• Lateinamerika: Die gefährlichsten Tiere

    Gepostet am 28. Februar 2015 von Konstanze zu Lateinamerika.
    Lateinamerika: Die gefährlichsten Tiere

    © Konstanze Pfeiffer


    Neben putzigen Exoten tummeln sich in Lateinamerika auch weniger beliebte Tierarten. Obwohl sie gefährlich werden können, bereichern sie die Fauna des riesigen Kontinents so wie alle anderen Tiere auch.

    So sind beispielsweise Begegnungen mit Kammspinnen nicht selten: Nerven behalten, heißt es da, denn die giftigen Krabbeltiere zeigen sich gern von ihrer aggressiven Seite.

    Von der hochgiftigen Terciopelo-Lanzenotter bis zur Schauerklapperschlange – auch viele gefährliche Schlangen sorgen für Adrenalinstöße. Um Würgeschlangen zu erleben, muss man übriges nicht bis in den Urwald fahren. Die Anaconda trifft man zum Beispiel schon am Rande der brasilianischen Städte an.

    Kammspinne

    Der bereits erwähnten Kammspinne möchte man wirklich nicht über den Weg laufen: Sie gehört zu den giftigsten und aggressivsten Spinnen der Erde und  benimmt sich auch nicht sehr „spinnentypisch“, was sie noch unberechenbarer macht. Das bis zu fünf Zentimeter lange gräulich-braune Exemplar wird oft mit der weniger gefährlichen Vogelspinne verwechselt – mit oft tödlichen Folgen.

    Anstatt in einer Ecke Netze zu bauen, wandern die Kammspinnen auf der Suche nach Beute am Boden herum und machen es sich auch gern in Schuhen und Kleidungsstücken gemütlich. Fühlen sie sich bedroht – und das passiert sehr schnell – springen sie den vermeintlichen Angreifer aus kurzer Entfernung an oder rennen ihm  sogar hinterher. Haben sie „den Feind“ erwischt, beißen sie oft mehrmals zu.

    Auf den Biss folgen fast unerträgliche Schmerzen, einhergehend mit Schwindel, Sehstörungen, Lungenödemen, Fieber, Krämpfen und Atembeschwerden u.a. Das Gewebe wird durch das Gift schnell zerstört, und in der Vergangenheit  mussten schon Gliedmaßen amputiert werden. Der Biss kann auch beim Menschen bis zum Tode führen, wenn ihm nicht innerhalb von zwölf Stunden das Phoneutria-Immunserum verabreicht wird. Im schlimmsten Fall stirbt das Opfer nach 12 bis 17 Stunden an Atemlähmung.

    Die Kammspinnen sind vorwiegend in Süd- und Südostbrasilien sowie Nordargentinien auf Plantagen und in Gärten anzutreffen, aber auch im Amazonasgebiet und in Mittelamerika.

    Große Anaconda

    Um die Riesenboa ranken sich viele Mythen. Es wurden angeblich schon 450 Kilo schwere und 30 Meter lange Tiere gesichtet. Fest steht: Auch wenn das vielleicht maßlos übertrieben ist, sollte man dieser imposanten Würgeschlange lieber nicht zu nahe kommen. Zwar hat sie keine Giftzähne, dafür aber umso mehr Kraft: Die Anaconda lauert ihrer Beute im Wasser auf, verbeißt sich in ihr und erstickt sie durch enges Umwickeln. Dann verspeist sie das Tier (zum Beispiel Nagetiere, Fische, Kaimane, kleine Hirsche oder auch Wasserschweine) mit dem Kopf zuerst und im Ganzen, was viele Stunden dauern kann.  

    Die Anaconda gehört zu den größten Schlangen der Welt und ist in den Tropen Südamerikas – vorwiegend in Sumpflandschaften, stillen und langsam fließenden Gewässern – zu Hause. Man trifft sie zum Beispiel in ganz Brasilien an, wo sie sich sogar bis vor die Tore der Großstädte wagt. Typischerweise bewegt sich die Anaconda in seichtem Wasser, aber hängt manchmal auch im Geäst, um sich trocknen zu lassen.

    Diese Riesenschlangen sind noch nicht so gut erforscht, aber man weiß, dass die Weibchen im Schnitt um einiges größer und schwerer sind als die Männchen. Letztere können eine Länge von bis zu drei bis vier Metern erreichen; die Weibchen werden mindestens doppelt so lang und bringen erheblich mehr Kilos auf die Waage. Es wurde sogar schon ein rund neun Meter langes Tier gefangen.

