sind unter diesen Umständen wohl zum Scheitern verurteilt. Zum einen weil sie gesellschaftlich nicht akzeptiert sind und auf Unverständnis stoßen. Zum anderen weil mann in seinem Bemühen, alles „korrekt“ zu machen und ja keinen „falschen Verdacht“ aufkommen zu lassen, die Frau letztendlich wie eine Fremde behandelt und die Vertrautheit, die in einer Freundschaft so eine wichtige Rolle spielt, verlorengeht. Aber mit Sicherheit gibt es auch in Oman Ausnahmen …

    Um also hier auf Dauer glücklich zu werden, sollte frau nebst Ehering gleich den dazugehörigen unternehmungslustigen Mann mitbringen – am besten keinen Workoholic (von denen es hier viele gibt), sondern jemanden, der mit ihr nach der Arbeit die Gegend erkundet, ausgeht und Spaß am Leben in einer neuen Kultur hat. Wenn der entsprechende Mann fehlt und sich das Interesse an Yoga- und Kochkursen in Grenzen hält, könnten ein paar aktive Expat-Frauen dafür sorgen, dass InterNations endlich auch in Salalah Fuß fasst.

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