• Die exotischsten Tiere

    Gepostet am 21. November 2014 von Konstanze zu Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Lateinamerika, Peru.
    Exotische Tiere: Wasserschwein

    Capybara (Wasserschwein) © Wikipedia


    So einzigartig wie Südamerika selbst sind auch die exotischen Tiere des Kontinents. Wer Glück hat, begegnet auf seinen Wanderungen Lamas, Faultieren, Ameisenbären oder Gürteltieren.

    Scharlachgesicht / Roter Uakari

    Bei diesem glatzköpfigen Affen mit dem scharlachroten Gesicht könnte man meinen, er habe zu lange in der Sonne gesessen. Doch ganz im Gegenteil: Uakaris mit feuerroten Gesichtern erfreuen sich allerbester Gesundheit – im Gegensatz zu blassen Artgenossen, die von Malaria oder anderen Krankheiten befallen sein könnten.

    Das lange, struppige Fell der Scharlachgesichter ist orange bis rotbraun gefärbt oder geht ins Gräulich-Weißliche. Im Unterschied zu anderen Affenarten haben sie einen verkürzten Schwanz, was ihren Kletterkünsten aber keinerlei Abbruch tut: Um sich von Ast zu Ast zu schwingen, benutzen sie Arme und Beine.

    Als größte Vertreter unter den Sakiaffen leben die Roten Uakaris vorwiegend in den überfluteten tropischen Regenwäldern des Amazonasbeckens im nordwestlichen Südamerika. Sie sind gesellige, tagaktive Tiere, die sich manchmal in Gruppen von bis zu 100 Vertretern versammeln.

    Wenn es auf Futtersuche geht, teilen sie sich allerdings in kleinere Trupps von bis zu zehn Uakaris auf. Bevorzugt fressen sie hartschalige Früchte und Samen, aber auch Insekten, Blätter und Blüten. Nachts schlafen sie hoch in den Wipfeln der Bäume.

    Die Weibchen gebären alle zwei Jahre nach rund sechs Monaten Tragzeit ein Junges. In menschlicher Obhut können diese intelligenten Affen rund 30 Jahre leben. Allerdings stehen die Roten Uakaris kurz vor der Ausrottung: Von einigen Indiostämmen werden sie wegen ihres schmackhaften Fleisches und um sie als Haustiere zu verkaufen gejagt. Die größte Gefahr geht jedoch von der Vernichtung ihres Lebensraumes durch die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes aus.

    Gürteltier / Armadillo

    Gürteltiere (spanisch: „Armadillo“) leben überwiegend in Bolivien, Argentinien, Brasilien und Paraguay. Ihr Körper ist fast vollständig von einem Horn- und Knochenpanzer bedeckt. Das kleinste Gürteltier, Gürtelmull, misst nur 15 Zentimeter und wiegt 100 Gramm, sein größter Verwandter, das Riesengürteltier, kann über einen Meter lang und bis zu 60 Kilo schwer werden. Die weiblichen Armadillos bringen nach bis zu vier Monaten Tragzeit ihre Jungen in Höhlen zur Welt. Das Neunbinden-Gürteltier wirft immer eineiige Vierlinge – ein Phänomen in der Tierwelt.

    Die nachtaktiven Säugetiere ernähren sich hauptsächlich von Ameisen, Termiten und anderen Insekten, die sie mit ihren scharfen Krallen ausbuddeln. Aber auch Früchte, Vogeleier und kleine Amphibien stehen zuweilen auf ihrer Speisekarte. Mit seinen rund 15 Zentimeter langen Klauen kann das Riesengürteltier problemlos ganze Termitenhügel auseinandernehmen. Ihm wird sogar nachgesagt, dass es sich mit seinen messerscharfen Krallen durch Beton graben kann.

    Der Geruchssinn der Armadillos ist sehr gut entwickelt: Ihre Beute erschnüffeln sie noch 20 Zentimeter tief im Erdboden. Und wenn die einzelgängerischen Gürteltiere schlafen wollen, buddeln sie sich selbst in den Boden ein.

    Aber auch Wasser lieben sie; trotz ihres schweren Panzers können viele Arten gut schwimmen. Damit sie von ihrem Gewicht nicht in die Tiefe gezogen werden, blähen sie sich durch Verschlucken von Luft derart auf, dass sie an der Wasseroberfläche bleiben und sogar weitere Strecken schwimmend zurücklegen können.