    An der Paarung sind oft mehrere Männchen beteiligt, die alle gleichzeitig ein Weibchen umschlingen und einen „Paarungsknäuel“ bilden. Nach sechs bis acht Monaten bringt die Anaconda – je nach Größe – zwischen 18 und über 70 Junge lebend zur Welt.

    Terciopelo-Lanzenotter

    Auf das Konto dieser leicht reizbaren Viper gehen viele Vergiftungen mit nachfolgender Gliedmaßen-Amputation sowie zahlreiche Todesfälle. Die gefährliche Schlange lebt in den tropischen Regen- und Laubwäldern Mittel- und Nordwest-Südamerikas und ist auch auf Zuckerrohrplantagen, an Flussufern, in Baumhöhlen nahe der Dörfer und sogar in den Behausungen der Menschen anzutreffen, wo es nicht selten zu unangenehmen Zusammentreffen mit der Lanzenotter kommt.

    Besonders gefährlich ist die rund zwei Meter lange Schlange für Menschen, weil sie sie oft zu spät bemerken. Sie ergreift nämlich nicht die Flucht, wenn Leute im Anmarsch sind, sondern bleibt regungslos liegen. Kommt man ihr zu nahe oder berührt sie, beißt sie sofort zu. Dabei richtet sie sich auf und schlägt ihre langen Giftzähne oberhalb des Knies ein. Große Mengen ihrer Toxine dringen in Sekundenschnelle in den Körper; nicht selten muss einem Überlebenden das Bein amputiert werden.

    Die gewebezerstörenden Toxine dieser Schlange aus der Unterfamilie der Grubenotter sind sehr komplex und noch nicht ausreichend erforscht. Auf den Biss folgen Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, schmerzhafte Lymphknoten-Schwellungen, innere Blutungen usw. Inzwischen sind Gegengifte entwickelt worden, wobei nur ein erfahrener Arzt beurteilen sollte, welches Antiserum in welcher Dosis dem Patienten verabreicht wird, um zum Beispiel auch allergische Reaktionen zu vermeiden.

    Die nachtaktive Terciopelo-Lanzenotter ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren wie Mäusen und Ratten, aber auch von Echsen, Vögeln und Fröschen. Ihre Nachkommen – rund 80 Junge – gebärt sie lebend. Die Schlangen können bis zu 20 Jahre alt werden.

    Hai

    Statistisch gesehen stehen die brasilianischen Strände – nach Australien, Südafrika und den USA – weltweit an vierter Stelle, was die Zahl der Haiangriffe betrifft. Besonders im Bundesstaat São Paulo und im Nordosten des Landes (z.B. Maranhão und Pernambuco) kommt es öfter zu Zwischenfällen mit den Raubfischen (z.B. mit dem Bullenhai).

    An Recifes berühmten 20 Kilometer langen Strand „Boa Viagem“ (auch „Copacabana des Nordostens“ genannt) im gleichnamigen vornehmen Wohnviertel stecken so viele Hai-Warnschilder im Sand, dass man gar nicht mehr gern ins Wasser geht. Der Beach hatte mit 50 Hai-Angriffen, davon 19 tödlichen, zwischen 1992 und 2007 traurige Berühmtheit erlangt. Heute hat sich die Lage aufgrund der vielen Sicherheitsmaßnahmen entspannt.

    Meist ist der Mensch selbst verantwortlich für das (oft veränderte) Verhalten der Haie, die sich nach der Zerstörung ihres Lebensraumes neue Futterquellen suchen. So stehen die Hai-Angriffe in Recife in direktem Zusammenhang mit der Zerstörung der Küstenmangroven und dem Ausbau des Tiefwasserhafens in den 80er-Jahren. Der Bau hatte u.a. zur Folge, dass sich die Strömungsverhältnisse in den Flussmündungen veränderten, die Beutefische der Haie in die Baderegion verdrängt wurden und als Folge des gestiegenen Schiffsverkehrs mehr Abfälle ins Meer gelangten, was wiederum Haie anlockte.

    Auch in anderen Gegenden Südamerikas ist Vorsicht vor Haien angebracht. So tummelt sich der gefährliche Bullenhai nicht nur in den Küstengewässern von Ecuador, Kolumbien, Venezuela bis Südbrasilien, sondern gern auch im Süßwasser, z.B. in Flussmündungen oder im peruanischen und brasilianischen Amazonas – bis über 4000 Kilometer flussaufwärts.

