• Busfahren in Oman: Nicht immer lustig

    Gepostet am 15. Januar 2015 von Konstanze zu Reiseblog, Salam Oman!.

    Busfahren in Oman ©mzacha, freeimages.com
    1000 Kilometer von Salalah nach Muscat: Zwölf Stunden im Nachtbus, das tut sich kaum ein Ausländer an. Trotzdem habe ich mich ins Abenteuer gestürzt – und einiges erlebt.

    Natürlich wollte ich lieber fliegen. Das Ganze hätte dann nur 1 Stunde 20 Minuten reine Flugzeit gedauert und wäre natürlich auch „respektabler“ gewesen. Sich „respektabel“ zu benehmen, ist hier sehr wichtig. Doch ein Blick auf die Flugpreise genügte, um mich umzustimmen und auf „respektabel“ zu pfeifen. Zumal ich auch noch entdeckt hatte, dass die Busse nach Muscat bei mir quasi vor der Haustür abfahren – ein Riesenvorteil in einer Stadt wie Salalah, in der Öffentlicher Nahverkehr nicht existiert und Taxifahrer bei der Berechnung ihrer Fahrpreise nicht zimperlich sind.

    Alles ging gut los. Nachdem ich nachgefragt hatte, ob denn die Air Conditioning in meiner hinteren Reihe später auch funktionieren würde, durfte ich mich ganz nach vorn setzen – in Reihe eins hinter den Fahrer, denn Frauen haben immer Anspruch auf die vorderen Plätze. Das Interessante dabei: Als Frau braucht man sich deshalb generell in keine langen Warteschlangen vor Bussen einzureihen, zum Beispiel in Dubai an den Haltestellen der Stadtbusse. Mein Langstreckenbus stand allerdings bei den Einheimischen nicht sehr hoch im Kurs; in Salalah stiegen nur ca. 12 bis 15 Leute ein, fast alles Gastarbeiter aus Indien und Pakistan, und ganz wenige Frauen. Anstellen musste sich da sowieso niemand.

    Ich hatte mir für die Fahrt extra ein dickes Buch mitgenommen, weil ich nachts meist nicht gut schlafen kann. Aber leider war es zappenduster im Bus, Leselampen nicht existent – bis der Fernseher anging und schönstes Bollywood über den Bildschirm flimmerte. Das Licht reichte zwar nicht zum Lesen, aber der Film war wenigstens eine Abwechslung.

    Der wohl aus Pakistan stammende Busfahrer-Assistent in Reihe eins rechts (mein Nachbar sozusagen) hatte den Film wohl schon mehrmals gesehen und auch sonst nicht viel zu tun, also streckte er sich gemütlich auf seinen zwei Sitzen aus und legte seine nackten Füße auf den rechten Sitz neben mir. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Frage mich, ob er das bei einer omanischen Frau auch getan hätte … Ich sagte ihm freundlich, dass er seine Füße woanders platzieren solle, was er tat. Aber nach zwei Minuten wieder das gleiche Spiel. Da es in diesem Nachtbus von den Umgangsformen her eher zuging wie auf dem Bau, schrie ich den guten Mann kräftig an und hatte dann für den Rest der Fahrt meine Ruhe vor ihm.

    Kaum war ich ein bisschen weggenickt, erreichten wir einen Check Point, von denen es in Oman einige gibt. Jemen ist nah und die Angst vor Terroristen groß, deshalb werden Reisende des öfteren kontrolliert, was völlig in Ordnung ist. Oman soll weiter ein sicheres Reiseland bleiben.

    Ich war (als europäisch aussehende Ausländerin) gleich die erste, die vom Officer angeschnauzt wurde: „Visa!“ Da ihn meine Reisepassdaten nicht zu interessieren schienen, suchte ich sofort meinen gültigen Visastempel im Pass heraus. Nur die Aufenthaltserlaubnis schien zu zählen, alles andere schaute er gar nicht an. Vermutlich gehen die Beamten davon aus, dass Ausländer, die in dem verratzten Bus herumfahren, nur illegal im Land sein können … Zu den ausländischen Männern war er nicht so unfreundlich, aber kontrollierte auch dort genau. Vielleicht hatte er auch einfach nur ein Problem mit Englisch … Es gab noch zwei weitere Kontrollen. Darauf war ich besser vorbereitet und hatte die Seite mit dem Visum bereits aufgeschlagen.

    Ich brauche hier nicht zu erwähnen, dass die Bustoilette die ganzen zwölf Stunden lang geschlossen blieb. Natürlich blöd, wenn man durch die Einöde fährt und der Busfahrer in seiner charmanten Art (kurzer Pfiff)  anbietet, in der Halbwüste Stopp zu machen, in der es nur ein paar verschwindend kleine Hügelchen gibt … Dieses Angebot haben die wenigen Frauen im Bus nicht wahrgenommen und lieber noch ein paar Stunden länger, bis zum nächsten Halt an einer Tankstelle, gewartet.

    Im Morgengrauen erreichten wir endlich Muscat und ich war froh, als ich aus dem Bus raus war. Auf der Rückfahrt hab ich den Tagesbus genommen, der wesentlich angenehmer und voller war. Kein dummes Angelaber oder Füße im Gesicht, sondern nette Leute, die einfach nur von A nach B wollten. Diesen Bus, der über Nizwa fährt, kann ich empfehlen. Von dem Nachtbus würde ich dringend abraten.

     

     

     

     

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