    Bei Feindangriffen an Land ziehen sich Armadillos zusammen und bieten Raubtieren keine Angriffsfläche mehr. Nur der Jaguar bringt es fertig, mit seinem Gebiss die Rüstung der Gürteltiere zu knacken. Doch das passiert selten, und Armadillos werden in freier Wildbahn bis zu 18 Jahre alt.

    Einige lassen sich gut zähmen und sind auch als Haustiere und Schädlingsbekämpfer beliebt; diese Tiere können sogar bis zu 30 Jahre alt werden. Das Fleisch der Gürteltiere gilt in Südamerika allerdings vielerorts auch als Delikatesse, was sich negativ auf ihren Bestand auswirkt. Hinzukommend vernichtet der Mensch immer mehr von ihrem Lebensraum.

    Nasenbär / Coati

    Wer den quirligen Raubtieren beim Spielen zusieht, würde sie am liebsten knuddeln… Doch Vorsicht, die putzigen Gesellen können ganz schön zuschnappen. Aus etwas Entfernung lassen sich die Kleinbären aber ohne Probleme fotografieren.

    Das Bemerkenswerteste an ihnen ist ihre Nase: Sie ist nicht nur ziemlich lang, sondern auch sehr beweglich. Mit ihr können die tagaktiven Tiere im Erdboden nach Futter buddeln und auch tiefer graben. Was ihre Fressgewohnheiten betrifft, ernähren sie sich sehr abwechslungsreich: Sie vertilgen nicht nur Früchte, Pflanzen und Insekten nebst Larven, sondern auch Spinnen, Skorpione, kleine Nagetiere und Eidechsen.

    Die Nasenbären (Spanisch: „coatí“, Englisch auch: „coati-mundi“ – aus einer Indio-Sprache) fühlen sich in fast ganz Südamerika wohl. Besonders oft trifft man sie in den tropischen Waldgebieten Kolumbiens, Venezuelas, Brasiliens und Nord-Argentiniens an. Zu ihren Feinden gehören Jaguare, Pumas und Riesenschlangen, aber auch der Mensch, der es nicht gern sieht, wenn die Coatis seine Hühner klauen.

    Am Tag tummeln sich die Nasenbären meist am Boden, nachts klettern sie zum Schlafen auf einen Baum. Dabei leistet ihnen ihr langer, buschiger Schwanz gute Dienste: Mit seiner Hilfe können sie die Balance auf den Ästen halten.

    Die Weibchen, die für die Aufzucht der Jungen zuständig sind, leben in der Gruppe, die Männchen eher als Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit tauchen die Männer bei den Weibchen auf, müssen sich ihren Platz mit Fellpflege oder anderen Tätigkeiten aber erst „verdienen“. Danach werden sie wieder vertrieben.

    Das Weibchen baut sich für die Geburt ihres Nachwuchses in den Bäumen ein Blätter-Nest. Nach rund zweieinhalb Monaten Tragzeit bringt es dann zwischen drei und sechs Junge zur Welt. Nasenbären können 15 Jahre alt werden.

    Faultier

    Wie es der Name schon andeutet, gehören Faultiere nicht zu den aktivsten Tierarten. In Zeitlupentempo hangeln sie sich in den mittel- und südamerikanischen Regenwäldern von Ast zu Ast, und nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen.

    Doch was uns Menschen wie Trägheit erscheint, hat im Tierreich seinen Sinn: Durch ihre extrem langsamen Bewegungen erregen Faultiere bei ihren Feinden wie Großkatzen und Greifvögeln kaum Aufmerksamkeit. Außerdem sind sie fast immer in Baumkronen unterwegs, wo kaum ein Raubtier hinkommt.

    Ihre grünliche Fellfarbe, die von winzig kleinen Algen im Pelz herrührt, tarnt sie zusätzlich. Faultiere sind sehr gute Schwimmer. Ist Gefahr im Verzug, lassen sie sich auch schnell einmal ins Wasser fallen. Allerdings ist das oft nicht die Ideallösung, weil schon Feinde wie die Anaconda auf sie lauern können.

    Fast immer hängen die Faultiere mit dem Rücken nach unten am Ast. Da sie es nicht eilig haben, können sie auf dem Weg durch die Dschungelwipfel an jungen Blättern, Früchten und Blüten knabbern. Fallen ihnen die Leckereien nicht direkt ins Maul, ziehen sie sie mit ihren bis zu sieben Zentimeter langen Handkrallen zu sich heran.