    Der berüchtigte Weiße Hai ist nicht nur in den Küstenbereichen Brasiliens, sondern auch vor Uruguay und Argentinien anzutreffen. Ihm macht nämlich kühleres Wasser nichts aus, da er in der Lage ist, die Temperatur in einigen Körperbereichen  um zehn bis zwölf Grad höher zu halten als die des Meerwassers. Der Tiger-Hai, ebenso gefährlich wie der Bullen- und der Weiße Hai, liebt es etwas wärmer und hält sich u.a. in den tropischen und subtropischen Gewässern vor den Küsten Südamerikas auf.

    Dazu kommen noch andere Hai-Arten, die ebenfalls in Südamerika zu Hause, aber weniger angriffslustig sind. Mit ein bisschen Umsicht lassen sich aber unerwünschte Begegnungen mit allen Haien vermeiden (z.B. sollte man nie in trübem Wasser, frühmorgens oder in den Abendstunden schwimmen gehen und sich auf jeden Fall bei den Einheimischen vor Ort erkundigen, ob und wo Gefahr drohen könnte).

    Jaguar

    Der Jaguar gehört zu den gefährlichsten, aber auch beeindruckendsten Tieren Südamerikas. Schon seit Jahrhunderten verehren die indigenen Völker diese prachtvolle, stolze Raubkatze, die mit einem einzigen Prankenschlag ihre Beute erledigen kann. So zeigte sich in der Religion der Maya der Gott der Unterwelt in Gestalt des Jaguars; bei den Azteken trugen die obersten Kriegsherren Jaguarfelle und wurden „Jaguarkrieger“ genannt.

    Die drittgrößte Raubkatze der Welt (nach Löwe und Tiger) lebt in weiten Teilen Südamerikas – hauptsächlich im Regenwald, Buschland, in Savannen und hohem Gras – immer mit Wasser in der Nähe. Obwohl der Jaguar bis 125 Kilo schwer werden kann und sein Körperbau stämmig wirkt, bewegt er sich geschmeidig und ist ein sehr guter Kletterer.

    Im Gegensatz zum Leoparden, seinem kleinen Bruder aus Afrika, umschließen die dunklen kreisförmigen Flecken im gelb- bis rötlichbraunen Fell noch einen kleineren Tupfen. Ist das Fell ganz schwarz, wird der Jaguar „Schwarzer Panther“ genannt (so wie auch Leoparden mit schwarzer Färbung).

    Der Jaguar bringt, nachdem er oft lange im Hinterhalt gewartet hat, seine Beute schnell und wirkungsvoll zur Strecke: Erst schleicht er sich von hinten an sein Opfer an, dann erschlägt er es nach einem kurzen Spurt mit einem gewaltigen Prankenhieb – oder reißt es zumindest zu Boden. Nach einem Biss in Nacken oder Schädel ist dann auch der zäheste Gegner tot.  

    Die Mahlzeiten des Jaguars sind insgesamt gesehen ziemlich abwechslungsreich, denn er frisst so ziemlich alles, was sich bewegt: Schlangen, Kaimane, Fische, Eidechsen, Frösche, Gürteltiere, Tapire, Faultiere, Hirsche, Vögel, Affen und größere Säuger. Auch vor Schildkröten macht er nicht halt. Ab und zu gibt’s mal ein Haustier, was ihn bei den Bauern ziemlich unbeliebt macht. Doch der Lebensraum der Jaguare wird durch die Abholzung des Regenwaldes immer mehr eingeschränkt, so dass unliebsame Begegnungen mit Menschen nicht ausbleiben.

    Pfeilgiftfrosch

    Diese Fröschlein aus dem süd- und mittelamerikanischen Regenwald schillern in den schönsten Farben. Doch von ihrem ansprechenden Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen: Einige Vertreter gehören zu den giftigsten Fröschen weltweit; ihr knallbuntes Outfit dient ihren Feinden als Warnung, sich von ihnen fernzuhalten.

    Machen sich trotzdem hungrige Urwaldbewohner über einen dieser Pfeilgiftfrösche her, bereuen sie es schnell: Das Krampfgift „Batrachotoxin“ lähmt Muskeln und Atmung; ein Mensch kann schon an einer Dosis von 0,002 Milligramm pro Kilo Körpergewicht innerhalb von 20 Minuten sterben.

    Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, als Tourist zum Beispiel diese Froschlurche in freier Wildbahn anzutreffen, äußerst gering. Und nur bei drei Arten kann die Begegnung tödlich enden, zum Beispiel beim Schrecklichen Pfeilgiftfrosch („Phyllobates terribilis“) aus Kolumbien. Dringt nach der Berührung sein starkes Gift durch eine Hautwunde in den menschlichen Körper ein, sind die Stunden gezählt.