    Um zu sehen, was hinter ihrem Rücken vorgeht, brauchen sie lediglich ihren Kopf zu drehen: Ihre Halswirbelsäule ist sehr beweglich, was ihnen Kopfdrehungen um 180 Grad erlaubt. Doch das geschieht nur selten, denn die meiste Zeit – bis zu 18 Stunden täglich – schlafen sie kopfüber hängend im Baum. Einmal im Jahr gebärt das Weibchen, ebenfalls hängend, ein einzelnes Junges.

    Faultiere werden – je nach Art – bis neun Kilo schwer und bis zu 40 Jahre alt. Man unterscheidet zwei Familien: die Zweifinger- und Dreifinger-Faultiere. Im Moment sind nur wenige Faultiere vom Aussterben bedroht, zum Beispiel das Kragenfaultier (aus der Dreifinger-Familie). Doch eine permanente Gefahr für alle Tiere stellt die Abholzung der Regenwälder dar, die auch schon den Lebensraum vieler Faultiere zerstört hat.

    Wickelbär / Kinkajou

    Dieser Kleinbär, der beim Klettern mit seinem langen Schwanz die Äste umwickelt, lebt in den Regenwäldern Mittelamerikas und im nördlichen Südamerika (bis Südbrasilien). Man bekommt ihn nur selten zu Gesicht, da er fast nie aus den Baumwipfeln hinabsteigt und außerdem nachtaktiv ist.

    Tagsüber schläft er in Baumhöhlen, nachts frisst er. Der Kinkajou (wie ihn die Tupí-Indios nannten) liebt Früchte wie kaum ein anderes Tier. Zu seinen bevorzugten Obstsorten gehören je nach Lebensraum Mangos, Feigen, Bananen, Ananas und Guaven. Zu einem viel geringeren Teil ernährt er sich von Blättern, manchmal auch Insekten und Vogeleiern.

    Zum Nachtisch gibt’s Nektar, den er mit seiner langen Zunge aus den Blüten holt. Um an leckeren Honig zu kommen, wagt der Wickelbär auch Angriffe auf Bienenkörbe. Das hat ihm den Spitznamen „Honigbär“ eingebracht.

    Der Wickelbär ist ungefähr so groß wie eine Hauskatze und wiegt im Schnitt zwei bis drei Kilo. Obwohl die Tiere meist allein auf Nahrungssuche gehen, sind sie auch in Gruppen zu finden. Um sich – wie man annimmt – vor Feinden wie Ozeloten und Langschwanzkatzen zu schützen, schlafen sie in kleinen Familien-Einheiten.

    Nach 115 Tagen bringt das Weibchen fast immer nur ein Junges zur Welt. Im ersten Monat ist es blind; seine Sehfähigkeit verbessert sich aber in den darauffolgenden Wochen, wobei Wickelbären ihr ganzes Leben lang nicht besonders gut sehen können. Sie können ungefähr 20 bis 25 Jahre alt werden.

    Großer Ameisenbär

    Mit Bären ist er nicht verwandt, dafür liebt er Ameisen und Termiten über alles. Bei seiner Größe – es gibt über zwei Meter lange und fast 40 Kilo schwere Exemplare – würde man diesem Ameisenbären durchaus zutrauen, dass er auch Jagd auf größere Beutetiere macht. Doch mit seiner dünnen röhrenförmigen Schnauze, die nicht zum Rest des kräftigen, felligen Körpers zu passen scheint, könnte er kaum größere Happen vertilgen.

    Um an seine Delikatessen zu kommen, zerstört der Große Ameisenbär mit seinen starken Klauen die Termitenhügel und leckt die Insassen mit seiner langen Zunge auf. Die Säure der Termiten kann ihm nichts anhaben, da sein dichtes Fell Schutz vor den Attacken der Insekten bietet.

    Im Gegensatz zu anderen verwandten Ameisenbären lebt der größte Vertreter der Familie ausschließlich am Boden – in Feuchtwäldern, Sumpfgebieten und halbtrockenen Savannen Mittel- und Südamerikas, zum Beispiel in Brasilien im Cerrado (artenreiche Savanne) und im Pantanal (riesiges Feuchtgebiet). Bis nach Nordwest-Argentinien reicht die südlichstes Verbreitungsgebiet des Großen Ameisenbären.

    Mehr oder weniger Schutz findet er in hohlen Baumstämmen und im Gebüsch. Jaguare und Pumas gehören – vom Menschen abgesehen – zu seinen Hauptfeinden. Allerdings lässt der Große Ameisenbär sich nicht einfach auffressen. In aufgerichtetem Zustand rammt er dem Feind seine messerscharfen Krallen ins Fleisch und fügt auch Großkatzen schwere Verletzungen zu.

    Ein einziges Junges gebären die Weibchen nach ungefähr 190 Tagen Tragzeit. Das Kleine lässt sich dann ein halbes bis dreiviertel Jahr auf dem Rücken der Mutter herumtragen, eigenständig werden sie erst mit zwei Jahren. In Gefangenschaft können die Tiere bis 26 Jahre alt werden, in freier Wildbahn sterben sie eher.

    Lama

    Dass Lamas spucken, weiß schon jedes Kind. Allerdings werden weniger Menschen zur Zielscheibe ihrer Attacken, sondern vielmehr ihre eigenen Artgenossen – vor allem lästige Rivalen, gegen die sie ihr Revier verteidigen müssen. Obwohl Lamas zur Familie der Kamele zählen, haben sie keine Höcker, dafür aber – wie die „Alteweltkamele“ – Sohlenpolster an den Füßen und eine gespaltene, bewegliche Oberlippe. Ihr Fell kann schwarz, weiß, braun oder grau gefärbt sein.

    Vor rund 5.000 Jahren begannen die Indios, Lamas aus Guanacos (wie man annimmt) zu züchten und zu domestizieren. Die Inkas hielten bis zu zehn Millionen Lamas, die nach der spanischen Eroberung und Einführung von Pferden allerdings etwas an Bedeutung verloren.

    Heute gibt es vor allem in Chile, Nord-Argentinien, Bolivien und Süd-Peru noch rund drei Millionen „Neueweltkamele“. Sie liefern nicht nur Wolle und Fleisch, sondern dienen vor allem in unwegsamem Gelände der Anden weiterhin als Lastenträger.

    Die Tiere leben an den Berghängen und sind auch noch auf über 4.000 Metern anzutreffen. Die große Höhe macht ihnen nichts aus, da sie Sauerstoff auf besondere Weise aus der Luft aufnehmen. Lamas ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern, Pilzen, Blättern, Knospen und Flechten, aber brauchen im Gegensatz zu den „Alteweltkamelen“ regelmäßig Wasser.

    Nach elf bis zwölf Monaten Tragzeit bringen die Weibchen ein Junges zur Welt (im Spanischen: „Cría“). Lamas können über zwei Meter lang und bis zu 150 Kilo schwer werden, wobei die Weibchen oft etwas größer als die Männchen sind.

    Zur Familie der Kamele gehören in Südamerika neben den Lamas auch die wildlebenden Guanacos, die domestizierten Alpacas, die feine Wolle liefern, sowie die Vicuñas. Bei letzteren ist aber unklar, ob sie mit den Lamas zu einer Gattung gehören oder nicht. Die Vicuñas leben auf einer Höhe von 3.500 bis 5.500 Metern und sind vor allem wegen ihrer Wolle berühmt: Sie gilt als die seltenste und teuerste der Welt.

    Wasserschwein / Capybara

    Die Capybaras sind in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich: Zum einen handelt es sich bei den Wasserschweinen nicht etwa um Schweine, sondern um die größten Nagetiere der Erde. Zum anderen sind sie zwar mit Meerschweinchen verwandt, ähneln aber in ihrer Lebensweise und im Körperbau eher Nilpferden.

    In der Indiosprache Guaraní bedeutet „Capybara“ „Herr der Gräser“, weil die Tiere zu den größten Grasfressern Südamerikas zählen. Sie sind fast über den ganzen Kontinent verbreitet und jedes Land hat für sie einen eigenen Namen.

    Die Capybaras leben in der Nähe von Wasser, in Sumpfgebieten (zum Beispiel im brasilianischen „Pantanal“) und Mangrovenwäldern. Ihre Nahrung finden sie oft in grasbewachsenen Savannen; zum Schlafen suchen sie sich mit ihrer Herde (zwischen fünf und 100 Tiere, je nach Jahreszeit) meist ein Plätzchen auf festem Grund.

    Die Weibchen sind größer und schwerer als die Männchen. So wiegen die weiblichen Tiere um die 60 Kilo, die männlichen rund zehn Kilo weniger bei einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 1,30 Meter beziehungsweise einem Meter. Es wurden aber auch schon 80 Kilo schwere Capybaras gesichtet.

    Da sie zwischen ihren hufähnlichen Zehen Schwimmhäute haben, können sie sich ohne Probleme sowohl auf der Weide als auch flink im Wasser bewegen und sogar tauchen. Ihre Nagezähne, mit denen sie neben Gras auch Baumrinde, Kräuter, Wasserpflanzen, Zuckerrohr und Wassermelonen mampfen, werden bis zu zwei Zentimeter breit. Ihr Fell ist lang, rau und borstig.