    Auch der „Phyllobates bicolor“ und der „Phyllobates aurotaenia“, ebenfalls aus Kolumbien, stehen ihrem Bruder in Sachen Gefährlichkeit in nichts nach. Diese drei sind für den Namen „Pfeilgiftfrosch“, den die  gesamte Familie trägt, verantwortlich. Denn mit ihrem Nervengift haben einige indigene Völker Westkolumbiens die Spitzen ihrer Blasrohrpfeile präpariert, bevor sie zur Jagd gingen.  

    Viele andere der über 200 Pfeilgiftfrosch-Arten sind weniger giftig und verursachen bei Kontakt „nur“ Übelkeit, Magen-Darm-Probleme und Fieber. Doch Baumsteigerfrösche müssen nicht prinzipiell giftig sein: Erst beim Fressen giftiger Beutetiere nehmen sie die Gifte auf und reichern sie in ihrem Körper an. Leben sie in Gefangenschaft und werden nicht mit den entsprechenden Futtertieren versorgt, verlieren sie ihre Giftigkeit und bringen meist ungiftige Nachkommen zur Welt.

    Roter Piranha

    Über die Piranhas kursieren wahre Schauergeschichten. So schrieb zum Beispiel US-Ex-Präsident Theodore Roosevelt 1914 in „Through the Brazilian Wilderness“: „Sie zerreißen und verschlingen bei lebendigem Leibe jeden verletzten Menschen und jedes verwundete Tier; denn Blut im Wasser bringt sie zur Raserei.“ Andere gingen sogar soweit, die Raubfische mit ihrem scharfen Gebiss als „Menschenfresser“ zu bezeichnen.

    Wie man aber inzwischen weiß, sind nur einige Arten gefährlich, zum Beispiel der Rote Piranha, der vor allem im Amazonas- und Orinoco-Becken vorkommt, aber auch weiter südlich bis hin zum Rio Paraná verbreitet ist. Normalerweise frisst der rund 20 bis 25 Zentimeter große Jäger vor allem Fische und Krustentiere, gehört aber trotzdem zu den angriffslustigsten Süßwasserfischen der Welt. Obwohl kaum Fälle bekannt sind, bei denen Menschen durch Piranha-Angriffe ums Leben kamen, sollte man nie allein oder mit einer blutenden Wunde in Piranha-Gewässern baden. Besonders in der Trockenzeit, wenn die Raubfische eng zusammengepfercht leben und sich anfangen, gegenseitig aufzufressen,  kann es gefährlich werden.

    In der Tat werden ganze Piranha-Schwärme schon von wenigen Millilitern Blut im Wasser angelockt, denn Blut bedeutet meist leichtes Spiel mit einem verletzten Tier. Der Angriff erfolgt blitzschnell: Erst wird das Opfer fixiert, dann zugebissen und mit einer Rüttelbewegung das Fleischstück aus der Beute herausgerissen. Das Tier verblutet dann. Zum Herunterschlucken entfernen sich die Piranhas von ihrer Beute. Am Schluss bleiben nur noch Knochen übrig.

    Da sie gegenüber vielen Krankheiten resistent sind und sogar Aas auf ihrer Speisekarte steht, machen sich die Piranhas im Amazonasgebiet als Gesundheitspolizisten sehr nützlich: Sie fressen nicht nur kranke Tiere, sondern auch Kadaver, die bei Hochwasser massenhaft im Wasser treiben. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass sich in dem empfindlichen Ökosystem keine Seuchen ausbreiten.

    Schauerklapperschlange

    Die bis 1,80 Meter lange Schauer-Klapperschlange Crotalus durissus lebt nicht nur als einzige Klapperschlange südlich von Mexiko. Sie ist auch die giftigste Vertreterin ihrer Gattung.

    Doch das Ganze lässt sich noch toppen: Die südlichste ihrer Unterarten, die Crotalus durissus terrificus, steht in dem Ruf, die giftigste Klapperschlange überhaupt zu sein. Dreiviertel ihrer Bisse enden unbehandelt binnen kürzester Zeit tödlich, da vor allem Nervengifte auf das zentrale Nervensystem wirken und u.a. zu Schock, Lähmungen, Nierenversagen führen, aber auch zu permanenter Blindheit.

    Diese hochgiftige Schlange bewohnt große Teile Südamerikas –
    von Südost-Peru bis zur brasilianischen Atlantikküste und bis hinunter nach Süd-Argentinien. Sie frisst hauptsächlich Ratten, Vögel, kleine Reptilien und Mäuse. Ihre Jungen werden lebend geboren.