    Capybaras gebären einmal im Jahr zwischen zwei und acht Junge, die der Mutter sofort folgen können. Nach zwei Monaten Säugezeit sind sie schon so selbstständig, dass die Mutter sie nicht mehr in ihrer Nähe haben will. Wasserschweine werden bis zu zehn Jahre alt.

    Andentapir / Bergtapir

    Die Kleinsten aus der Familie der Tapire gehören zu den stark bedrohten Tierarten. Die letzten rund 2.500 Bergtapire halten sich fast alle in Nationalparks der nordöstlichen Anden Kolumbiens, Ecuadors und Nord-Perus auf. Ihr Hauptfeind ist der Mensch, dessen Rinderherden ihren Lebensraum immer weiter einschränken, und der sie auch wegen ihres Fleisches jagt.

    Die scheuen Tiere leben als Einzelgänger auf Höhen von 2.000 bis über 4.000 Metern in Nebelwäldern, feuchten Bergwäldern und im Dickicht.

    Ihr Körper wirkt – wie bei den Flachland-Tapiren – massig im Vergleich zu den Beinen; typisch für alle Arten ist auch der kleine Rüssel, mit dem sie sehr gut riechen und tasten können. Im Unterschied zu anderen Mitgliedern aus ihrer Familie sehen die Bergtapire aber besser. Außerdem schützt ein langes, dichtes wolliges Fell ihre Haut vor der UV-Strahlung und Kälte im Hochgebirge. Leicht zu erkennen sind sie außerdem an ihren weißen Lippen. Die Tiere werden nur rund einen Meter hoch und 1,80 Meter lang.

    Die dämmerungsaktiven Andentapire lieben die Nähe zu Wasser, baden gern und suhlen sich im Schlamm, unter anderem, um die Parasiten zu vertreiben. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Blättern und Kräutern. Einer ihrer wenigen natürlichen Feinde ist der Jaguar, der sie aber selten attackiert.

    Ihre Paarungszeit startet in der Regenzeit, wobei sich Männchen und Weibchen nach der Begattung wieder voneinander trennen. Nach etwa 400 Tagen Tragzeit gebärt das Weibchen meist ein Junges, das bis zu einem Jahr gesäugt wird. Bergtapire leben ungefähr 30 Jahre.

    Pudu

    Der kleinste Hirsch der Welt ist mit einer Schulterhöhe von 25 bis 43 Zentimetern kaum größer als ein Hase. In Südamerika findet man zwei Pudu-Arten in völlig unterschiedlichen Lebensräumen: Der Nordpudu ist auf 2.000 bis 4.000 Meter Höhe in den kolumbianischen, ecuadorianischen und peruanischen Anden zu Hause. Er lebt abwechslungsweise in Bergwäldern und auf den hochliegenden Weiden. Der Südpudu bewohnt in West-Patagonien ausschließlich tiefe Wälder bis auf 1500 Meter Höhe.

    Davon abgesehen, dass die Mini-Hirsche im Schnitt nur sechs bis 13 Kilo wiegen, sehen sie mit ihrem gedrungenen Körper und den kurzen Beinen auch nicht aus wie ihre großen Verwandten. Das Geweih besteht aus zwei unverzweigten, kurzen Spießen, die man kaum sieht. Das Fell des Südpudus ist rot-, das des Nordpudus dunkelbraun gefärbt.

    Die Tiere fressen hauptsächlich Rinden, Gräser, Früchte, Laub, Farne, Knospen und Samen. Südpudus, die etwas zahlreicher vorkommen und besser erforscht sind, können längere Zeit auf Wasser verzichten; Flüssigkeit nehmen sie in großem Maße über die Nahrung auf. Da sie so klein sind, macht es ihnen nichts aus, auch auf schrägstehende Baumstämme zu klettern. Als Einzelgänger suchen nur zur Paarungszeit Gesellschaft; so wie die anderen – großen – Hirsche gebären sie nur ein Junges.

    Beide Puduarten gehören zu den gefährdeten Tieren. Zum einen werden sie vom Menschen gejagt, zum anderen wird ihr Lebensraum zerstört. Auch der etwas häufiger vorkommende Südpudu ist in Süd-Chile und -Argentinien inzwischen noch weiter in den Süden seines ursprünglichen Lebensraumes zurückgedrängt worden. Eine große Chance, diese Tiere zu sehen, hat man aber zum Beispiel noch auf der chilenischen Insel Chiloé.

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