    Die Gifte anderer Schauerklapperschlangen sind zwar auch nicht zu unterschätzen, aber enden nicht zwangsläufig tödlich, weil die Bisse gut behandelbar sind. So können die Gifte zwar häufig die Zerstörung von Gewebe auslösen und Schwellungen sowie lokale Schmerzen verursachen. Doch die Betroffenen werden oft durch ärztliche Hilfe und das passende Gegengift gerettet, was bei der Crotalus durissus terrificus weniger der Fall ist.

    Wer sich vor Klapperschlangen-Bissen schützen will, trägt am besten hohes Schuhwerk und hält beim Wandern die Augen offen. Klapperschlangen flüchten nicht vorm Menschen und sonnen sich manchmal mitten auf dem Weg. Eine andere Gefahr geht von Hunden aus, die die Schlangen im Gebüsch auftreiben. Hört man ihr Rasseln, sollte man sofort stehenbleiben, die Klapperschlange orten und sich dann langsam rückwärts laufend aus der Gefahrenzone begeben.

    Mohrenkaiman

    Mit über sechs Metern Länge belegt der Mohrenkaiman den Spitzenplatz unter den größten Raubtieren Südamerikas. Kein Wunder also, dass das Reptil schon in mehreren Büchern verewigt wurde – wenn auch in wenig schmeichelhafter Rolle, z.B. in Matthew Reillys Bestseller „Der Tempel“, in dem Mohrenkaimane ständig ins Wasser gefallene Leute verspeisen.

    Dieses größte aller Krokodile Südamerikas lebt an Fluss- und Seeufern sowie in Überschwemmungsgebieten des Amazonasbeckens, in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Amapá und in Französisch-Guayana. Die Reptilien werden nicht umsonst auch „Schwarze Kaimane“ genannt, da sie dunkel gefärbt sind und einen helleren Kopf haben. Die Männchen wurden lange Zeit wegen ihres schönen Krokodilleders gejagt.

    Obwohl die nachtaktiven Mohrenkaimane einen eher trägen Eindruck machen, sind sie schnell zu Wasser und zu Land unterwegs. Ehe es sich ein herumschwimmendes Beutetier versehen hat (z.B. Wasserschweine, Vögel, Echsen, andere Kaimane und Säuger), ist das Krokodil schon zur Stelle und zerrt sein Opfer in die Tiefe, um es zu ertränken. Trotz dass es bisher wohl nur wenige Angriffe auf Menschen gegeben hat, sollten sich Touristen vor allem in den Abendstunden in krokodilreichen Gegenden von den Ufern fernhalten und schon gar nicht leichtsinnig ins Wasser springen.

    Gemeiner Vampir

    Der Name ist kein Zufall, denn diese Fledermausart hat einiges mit den blutsaugenden Geschöpfen der Nacht gemeinsam. So ernährt sich der Gemeine Vampir von (tierischem) Blut, was unter Säugetieren einmalig ist. Der Mensch fürchtet ihn weniger wegen seines Blutdurstes, sondern vielmehr als Überträger gefährlicher Krankheiten wie der Tollwut. Denn durch Vampirbisse hat sich schon mancher infiziert.

    Diese Fledermäuse sind bei der Auswahl ihres Lebensraums nicht besonders anspruchsvoll und sowohl in den südamerikanischen Tropen als auch Subtropen bis auf Höhen von 2400 Metern zu Hause. Sogar auf der venezolanischen Insel Margarita schwirren sie durch die Nacht.

    Ihr soziales Verhalten ist ziemlich erstaunlich: So säubern sie sich nicht nur gegenseitig das Fell, sondern füttern auch hungrige Artgenossen mit Blut, das sie vorher hochgewürgt haben. Ohne diese tierische Hilfsbereitschaft würden schätzungsweise pro Jahr mehr als 80 Prozent der Gemeinen Vampire sterben, die im Schnitt nur wenige Tage ohne Blut überleben können.

    Gebissen werden hauptsächlich Säugetiere wie Rinder, Esel, Pferde, aber auch Wild und große Vögel. Der Gemeine Vampir nähert sich seinem Opfer hüpfend, sucht sich dann eine möglichst unbehaarte Stelle an dessen Körper aus, speichelt sie ein – was betäubend wirkt, rasiert mit seinen Zähnen Federn oder Haare weg, beißt ein Stück Haut heraus und leckt dann das Blut aus der Wunde. Hinterher ist er oft fast doppelt so schwer, so dass er kaum noch den Abflug schafft. Die gebissenen Tiere infizieren sich häufig und gehen jährlich zu Tausenden an Viehseuchen oder anderen durch Vampirbisse verursachte Krankheiten ein.

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